Doping: Mega-Schlag gegen kriminelle Banden – so läuft das Geschäft mit dem illegalen „Stoff“

Ermittler in Frankreich zeigen ihre Sicherstellungen bei der Razzia gegen Doping.
Ermittler in Frankreich zeigen ihre Sicherstellungen bei der Razzia gegen Doping.
Foto: dpa

Es war der größte Schlag gegen Doping-Kriminalität in der Geschichte!

In Europa, den USA und Kolumbien schlugen die Ermittler zu. Im Zuge von „Operation Viribus“ stellten sie 3,8 Millionen Dopingmittel sicher. 17 organisierte Banden wurden enttarnt, 839 Verfahren eingeleitet, teilte die europäische Polizeibehörde Europol mit. Auch in Deutschland wurden 463 Verfahren eingeleitet.

Doping-Razzia: So hat Doping den Breitensport unterwandert

Auch in NRW gelang den Ermittlern des Zollfahndungsamtes in Essen Anfang April ein Schlag gegen einen Doping-Webshop. „Der Fall zählt zu den 463 Verfahren, auch wenn er schon deutlich früher stattfand“, so Ruth Haliti, Sprecherin des Zollfahndungsdienst. Der Fall aus Essen zeige aber gut das Vorgehen der Ermittler. Webshops schließen, Infos zu den Netzwerken sammeln und Verfahren einleiten, so laute die Devise, erklärt Haliti.

Denn nicht erst der weltweite Schlag zeigt, dass Doping längst den Breitensport unterwandert hat. „Wenn man sich in bekannten Fitnessketten umsieht, nimmt ein großer Teil der Leute Stoff“, sagte ein erfahrener Zollermittler im Gespräch mit dieser Redaktion.

99 Prozent der Dopingmittel gingen in den Freizeitsport, glaubt Dr. Tim Laußmann. Der Experte vom Bildung- und Wissenschaftszentrum der Bundesfinanzverwaltung analysiert für den Zoll Sicherstellungen von Doping- und Arzneimitteln.

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Präparate werden in Untergrundlaboratorien gefertigt

Eine Millionen Tabletten wurden im vergangenen Jahr durch den deutschen Zoll sichergestellt, 157 Kilogramm Wirkungsstoffe kommen hinzu. Längst sind die Strukturen ähnlich wie beim weltweiten Drogenhandel. Die Ermittler beobachten meist regional agierende Gruppen, vier bis sechs Personen, die die Dopingmittel meist online international vertreiben.

Die Bandbreite der Täter reicht dabei von Otto-Normal-Verbrauchern, die das schnelle Geld sehen, bis hin zu kriminellen Clans, die beispielsweise im illegalen Handel mit Potenzmitteln mitwirken.

Die Wirkstoffe kommen dabei meist aus Indien, China oder Osteuropa, können dort frei erworben werden. In Europa werden sie unter widrigsten Bedingungen in Untergrundlaboratorien gefertigt. „Das sind Garagen, da würde kein normaler Mensch sein Auto abstellen“, so der erfahrene Ermittler.

Gigantische Margen

Und die Gewinne sind gigantisch. „Die Margen können vom Produzent bis zum Konsumenten bei bis zu 40.000 Prozent liegen“, so der Ermittler. Eine Viagra-Pille gibt es in China für drei Cent, in Deutschland lässt sie sich für 14 Euro verkaufen.

Längst muss man dazu nicht mehr ins Darknet, um solche Präparate zu finden. „www.google.de reicht. Oder halt im Fitnessstudio selbst. Du musst nur die richtigen Leute kennen“, sagt ein Insider aus der Bodybuilder-Szene.

Dianobol, Testosteron und Nandrolone sind bei Hobbysportler die gängigsten Stoffe. „Die jungen kleinen Buben, die gerne schnell mal bisschen breiter werden wollen, aber Angst haben sich eine Spritze zu setzen - was verständlich ist - fangen mit Dianabol an“, so der Hobbysportler.

Längst drängen neue Mittel in den Markt. Bei der Razzia in NRW finden Ermittler erstmals in Europa Follistatin. Das Mittel wird derzeit noch klinisch erforscht, Wirkung und Nebenwirkungen sind unbekannt. Einmal gespritzt könnte das Präparat zu schier endlosem Muskelwachstum führen, mutmaßen Experten. Sie sprechen von einer „neuen Eskalation im Freizeitsport“. (hier mehr dazu) Die weltweite Mega-Razzia ist ein starkes Zeichen dagegen.

 
 

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