Düsseldorf

Krawalle im Rheinbad Düsseldorf: Schmiedeten die Jugendlichen DIESEN irren Plan?

Wie hier in Essen, sorgen bald auch in Düsseldorf Securitys für Recht und Ordnung.
Wie hier in Essen, sorgen bald auch in Düsseldorf Securitys für Recht und Ordnung.
Foto: Kerstin Kokoska / Funke Foto Services

Düsseldorf. Am Wochenende ist einiges im Rheinbad in Düsseldorf aus dem Ruder gelaufen. Eine Auseinandersetzung zwischen mehreren Jugendlichen und einem einzelnen Mann ist am Samstag eskaliert, die Polizei musste mit einem Großaufgebot einschreiten. Am Sonntag musste das Bad erneut geräumt werden.

Die Stadt Düsseldorf zieht nun Konsequenzen aus den Vorfällen im Rheinbad in der Nähe des Fußballstadions.

Nachdem Bäderchef Ralf Merzig zunächst nur angekündigt hatte, dass man sich mit der Polizei besprechen wolle, gibt es nun doch die ersten handfesten Konsequenzen.

Freibad in Düsseldorf: Sicherheitsdienst und Ordnungsamt vor Ort

Erstmals ist ab dem kommenden Wochenende ein extra beauftragter Sicherheitsdienst im Rheinbad im Einsatz, der die Mitarbeiter der Bädergesellschaft unterstützt. Und dass obwohl Merzig zuletzt noch gesagt hatte, dass ein Security-Dienst vermutlich gar nichts bringen würde.

Außerdem soll das Ordnungsamt der Stadt Düsseldorf vor Ort sein. Das teilte Stadtdirektor Burkhard Hintzsche nach einem Sicherheitsgipfel am Donnerstag mit.

Beide Dienste stünden zudem im engen Kontakt mit der Polizei. „Wir werden Hausverbote bei Störern konsequent verhängen und durchsetzen“, sagte Hintzsche. Aber auch die Kapazitäten im Rheinbad und eine mögliche Kapazitätsgrenze sollen in den kommenden Tagen in verschiedenen Gremien überprüft werden

Zudem hat eine aktuelle Umfrage des WDR ergeben, dass von 200 Freibädern in NRW mittlerweile 36 Prozent der Bäder Security-Mitarbeiter beschäftigen. Offensichtlich eine Reaktion auf Angriffe und Beschimpfungen. In Essen und Dortmund sind laut der Umfrage besonders viele Zwischenfälle bekannt.

Randale im Netz verabredet? „Wer meint, über die Stränge schlagen zu können, der ist falsch gewickelt.“

In Düsseldorf besteht die Sorge, dass es am Wochenende zu neuen Ausschreitungen kommen könnte. Medienberichten zufolge hätten sich Jugendliche im Internet zu neuer Randale verabredet.

„Wir haben das auf dem Schirm“, teilte ein Polizeisprecher gegenüber DERWESTEN mit. Wie konkret diese Verabredungen aussehen, dazu machte er keine Angaben. Sämtlichen Gerüchten werde nachgegangen, sagt der Sprecher und wird deutlich: „Wer meint, am Wochenende über die Stränge schlagen zu können, der ist falsch gewickelt.“

Dafür, dass die Bäder am Wochenende nicht so überfüllt sind, wie in der Vorwoche, könnte aber schon das Wetter sorgen. In Düsseldorf etwa ist für Samstag Regen angesagt, am Sonntag soll es zudem nur 20 Grad warm werden, auch dann ist Regen sehr wahrscheinlich.

Rheinbad in Düsseldorf: Freibad muss geräumt werden

Am Samstag war es zu unglaublichen Szenen gekommen: Ein anfänglich kleiner Streit eskalierte derart, dass die Polizei zu einem Großeinsatz zum Rheinbad ausrücken musste – ein einziger Mann stand hunderten Jugendlichen gegenüber. Auch am Sonntag musste das Rheinbad nach Auseinandersetzungen vorzeitig geschlossen werden.

Videos aus dem Rheinbad zeigen chaotische Szenen

Videos, die in WhatsApp-Gruppen kursieren, zeigen die chaotischen Zustände im Rheinbad in Düsseldorf am Wochenende. Hunderte Jugendliche springen im Sekundentakt vom Ein- und Fünfmeterrsprungturm. Um das Becken stehen weitere Badegäste, werfen Stühle und Pylonen ins Wasser, grölen, jubeln.

Dutzende Polizisten versuchen, die jungen Badegäste wegzudrängen. Auch Polizeihunde sind im Einsatz.

Was war passiert?

Laut Polizei kam es zum Streit zwischen einem Familienvater und einer Gruppe Jugendlicher. Der Vater stellte sich schützend vor seine Familie und wurde dabei teilweise von den Jugendlichen angegriffen.

Auslöser für die verbale Auseinandersetzung soll das Verhalten der Jugendlichen im Bad gewesen sein. Laut Polizei seien sie über Handtücher gerannt. Das habe sich der Vater nicht gefallen lassen wollen.

Um eine weitere Eskalation zu verhindern, rief der Bademeister die Polizei.

Die Situation eskalierte – glücklicherweise nur verbal

Die Situation schaukelte sich schnell hoch. Immer mehr Jugendliche schlossen sich der anfangs kleinen Gruppe an, bis dem Mann plötzlich mehreren hundert Jugendlichen gegenüberstanden. Zeugen wollen gehört haben, dass der Familienvater die Jugendlichen zuvor als „Nafris“ beschimpft haben soll.

