Droht an Rhein und Ruhr ein neuer Rockerkrieg?

Die Rockerbanden lieferten sich in der Mönchengladbacher Altstadt eine Schlägerei. Foto: David Maurmeir/dapd
Die Rockerbanden lieferten sich in der Mönchengladbacher Altstadt eine Schlägerei. Foto: David Maurmeir/dapd
Die Rockergruppen Bandidos und Hells Angels haben sich am Samstag einen blutigen Kampf in der Mönchengladbacher Altstadt geliefert. Es gab vier Verletzte. Zu einem weiteren Zwischenfall kam es in Herten. Die Staatsanwaltschaft schließt einen Zusammenhang nicht aus.

Mönchengladbach/Herten. Samstagabend, kurz nach 23 Uhr: Polizeisirenen in der Mönchengladbacher Altstadt. Dutzende Einsatzwagen rauschen heran. Und danach: Rettungswagen, auch mehrere Dutzend Notärzte sind dabei. Nahe des Kampfplatzes vor einer Disko an der Waldeshausener Straße treffen die Einsatzkräfte auf vier verletzte Rocker, sechs Verdächtige konnten festgenommen werden. Die übrigen Hells Angels und Bandidos hatten das Weite gesucht, als die Martinshörner zu hören waren.

Die Verletzten wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht, dort von Polizisten bewacht. Einer der Verletzten kämpfte auch am Sonntag noch um sein Leben, er hatte einen Messerstich erlitten. Der Kampf selbst soll nur wenige Minuten gedauert haben, unbestätigten Berichten zufolge waren 20 Personen beteiligt.

Zunächst Sonderalarm

Weil in ersten Meldungen von vielen Verletzten und sogar von drei bis vier Toten die Rede war, hatten die Einsatzkräfte nach NRZ-Informationen sogar einen Sonderalarm ausgegeben: einen sogenannten „Massenanfall von Verletzten“ - daher die vielen Rettungswagen. Später wurden die Angaben korrigiert. Die Polizei ging auf Nummer sicher und forderte Verstärkung aus den Nachbarstädten an. Mindestens drei SEKs waren vor Ort. Die Altstadt wurde abgeriegelt. Die Beamten befürchteten, dass dort Kleingruppen von Hells Angels und Bandidos erneut aufeinandertreffen könnten. Es blieb aber ruhig.

Versuchter Totschlag, gefährliche Körperverletzung, Landfriedensbruch: Die Polizei steht vor schwierigen Ermittlungen. Rocker sind - selbst wenn sie festgenommen wurden - nicht für ihre Kooperationsbereitschaft bekannt. Unklar ist daher bislang, warum die verfeindeten Rockergangs aneinandergeraten waren - und warum ausgerechnet in Mönchengladbach. Rotlichtgeschäfte? Die Expansion eines Clubs?

Staatsanwaltschaft und Polizei vermochten am Sonntag zu den Hintergründen nichts zu sagen. Fest steht: Mönchengladbach war bisher Rockerprovinz. Laut Polizei verfügen weder Hells Angels noch Bandidos über eine Niederlassung.

Weiterer Zwischenfall in Herten

Einmal mehr stellt sich die Frage: Droht an Rhein und Ruhr ein Rockerkrieg? Am Wochenende gab es noch einen weiteren Zwischenfall. Auf das Bandidos-Heim in Herten wurde ein „Gegenstand“ geschleudert, der dann explodierte. Es blieb bei Sachschäden.

Die Staatsanwaltschaft schließt nicht aus, dass es sich um eine Handgranate gehandelt hatte. „Genaueres wird die kriminaltechnische Untersuchung zeigen“, sagte der Bochumer Behördensprecher Christian Kuhnert.

Die Ermittler prüfen nun, ob es einen Zusammenhang mit der Messerstecherei in Mönchengladbach gibt. "Der Gedanke liegt nahe", so Staatsanwalt Kuhnert. (mit gj)

 
 

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