Die Freude am Helfen

Die mobile Kindertafel. Mit ihr konnte vielen Bedürftigen geholfen werden.
Die mobile Kindertafel. Mit ihr konnte vielen Bedürftigen geholfen werden.
Foto: Christoph Karl Banski
Dank der Hilfe der NRZ-Leserinnen und Leser konnten im vergangenen Jahr 120 000 Euro Spenden direkt in die Hilfe investiert werden. In Projekte wie Fußballcamps, Ausflüge, Tafelangebote, Präventionsangebote zum einen, in die unbürokratische, aber fachlich kontrollierte Einzelfallhilfe zum andern.

An Rhein und Ruhr..  Am heiligen Abend wird die mobile Kindertafel nicht vor dem Interkulturellen Zentrum Moers stehen. Das sei auch nicht schlimm, hatte Leon versichert. Und doch sah man ihm an, dass er ein wenig enttäuscht ist. Schließlich ist er Stammgast im Bus. Und Leon kann schöne Geschichten erzählen – auch wenn es schnell klar ist, dass sie manchmal mit der nicht ganz so schönen Wirklichkeit wenig zu tun haben. „An Weihnachten“, verkündete der Elfjährige, „haben wir zu Hause immer fünf oder sieben Gänse, dann sitzen wir mit 30 Leuten an einem großen Tisch...“ Das sind Geschichten, das sind Momente, die den Frauen und Männern vom Tafelteam einen Stich versetzen. Aber morgen ist auch für die vielen ehrenamtlichen Helfer des Vereins „Klartext für Kinder – Aktiv gegen Kinderarmut!“ Heiligabend.

Ohne die Unterstützung durch die Leserinnen und Leser der NRZ wäre diese Hilfe nicht möglich. Die Idee, die 2008 aus der Weihnachtswunschbaum-Aktion der NRZ entstanden ist, ganzjährig, zielgerichtet, bargeldlos und transparent für die Schwachen in der Nachbarschaft einzustehen, ist längst zu einer Institution geworden. In Moers sogar Teil des Jugendhilfeplans, in Kamp-Lintfort und Neukirchen-Vluyn mindestens letzte, verlässliche Anlaufstelle, wenn das soziale Netz Löcher aufweist.

120 000 Euro Spenden konnten im Jahr 2012 direkt in die Hilfe investiert werden. In Projekte wie Fußballcamps, Ausflüge, Tafelangebote, Präventionsangebote zum einen, in die unbürokratische, aber fachlich kontrollierte Einzelfallhilfe zum andern. Gespendet von Firmen, Schulklassen, Fanclubs, Hochzeitsgesellschaften, sozial engagierten Menschen. „Das“, sagt der Vorsitzende Hans-Dieter Wichert, „macht stolz, verpflichtet aber auch, am Ball zu bleiben“. Im November wurde der Verein „Klartext für Kinder“ mit dem Niederrheinischen Bürgerpreis ausgezeichnet. Schirmherrin ist Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, die auch in diesem Jahr ein Grußwort geschrieben hat.

Engagierte Helfer

Stellvertretend für die vielen Dutzend Klartext-Aktiven in ihren verschiedenen Aufgaben beschreiben hier Ehrenamtler, was sie antreibt:


Heitrud Bosse (70), Moers: „Seit fünf Jahren bin ich Mitglied bei Klartext für Kinder. Einfach, weil mir diese benachteiligten Knirpse besonders wichtig sind. Mein Platz ist in der mobilen Kindertafel und eigentlich investiere ich nur Zeit. Die Kinder aber geben soviel zurück, das muss man einfach mal selbst erleben. Zuletzt sagte ein Zehnjähriger: ‘Bei euch wird man so verwöhnt. Es hat sehr gut geschmeckt, vielen Dank und Ihnen noch einen schönen Tag.’ Da geht einem das Herz auf. Diesen Kindern Zeit zu schenken, heißt für mich auch Freude zu schenken. Ob man mit ihnen spielt, spazieren geht oder sie beköstigt: Sie danken es auf vielfache Art.“


Ulrich Ernenputsch (62), Krefeld: „Die Entscheidung für Klartext habe ich auch nach knapp drei Jahren noch keinen einzigen Tag bereut. Das Zusammenwirken in der Antragsgruppe ist von Vertrauen, Humor, Harmonie und gegenseitiger Sympathie geprägt. Hauptantriebsmotor ist für alle das Bewusstsein, ganz unmittelbar und unbürokratisch helfen zu können. Sei es bei einem Kind, das auf einer durchgelegenen Matratze auf dem Boden oder beengt mit im elterlichen Bett schlafen muss, sei es die fehlende wärmende Wäsche zum Schutz vor dem Winter oder der Beitrag für einen Jugendlichen, der in schwierigen häuslichen Verhältnissen aufgewachsen ist und nun erst einmal Selbstvertrauen gewinnen muss.“


Ute Wrobbel (60), Moers: „Nachdem ich in den Vorruhestand gegangen war, hatte ich Kontakt mit ‘Klartext für Kinder’ aufgenommen. Meine Aufgaben sind vielfältig und machen viel Freude. Ich unterstütze die Kassiererin, erledige Büroarbeiten und kann bei Projekten mithelfen. Dabei hat mich das System, obwohl komplett ehrenamtlich organisiert, von Beginn an überzeugt. Es wird mit Wohlfahrtsverbänden, Jugend- und Sozialämtern zusammengearbeitet, so dass eine professionelle und nachhaltige Hilfe möglich ist. Eine Antragsgruppe ist damit beschäftigt, den Bedarf abzufragen und mit den Patenhelfern die Einkäufe mit den Familien zu organisieren. Ein weiterer Teil der Spenden fließt in die Unterstützung sozialer Projekte und Einrichtungen. Alle Spender können also sicher sein, dass die Hilfe wirklich ankommt. Immer wieder beeindruckt bin ich von der großen Weihnachtswunschbaumaktion.“


Susanne Kirchmeier-Schramm (66): „Für mich sind Kinder liebenswerte kleine Geschöpfe, die Schutz, Zuwendung und eine gute Begleitung ins Leben brauchen. Und sie sind unsere Zukunft – überall. Diese Voraussetzungen sind oft nicht erfüllt. Vor einiger Zeit habe ich von den Aktivitäten von Klartext für Kinder erfahren und bin beeindruckt, was Ehrenamtliche erreichen können, wenn sie konsequent, vernetzt und mit Engagement zusammenarbeiten. Darum habe ich mir überlegt, dass ich mich auf meine Weise engagieren möchte. Ich möchte eine mobile Erzählecke einrichten, sprich, Kinder in eine Welt der Fantasie mitzunehmen und ihnen Freude zu machen, damit sie ihre eigene kindliche Kreativität entfalten.

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