Die ersten Störche kehren an den Niederrhein zurück

Holger Dumke
Warten auf die „bessere Hälfte“: der Rückkehrer in Till. Da er unberingt ist, könnte es sich bei dem Storch um einen der Vögel aus dem Vorjahr handeln.
Warten auf die „bessere Hälfte“: der Rückkehrer in Till. Da er unberingt ist, könnte es sich bei dem Storch um einen der Vögel aus dem Vorjahr handeln.
Foto: dpa
Nach dem Winter sind die ersten Störche an den Niederrhein zurückgekehrt. In Kranenburg, Bedburg-Hau und Kleve-Kellen wurden bereits erste Tiere gesichtet. Dank des milden Wetters finden Rückkehrer reichlich Nahrung. In Bislich ist sogar bereits wieder ein Paar beisammen.

Kreis Kleve/Kreis Wesel. „Ein Storch macht noch keinen Frühling“, weiß man am Niederrhein. Trotzdem: Auf den Winter scheint Meister Adebar nicht mehr viel zu geben. Die ersten Störche jedenfalls sind zurück. Je ein Tier wird aus Wyler (Kranenburg), Till (Bedburg-Hau) sowie Kleve-Kellen gemeldet. In Wesel-Bislich richtet es sich ein Paar bereits heimelig ein, und ein weiterer Rückkehrer stakst – noch solo – durch die Dingdener Heide. Damit nicht genug: Angesichts des Winters, der keiner war, wird gut ein weiteres halbes Dutzend Störche in der Düffel überwintert haben.

Im Kreis Kleve war der erste Rückkehrer am 8. Februar gesichtet worden. Der Storchenmann in der Dingdener Heide landete sogar schon zwei Tage eher. „Das ist ungewöhnlich früh“, sagt Hans Glader, Storchenbetreuer im Kreis Wesel. Das Gros der Tiere wird immer erst Mitte März erwartet. Gladers Klever Kollege Hans-Gerd Kersten erinnert sich allerdings, dass sich auch schon im vergangenen Jahr just zu dieser Zeit eine Storchen-Vorhut zurückmeldete.

Die Winterquartiere der Störche liegen im Westen Afrikas, eigentlich. Mit der Reiselust scheint es aber nicht mehr so weit her zu sein. Das liege nicht nur an den milden Wintern, erklärt Kersten. Viele Niederrhein-Störche seien Nachfolgetiere aus Zuchtprojekten – und möglicherweise deshalb genetisch auch nicht mehr so auf Vogelzug programmiert.

Die Vögel haben es wohl nur bis Spanien geschafft

Südfrankreich, bestenfalls Spanien – weiter dürften es die jetzt zurückgekehrten Vögel in diesem Winter wohl nicht geschafft haben. Gut möglich auch, dass sie nur bis in die Niederlande geflogen sind, wo Störche teils noch gefüttert werden. Jetzt ist der Tisch für sie jedenfalls auch am Niederrhein bestens gedeckt: Fischchen, Maulwürfe, sogar schon Insekten – „es gibt eigentlich nichts, was es nicht gibt“, sagt Kersten.

Die Menschen in den Dörfern nähmen an der Rückkehr der Tiere rege Anteil. Allerorten werde diskutiert, ob es denn nun wirklich der Vogel aus dem Vorjahr sei, und ob und wann sich denn endlich das Weibchen dazugeselle.

2013 war, dank bester Witterung und reichlich Futter, ein tolles Storchenjahr am Niederrhein. Im Kreis Kleve zählte man 13 Brutpaare, die insgesamt 34 Jungvögel großzogen – ein Rekord. Im Kreis Wesel waren es zehn Brutpaare und 27 Jungtiere. Rechnet man die Nachbargebiete hinzu, so hat es der Niederrhein auf mittlerweile gut 30 Brutpaare gebracht. Eine Erfolgsgeschichte – immerhin ist es noch keine 20 Jahre her, dass Störche an den Niederrhein zurückkehrten und wieder zu brüten begannen.

Niederrhein zweitwichtigstes Storchengebiet in NRW

Die Region ist heute nach dem ostwestfälischen Minden-Lübbecke das zweitwichtigste Storchengebiet in NRW. Landesweit gab es im vergangenen Jahr 124 Paare. Endlos wird sich die Geschichte am Niederrhein freilich nicht fortschreiben lassen. Hans-Gerd Kersten ist skeptisch, ob es in Kleve für knapp 50 Paare (soviel sind es in Minden) genug Platz und Fressen gäbe.

Hans Glader sagt: „Wie es weiter geht mit der Storchenpopulation hängt eng mit der Entwicklung der Lebensräume zusammen.“ Wo intensiv Landwirtschaft betrieben wird, finden Störche kein Futter.

Mit Prognosen für 2014 halten sich die Experten zurück – zu viele Unwägbarkeiten. Der Einzelstorch in Wyler fliegt derzeit viel hin und her, bringt ab und an etwas zum Nest. „Das kann man durchaus als Langeweile deuten“, meint Betreuer Kersten. Das Paar in Bislich hingen dürfte sich kaum langweilen, es wird schon bald in die konkrete Familienplanung übergehen. Sollte es Ende Mai, Anfang Juni noch mal kalt werden und kräftig regnen, so wie 2012, kann das von großem Vorteil sein: „Die Jungtiere wären dann groß und stark genug, um dieses Wetter zu überstehen“, meint Hans Glader.