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Dortmunderin gründet Internetportal für Senioren-WGs

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Carsten Wagner aus Menden und Natascha Wegelin aus Dortmund haben gemeinsam ein Portal zur WG-Suche für Senioren gegründet. Foto: Wagner/Wegelin
Seit drei Jahren helfen Natascha Wengelin und Carsten Wagner jungen Leuten bei der WG-Suche. Nun wenden sie sich einer neuen Zielgruppe zu: Senioren.

Berlin. 

„Wir, zwei Freundinnen, suchen eine WG-Mitbewohnerin. Abendliches Zusammensitzen und gemeinsames Kochen sind ebenso erwünscht wie gemeinsame Unternehmungen und Ausflüge.“ So oder ähnlich lesen sich viele Wohnungsanzeigen im Internet. Das Besondere an dieser: Sie stammt nicht von Studentinnen, sondern von Seniorinnen. Seit Kurzem ist ein neues WG-Portal für Senioren online – gegründet von Natascha Wegelin aus Dortmund und Carsten Wagner aus Menden.

Kennengelernt haben sie sich vor zehn Jahren beim Studium in Iserlohn. „Danach haben wir uns für einige Jahre aus den Augen verloren. Als wir uns wieder trafen, hatten wir die Idee für ein WG-Portal und wurden Geschäftspartner“, sagt Natascha Wegelin. Die 29-Jährige zog nach Berlin und gründete mit Carsten Wagner wg-suche.de. Rund 34.000 Wohnungen und WG-Zimmer sowie 17.000 Gesuche sind dort derzeit inseriert – allerdings hauptsächlich für junge Menschen, Studenten, Auszubildende.

Über die Jahre haben sich Wengelin und Wagner tiefer mit dem Wohnungsmarkt beschäftigt. „Die steigenden Mieten vor allem in urbanen Gegenden haben dazu geführt, dass Studenten und Senioren sich oft keine eigene Wohnung mehr leisten können“, sagt die 29-Jährige. Für Jüngere sind Wohngemeinschaften die Lösung – aber Älteren bleibt oft nur das Altersheim. Dabei wollen viele nur eins: So lange wie möglich eigenständig bleiben. Aber eben nicht allein.

Eigenständig, aber nicht allein

Doch eine Internetsuche für reine Senioren-WGs existierte bislang nicht. Immobilienportale richten sich höchstens in Unterrubriken an Ältere. Doch die Angebote stammen häufig von gewerblichen Seniorenheimen, selten von Privatpersonen. „Wir haben uns dazu entschlossen, bei der WG-Suche für eine ältere Zielgruppe den Fokus auf Privatleute zu legen“, sagt die Dortmunderin. Dabei haben sie natürlich an ihre Eltern gedacht – und zwangsläufig auch an ihre eigene Zukunft.

Bei der Entwicklung des Portals gab es laut Wegelin einiges zu beachten: „Natürlich muss die Schrift größer sein, da ältere Menschen häufig schlecht sehen, und wir können sie nicht Duzen, wie die Nutzer unseres anderen Portals.“ Außerdem sei es wichtig, die Wege auf der Internetseite kurz zu halten: Das Erstellen einer Wohnungsanzeige oder einer Suchanfrage erfolgt deshalb in einfachen, kurzen Schritten, und die sind genau erklärt.

Zwischen den Zielgruppen hin- und her zu springen ist für die Gründer während des Entwicklungsprozesses nicht immer leicht gewesen: „Für Senioren sind ganz andere Suchkriterien von Bedeutung.“ Studenten interessiert eher, ob in der Wohnung eine Waschmaschine steht und ob es jemanden stört, wenn die Musik voll aufgedreht wird. Barrierefreiheit und die Möglichkeit, Haustiere oder eigene Möbel mitzubringen, spielt für Senioren eine Rolle.

Aufklärungsarbeit leisten

Anfang Juli ist Senioren-WG-finden.de online gegangen. Vier Senioren-WGs aus Berlin und Hamburg suchten nach einer Woche über das neue Portal bereits nach Mitbewohnern. Das Feedback sei laut Wegelin durchweg positiv ausgefallen. Sie gehe davon aus, dass es noch ein paar Jahre dauern wird, bis das Konzept Senioren-WG in der Gesellschaft angekommen und von vielen genutzt wird. Erst einmal geht es den Gründern aber darum, Aufklärungsarbeit zu leisten: „Viele Senioren kennen zwar das Konzept von Wohngemeinschaften, denken aber nicht daran, dass es auch für sie in Frage kommen könnte“, so Wegelin. Ihr und ihrem Kollegen Wagner geht es in erster Linie darum, dass Menschen auch im Alter bei der Wohnsituation frei entscheiden können. Sie wollen ihnen eine Alternative bieten.