Deutsche Bahn reagiert auf Bahnsteig-Morde: Fahrgäste irritiert – „Was ist das denn jetzt?!“

Nach dem tödlichen Stoß in Voerde und in Frankfurt am Main sind viele Bahngäste in Sorge. Deswegen hat die Bahn nun Konsequenzen gezogen.
Nach dem tödlichen Stoß in Voerde und in Frankfurt am Main sind viele Bahngäste in Sorge. Deswegen hat die Bahn nun Konsequenzen gezogen.
Foto: dpa
  • Eine Reportage
  • mutmaßliche Bahnsteig-Morde in Voerde und Frankfurt – nun reagiert die Deutsche Bahn
  • bei Berufspendlern lösen die Vorfälle unbehagliche Gefühle aus

Erst Voerde, dann Frankfurt: schreckliche Taten in aller Öffentlichkeit. Das Entsetzen hält an. Bereits nach dem ersten tödlichen Stoß vor einen Zug in Voerde, bei dem eine 34-jährige Mutter ums Leben gekommen ist, haben sich Pendler in NRW Gedanken gemacht und Sicherheitsbedenken bei der Deutschen Bahn geäußert.

Nur eine Woche später hat ein Mann in Frankfurt einen achtjährigen Jungen und seine Mutter vor einen Zug gestoßen. Der Achtjährige überlebte die tödliche Attacke nicht, der einfahrende ICE überrollte das hilflose Kind.

Nicht nur die Politik diskutiert neue Sicherheitskonzepte, auch Bahnpendler wie ich. Bei vielen sickert sichtbar ein Gefühl der Unsicherheit ins Bewusstsein. Ob ich will oder nicht, egal wie rational ich über diese Taten nachdenke: Jeden Morgen und Abend am Bahngleis schaue ich mich als Berufspendler anders um als vor den abscheulichen Taten. Wer steht da neben mir, bin ich zu nah hinter der weißen Linie?

Deutsche Bahn reagiert auf Todesfälle mit neuen Durchsagen am Bahnsteig

Auch die Deutsche Bahn sieht sich seit den Todesfällen mit verunsicherten Fahrgästen konfrontiert. Das Unternehmen reagiert aktuell mit neuen Durchsagen am Bahnsteig auf die Ängste der Bahnfahrer. „Bitte warten Sie im abgegrenzten Wartebereich und hinter der Absperrung auf das Einfahren des Zuges“, heißt es momentan aus den Lautsprechern der Deutschen Bahn in NRW.

In Köln, Düsseldorf und Essen sind die neuen Durchsagen Fahrgästen bereits deutlich aufgefallen. Auch in anderen NRW-Städten will die Deutsche Bahn bei ihren Fahrgästen nach eigenen Angaben nun ein Bewusstsein dafür schaffen, am Bahnsteig aufzupassen.

Deutsche Bahn: „Die Durchsage soll die Reisenden und Pendler dafür sensibilisieren“

„Die Durchsage soll die Reisenden und Pendler dafür sensibilisieren, die Sicherheitsmarkierungen auf den Bahnsteigen zu beachten und nicht an der Bahnsteigkante zu warten, solange der Zug einfährt“, erklärt eine Bahnsprecherin im Gespräch mit DER WESTEN. Mehr zu möglichen Sicherheitskonzepten will sie noch nicht sagen: „Wir bitten um Verständnis, dass wir den Gesprächen mit der Bundesregierung nicht vorgreifen wollen.“

Die neuen Durchsagen stehen im Zusammenhang mit den entsetzlichen Todesfällen, die ganz Deutschland bewegen. Vereinzelt zeigen sich Bahnreisende irritiert von den neuen Bahn-Durchsagen. „Was ist das denn jetzt?!“ fragt sich eine Frau neben mir am Bahnhof in Essen-Altenessen, als sie die Durchsage wohl zum ersten Mal hört.

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Neue Durchsage und verunsicherte Pendler: „Abstand halten? Das geht hier ja wohl schlecht“

Am Bahnhof in Essen-Altenessen, der wegen des Schienenersatzverkehrs im Ruhrgebiet für die gesamten Sommerferien der Knoten- und Umsteigeort für viele Pendler ist, sammeln sich morgens sehr viele Menschen an. Der kleine Bahnhof des Essener Stadtteils ist aktuell auch der Ersatz für die Pendler, die eigentlich am Essener Hauptbahnhof umsteigen würden – einem wesentlich größeren Bahnhof und Bahnsteig.

Der Platz am Bahnsteig ist voll mit Menschen, auch auf und manchmal hinter den Markierungen. Aus Platzgründen. Die Pendlerin in Essen-Altenessen ist sich sicher: „Abstand halten? Das geht hier ja wohl schlecht“ und steigt genervt von der Durchsage in die Bahn ein.

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Tödliche Stöße beschäftigen Bahnpendler

Die Hintergründe der tödlichen Stöße von Voerde und Frankfurt sind beide noch nicht lückenlos aufgeklärt, Bahnpendler haben seit den schlimmen Taten ein neues Gefühl von Unbehagen. Die Todesfälle sind nicht abstrakt, sondern in einer Alltagssituation am Bahnsteig passiert. In einer Situation, wie sie viele Pendler gerade in NRW tagtäglich erleben.

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Beim Umsteigen und vor dem Antritt der Bahnfahrt, immer wieder warten Pendler minutenlang auf ihre Bahn. Ich habe am Bahnsteig gerade im Schienenersatzverkehr viel Zeit, um mir Gedanken um die schrecklichen Todesfälle zu machen.

Zeit, für das Einsickern dieses Gefühls der Unsicherheit, dass ich gerne abschütteln würde.

 
 

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