Der Rollator ist für viele Senioren unersetzlich

Die Seniorin Erna Schenk geht in Essen mit ihrem Rollator vor dem Seniorenstift Kloster Emmaus an einer Bushaltestelle vorbei.
Die Seniorin Erna Schenk geht in Essen mit ihrem Rollator vor dem Seniorenstift Kloster Emmaus an einer Bushaltestelle vorbei.
Foto: Volker Hartmann
Der Rollator wird für immer mehr ältere Menschen zum unentbehrlichen Hilfsmittel. Auch Erna Schenk fühlt sich mit dem Gefährt viel sicherer.

An Rhein und Ruhr.. Zu Frau Schenk soll ja keiner kommen, von wegen sie brauche den Rollator doch gar nicht, so fit wie sie ist. Er wurde für sie nämlich eine echte Stütze, als sie vor fünf Jahren ins Krankenhaus kam und ihr so oft schwindelig war. Und nun ist er für sie unentbehrlich geworden. Erna Schenk aus Essen ist heute, mit 81 Jahren, lebenslustiger und mobiler denn je und eine von schätzungsweise bis zu drei Millionen Menschen in Deutschland, die ohne den vierbeinigen Gehwagen nicht mehr vor die Tür gehen.

Auch jetzt, im Café des Wohnstiftes Kloster Emmaus, marschiert sie zügig mit dem Rollwagen über die Gänge, in vorbildlicher Haltung, die Arme leicht angewinkelt, und stellt das Gefährt an einem Pfeiler ab. Vorher zeigt sie noch, wie sie mit Schwung einen Bordstein nehmen würde, holt aus und kippt den Rollator nach hinten auf die Hinterräder: „Einfach eine wunderbare Erfindung“.

Der „Gehweg-Porsche“

Und sie weiß auch, dass es die an Kinderlähmung erkrankte Schwedin Aina Wifalk war, die 1978 die rollende Gehhilfe erfand. Eine schwedische Firma entwickelte den Prototyp nach ihren Vorstellungen, und seit Anfang der 90er-Jahre sieht man die Gehhilfe auch in Deutschland immer häufiger. Aus dieser Zeit stammt auch der Begriff „Rollator“.

„Gehweg-Porsche heißt das in der Jugendsprache“, witzelt Erna Schenk. Und: „Ich kenne eigentlich nur noch zwei Leute, die keinen haben.“ Die Zeiten, da man sich des Wägelchens schämte, sind längst vorbei. Und Kritikern unter Ärzten und Gesundheitspolitikern, die es durchaus auch gibt, und die die Gewöhnung an die Rollatoren beklagen, obwohl so mancher noch gar nicht hoch betagte Mensch eigentlich noch ohne die Gehhilfe gut unterwegs sein könnte, entgegnet sie: „Aber man traut sich doch einfach viel mehr!“

Wenn der Rollator Freiheit schenkt

Auch Regina Kleinebrahm aus der Leitung des Essener Seniorenstiftes findet, dass es grundsätzlich den Senioren selbst zu überlassen sei, für welche Variante sie sich entscheiden. Es gebe auch immer noch Bewohner, die sich nicht mit einem Rollator sehen lassen wollen: „Wir zeigen die Möglichkeiten auf, beispielsweise dass man dann besser an Ausflügen teilnehmen kann. Aber letztlich hat es jeder selbst zu bestimmen, für was er sich entscheidet“.

Erna Schenk hat der Rollator eine Freiheit im Alter geschenkt, die sie nicht mehr missen möchte. Und einen Bewegungsradius, den sie ohne das Gefährt, das sie von ihrem Sohn geschenkt bekommen hat, auch nicht erobert hätte.

Regelmäßig zum Schwimmen ins Hallenbad

Die 81-Jährige ist in der Gegend um Heidelberg groß geworden und zog der Liebe wegen nach Essen. Hier heiratete sie und bekam zwei Söhne und eine Tochter, hat viele Enkel und sogar schon einen Urenkel. Als Jugendliche ist sie mal durch den Neckar geschwommen, erzählt sie: „Ich war ganz schön übermütig“. Nun, im Alter, hat sie erneut die Badetasche gepackt und geht regelmäßig ins benachbarte Hallenbad.

Dort stellt sie den Rollator unter eine Treppe („Klaut ja eh keiner!“) und schwimmt ihre 20 Bahnen. Erna Schenk geht im Stadtteil einkaufen, dann stellt sie die Einkaufstaschen in den Rollatorkorb. Geht sie in den Garten zu ihren Blumen, transportiert das Gefährt die Gießkanne. Und ein Hingucker ist ein Foto von ihr aus dem Sommer – auf dem Weg zur Liegewiese, das Badetuch um und die Liege zusammengeklappt auf dem Gefährt: „Schleppen könnte man das alles nicht mehr!“

Mit Bus, Straßenbahn und Zug

Frau Schenk fährt Straßenbahn („Da frage ich immer, ob mir jemand hilft“) und Bus. Zu den Kindern und Enkeln nach Rheda Wiedenbrück nimmt sie „den Bus bis Fliegenbusch, die 105 bis zum Hauptbahnhof, dann auf den Bahnsteig mit dem Fahrstuhl und in den Zug.“ Und im September besucht sie per Zug ihre Schwestern in Heidelberg.

Kann sie sich erinnern, was die alten Menschen früher gemacht haben, als es noch keine rollenden Gehhilfen gab? Zuerst den Stock genommen, bis sie schief und krumm waren, erinnert sich Frau Schenk: „Und dann wohl zu Hause gesessen. Viele verbrachten doch ihre letzten Jahre einfach im Bett.“

Da sei der Rollator vor: „Schauen Sie mal, wie schwarz die Räder vom vielen Fahren schon sind“, sagt sie: „Und neue Bremsklötze brauche ich auch!“

 
 

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