Düsseldorf

Düsseldorf: Stadt legt Steine gegen Obdachlose unter Brücke – unglaublich, was dann passiert

Bis Mittwoch sorgten die Steine unter einer Brücke in Düsseldorf dafür, dass hier keine Obdachlosen unterkommen. Nun sind sie plötzlich weg.
Bis Mittwoch sorgten die Steine unter einer Brücke in Düsseldorf dafür, dass hier keine Obdachlosen unterkommen. Nun sind sie plötzlich weg.
Foto: Martin Gerten/dpa

Düsseldorf. Obdachlose haben in Düsseldorf wahrlich keinen leichten Stand. Bußgelder für Obdachlose, die in Bushaltestellen schlafen, die geplante Räumung einer Zeltunterkunft und nun die neuste Schikane: Steine unter der Rheinkniebrücke, die verhindern sollen, dass hier Obdachlose Schutz finden.

Der vermeintliche Clou der Stadt Düsseldorf sorgt für einen Aufschrei. Die Organisation Fiftyfifty, die sich für Obdachlose stark macht, zeigte sich am Mittwoch fassungslos. Der Gründer des gleichnamigen Straßenmagazins, Hubert Ostendorf, erkennt in dem Handeln der Stadt eine Systematik. Die Stadt wehrte sich gegen die schweren Vorwürfe und verweist auf alternative Unterkünfte.

Doch am Donnerstag die Wende: Plötzlich waren die Steine unter der Brücke wieder verschwunden!

Düsseldorf: Steine gegen Obdachlose plötzlich verschwunden

Wie bereits angekündigt, setzte Fifityfifty gemeinsam mit Obdachlosen eine Protestaktion um. Am Nachmittag erschienen sie mit den Steinen vorm Rathaus und legten sie dort ab. Das deutliche Zeigen in Richtung Oberbürgermeister Thomas Geisel: So nicht!

Somit ist die Stelle unter der Brücke nun wieder frei. Auch weil zusätzlich zahlreiche Steine an den Rand geräumt wurden.

Fiftyfifty-Gründer erkennt systematische Diskriminierung

„Von Anfang an, seit 24 Jahren, arbeite ich nun bei fiftyfifty. In all den Jahren wurden und werden Obdachlose mit Bußgeldern überzogen. Nur, weil sie arm sind“, so Ostendorf in einer öffentlichen Stellungnahme am Mittwoch. Er spricht von einer „institutionellen Form der Diskriminierung“. Dabei habe seine Organisation immer den Dialog mit der Stadt gesucht. „Doch statt besser wird es immer schlimmer“, bemängelt er.

Obwohl das Fiftyfifty-Programm „Housing First“ versuche, Obdachlose dauerhaft in Wohnungen unterzubringen, lege die Stadt ihnen sprichwörtlich Steine in den Weg. „Klar, wir sind unbequem“, gesteht Ostendorf. „Weil wir nicht hinnehmen, dass Obdachlose, die sich vor dem Regen in einem Bushaltehäuschen schützen, dafür ein Bußgeld bekommen.“

>> Hier mehr dazu: Rentner (85) ruht sich kurz an Bushaltestelle aus - jetzt soll der Demenzkranke 35 Euro Bußgeld zahlen

Sobald die Verfahren vor Gericht gingen, wurden sie entweder gewonnen oder eingestellt, meint der Geschäftsführer. Dennoch gehe das Kalkül der Stadt auf. „Denn die meisten derer, denen es so schlecht geht, dass sie auf Betteln oder den Verkauf dieser Zeitung angewiesen sind, sind zu krank, zu schwach, zu sehr gebeugt durch ständige Verachtung und Vertreibung, dass sie sich eben nicht wehren können.“

„Besser ein Dach über dem Kopf, als eine Brücke“

Miriam Koch, städtische Leiterin für Migration und Integration und somit auch zuständig für Obdachlose, verweist darauf, dass die Obdachlosen an der Rheinkniebrücke zuvor informiert worden seien, dass sie dort nicht dauerhaft bleiben können. Streetworker und Mitarbeiter des Ordnungsamt hätten die Betroffenen darauf hingewiesen, dass „alternative Übernachtungsmöglichkeiten“ bereit stehen würden.

„Doch viele Obdachlose haben Vorbehalte gegenüber Unterkünften, weil sie Angst haben oder ihre Hunde nicht mitnehmen können“, erklärt Koch. Zusätzlich befindet sich einige hunderte Meter entfernt eine sogenannte „niederschwellige Nutzschlafstelle“. Ein altes Schulgebäude im Stadtteil Heerdt bietet Obdachlosen ein Dach über den Kopf. „Auf drei Geschossen befinden sich zehn Räume pro Etage, die seit Monaten leer stehen“, so die Amtsleiterin.

Die Maxime sei: „Besser ein Dach über dem Kopf, als eine Brücke.“ Die Steine und Fahrradständer unter der Brücke verhindern nun, dass die Obdachlosen zurückkehren.

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Obdachlose planen Protest für Donnerstag

Die Aktion der Stadt, unter der Brücke schwere Steine abzulegen, ist aber laut Fiftyfifty eine weitere Repressalie. „Die Leute sind ja nicht aus Jux und Dollerei dort“, so ein Fitftyfifty-Mitarbeiter. Zuvor soll es Probleme mit Besuchern des Apollo Varieté Theaters in unmittelbarer Nähe und Obdachlosen gegeben haben. „Diese Maßnahme ist absolut das falsche Signal.“

 
 

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