Dortmunds Polizei selbstkritisch nach Rathaussturm der Rechten

Die Tumulte vor dem Rathaus nach der Kommunal- und Europawahl: Polizisten halten die Angreifer auf Distanz.
Die Tumulte vor dem Rathaus nach der Kommunal- und Europawahl: Polizisten halten die Angreifer auf Distanz.
Foto: Menne
Nach dem Sturm von Rechtsradikalen auf das Dortmunder Rathaus am Sonntag war schnell Kritik an der Polizei laut geworden. War sie zu spät und mit zu wenig Leuten am Einsatzort? Hat sie Warnungen ignoriert? Polizeipräsident Gregor Lange schlug jetzt selbstkritische Töne an.

Dortmund. Nach dem Überfall von Neonazis auf die Wahlparty im Dortmunder Rathaus am Sonntag blickt die Polizei nicht nur, aber auch selbstkritisch auf ihre eigene Rolle. Polizeipräsident Gregor Lange gab am Dienstagabend eine Erklärung ab, in der er davon sprach, es gebe "erheblichen Aufklärungs- und Überprüfungsbedarf."

27 Neonazis hatten am Sonntagabend versucht, das Foyer des Rathauses zu stürmen. Zunächst mussten die Gäste der Wahlparty sich selbst verteidigen. Erst nach mehreren Minuten waren die ersten Polizisten am Ort und begannen, die Angreifer mit Pfefferspray zurückzudrängen. Einig Gäste der Wahlparty erlitten Verletzungen. Sofort wurde danach Kritik am Einsatz der Polizei laut.

Polizeipräsident Lange erklärte nun: "Hinsichtlich der Einsatz- und Kommunikationsstruktur aus diesem Anlass habe ich deutlichen Aufklärungsbedarf. Ich habe deshalb eine Überprüfung unter Beteiligung aller Fachdienststellen und externem Sachverstand veranlasst. Ich möchte sicher gehen, dass wir in vergleichbaren Einsatzlagen organisatorisch und personell bestmöglich aufgestellt sind", so der Polizeipräsident. Der Satz enthält das Eingeständnis: Diesmal war es nicht bestmöglich.

Der Polizeipräsident äußerte sich aber auch enttäuscht darüber, dass es Hinweise auf einen bevorstehende Attacke der Rechten gegeben habe - die aber nicht an die Polizei weitergegeben worden seien.

"Gab es schon frühzeitiger Hinweise, die einen Angriff der Rechtsextremisten auf die Wahlparty im Rathaus beinhalteten? Wenn ja, warum hat man sie der Polizei nicht mitgeteilt?", fragte Lange. Er erwarte, dass man "mit der Polizei konstruktiv kooperiert". Nach den Ereignissen hatte der Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Stefan Neuhaus berichtet, im Rathaus hätten alle mit einer solchen Attacke gerechnet.

Lob für die Beamten vor dem Rathaus

Trotz der Probleme bei der Koordination lobte Lange den Einsatz der Beamten vor Ort. Sie hätten sich "mit erheblichem Eigenrisiko umgehend zwischen die streitenden Parteien gestellt." Dadurch hätten sie Schlimmeres verhindert.

 
 

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