Demokraten müssen Kritik und Überprüfung aushalten

Wenn aus Umfragedaten Wahlergebnisse werden sollten, ist im nächsten nordrhein-westfälischen Landtag eine Fraktion der „Alternative für Deutschland“ vertreten. Nach Linkspartei und Piraten wäre die AfD seit 2010 bereits der dritte Parlamentsneuling in Folge, der sich im Düsseldorfer Abgeordnetenhaus versucht. Bei allen Unterschieden hat bislang noch jeder Novize einen Grundsatz verinnerlicht: Wer in ein Parlament will, das von den Bürgern gewählt und bezahlt wird, sollte nicht öffentlichkeitsscheu sein. Er muss Fragen, Kritik, Bewertung und Überprüfung durch Journalisten aushalten.

Die AfD NRW sollte schleunigst den Vorstandsbeschluss korrigieren, beim Landesparteitag kommende Woche in Werl die Presse aussperren zu wollen. Unabhängige Berichterstattung ist schließlich nur möglich, wenn Journalisten bei einem Parteitag volle Bewegungsfreiheit und einen ungefilterten Blick auf den Debattenverlauf bekommen. Man will nicht nur wissen, was im Landtagswahlprogramm der AfD steht, sondern wie es zustande gekommen ist.

Gerade eine Partei, die bislang vorwiegend durch schneidige Talkshow-Auftritte von sich Reden machte, muss schnell akzeptieren, dass die Stimmungs- und Meinungslage unter den Delegierten möglichen Wählern weitaus mehr Aufschluss über die tatsächlichen Ziele und Grundsätze gibt. Die angeführten „Schutzinteressen“ der Basis bei einem Parteitag wirken befremdlich: Wer sich für eine Truppe wie die AfD engagiert und nach Einfluss in unserem Staat strebt, sollte es nicht im Schutz der Anonymität tun dürfen. Tobias Blasius

 
 

EURE FAVORITEN