"Nafri" ist eine umstrittene interne Bezeichnung der Polizei in NRW für "Nordafrikaner". Das Bundesjustizministerium hat dieses Wort später kritisiert. Inzwischen wird es bisweilen in einem despektierlichen und beleidigenden Kontext verwendet.

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Bademeister hatte am Ende genug von der ganzen Aktion

Als die Beamten am Samstag am Rheinbad in Düsseldorf eintrafen, wurden wiederum schnell sie zum Ziel der Beleidigungen der riesigen Gruppe. Es flogen Pappkartons, einzelne Beamte wurden provoziert.

Dennoch schafften sie es, den Mann samt seiner Familie aus dem Schwimmbad zu geleiten.

Da dem Bademeister das ganze Treiben ebenfalls zu bunt wurde, entschied er sich kurzerhand, das Bad für den Rest des Samstagabends zu schließen.

Drei Stunden, bis alle das Bad verlassen hatten

Die Polizei brauchte anschließend ganze drei Stunden, um die mehreren hundert Jugendlichen aus dem Schwimmbad bringen.

Glücklicherweise gab es keine gewalttätigen Ausschreitungen oder Verletzungen während des Einsatzes. Allerdings soll der Familienvater nach eigener Aussage bedroht worden sein: So sollen ihm die jungen Männer eine Geste gezeigt haben, die ein Aufschlitzen der Kehle symbolisieren soll.

Einer der Jugendlichen weigerte sich, das Rheinbad zu verlassen, er musste kurzzeitig in Gewahrsam genommen werden, wurde am Samstagabend aber wieder freigelassen.

Eine Anzeige wegen Beleidigung und Bedrohung nahm die Polizei auf. Ein Teil der Problemgruppe fiel später noch unangenehm am Messebahnhof durch lautes Herumgeschreie auf. Verletzt wurde dort aber niemand.

Erste Mal, dass ein Bad in Düsseldorf geschlossen werden musste

Wie Bäderchef Düsseldorf Ralf Merzig am Montagmittag gegenüber DER WESTEN mitteilte, sei dies das erste Mal gewesen, dass man wegen einer solchen Auseinandersetzung überhaupt ein Bad vorzeitig habe schließen müssen. Zumindest in der Zeit, in der er im Dienst sei.

Er wolle sich in den nächsten Tagen mit der Polizei Düsseldorf zusammensetzen und mögliche Konsequenzen besprechen. Unter anderem würde über Sicherheitsleute nachgedacht.

„Aber man muss auch sagen, dass es in Essen und in Herne Sicherheitsleute gibt und trotzdem gibt es dort eskalierende Situationen. Da muss man sich fragen, ob das der richtige Weg ist“, so Merzig.

Aggressives Verhalten sei in den letzten Jahren gestiegen

Ihm sei aber auch nicht entgangen, dass das aggressive Verhalten sich in den letzten Jahren vermehrt hätte. „Es ist meistens die Gruppe der jungen Männer und Jugendlichen, die eine Situation schneller eskalieren lassen.“ Es komme seiner Meinung nach aber nicht auf die Menge der Gäste in einem Bad an, sondern auf die Zusammensetzung des Klientels.

Die Ereignisse in Düsseldorf sind nur der spektakulärste von mehreren Freibad-Vorfällen der vergangenen Tage. In einem Bad in Essen attackierte eine Gruppe junger Männer am vergangenen Montag zwei Bademeister und ein junges Mädchen. Die Stadt verdoppelte daraufhin die Zahl der Sicherheitsleute in dem Bad. Oberbürgermeister Thomas Kufen (CDU) zeigte sich empört.

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„Das Wort "Respekt" hatte früher eine ganz andere Bedeutung als heute"

Der Bundesverband Deutscher Schwimmmeister beklagt schon seit längerem eine zunehmende Aggressivität in Freibädern. "Ich bin jetzt 45 Jahre im Job", sagt Verbandspräsident Peter Harzheim.

"Man hat sicherlich einiges erlebt, aber was sich in den letzten 40 Jahren getan hat, ist doch erschreckend. Das Wort "Respekt" hatte früher eine ganz andere Bedeutung als heute." In den vergangenen zehn bis 20 Jahren habe sich das gründlich geändert.

Jetzt bekomme man eher Sprüche zu hören wie "Alter, was willste?" Eltern lebten ihren Kindern häufig vor, dass sie sich nichts gefallen lassen müssten. Dazu kämen kulturelle Unterschiede, etwa im Umgang mit Frauen.

Christian Ochsenbauer von der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen bestätigt die Darstellung: Das Thema Aggressivität schlage derzeit hohe Wellen, sagt der Verbandsgeschäftsführer. "Ich kann den Verband Deutscher Schwimmmeister nur darin unterstützen, dass härter durchgegriffen werden muss."

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Massenstreit in Freibad in Düsseldorf

Zwar seien Bäder immerhin noch geschützte Räume mit Aufsicht, doch fühle sich das Badepersonal ein Stück weit im Stich gelassen. Im Falle eines Hausverbots gingen die Störer einfach ins nächste Schwimmbad. Ochsenbauer: "Die Gesellschaft ist hier auf breiter Front gefordert - wir sind nur ein Teilbereich des Ganzen."

Schwimmmeister-Präsident Harzheim findet die ganze Entwicklung traurig: "Ein Bad ist doch ein Ort der Erholung, der Wellness, des Kennenlernens, der Kommunikation." Da sollte man sich eigentlich locker machen können. (db/fel/dpa/fb/mb/jg)

 
 

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