Das Wetter wird langsam sonniger – und die Pflanzenhotels der Region immer leerer

Gärtner-Meister Werner Rudel in seinem Hertener Pflanzen-Hotel. Foto: Matthias Graben / WAZ FotoPool
Gärtner-Meister Werner Rudel in seinem Hertener Pflanzen-Hotel. Foto: Matthias Graben / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool
Mit steigenden Temperaturen können Oleander und Co. wieder nach draußen gestellt werden. Für die rund 40 Pflanzenhotels in der Region geht damit die diesjährige Saison zu Ende. Allein in einem Betrieb in Herten heißt das: Fast 3000 Pflanzen ziehen aus dem Gewächshaus aus.

Herten.. Rund um das nächste Wochenende ziehen fast alle aus, nach einem halben Jahr Hotel reicht es dann wohl auch. Die Palmen ziehen aus, Oleander und Oliven ziehen aus, Jasmin und Enzianstämme; man wird sie heraustragen müssen, was für Hotelgäste äußerst ungewöhnlich ist, aber eigentlich auch ein kleines Kompliment ans Haus. Und auch die Agaven ziehen aus, die einzigen Gäste, denen der Gärtner und Pflanzenhotelier Werner Rudel (49) schlecht nachredet wegen ihrer allseitigen Stacheligkeit. Offene Worte über zahlende Kundschaft: „Die Viecher hasse ich. Unblutig kriegen Sie die nicht weg.“

Pflanzen würden deutschen Winter nicht überleben

Noch aber stehen sie da, Zitrusbäume, Wandelröschen, Baumfarne und all die anderen, dicht an dicht, Topf an Topf, in Holz, in Stein, in Ton: eine einzige mediterrane Pflanzenschau in Herten-Langenbochum. In Rudels Gärtnerei ist das Pflanzenhotel inzwischen der Betriebsteil, der den ganzen Laden erhält. In dieser mild beheizten Orangerie für den 3. Stand nimmt er Pflanzen auf, die den deutschen Winter nicht überleben würden. Von November bis Mai, danach stehen die Gewächshäuser praktisch leer: „Wenn ich noch eine Idee hätte für den Sommer . . .“ Denn seltsamerweise gibt es keine Pflanzen, denen der deutsche Sommer zu warm wäre; oder zumindest will sie niemand haben.

Von der Gefälligkeit zum Massenbetrieb

Was vor sieben Jahren als Gefälligkeit für einen Bekannten begann („Zur Not stell’ deine Palmen bei mir unter“), ist heute ein Massenbetrieb: Über 2900 Pflanzen überwinterten hier 2011/12 auf 2000 Quadratmetern, und auch der Winter 2012/13 ist schon gut gebucht – auf dann 2400 Quadratmetern. Dabei zahlt ein durchschnittlicher Exot 25 Euro für die komplette Unterbringung, dafür wird er aber auch geholt und gebracht, beschnitten, gedüngt, gegossen und von Schädlingen freigehalten, wovon man, ehrlich gesagt, in manch anderem Hotel nur träumen kann.

Keine Frage daher, auch im besonders geschützten Gewächshaus ist das Wetter immer ein Thema. Noppenfolie und Bambusmatten isolieren es, eine Lüftung kann jederzeit eingreifen, und zwei voneinander unabhängige Heizkessel hält Rudel vor für den Unfall der Unfälle – den Heizungsausfall: „Bei minus 15 Grad hätten Sie eine Stunde.“ In den Wintern der letzten Jahre musste er die Innentemperatur teilweise auf 25 Grad hochfahren, um buchstäblich die Schneelast vom Dach zu schmelzen. Freilich gibt es noch immer Pflanzen, die kämen auch mit den garantierten 5 Grad in einem Meter Höhe nicht klar: „Phönixpalmen würden das drei Tage mitmachen, danach könnte man sie zusammenfegen.“

Zahlen die Leute nicht, gibt’s nen kalten Arsch

Rund ums Wochenende also ziehen fast alle aus. Anhänger vorfahren, Pflanzen einladen, weg; Rudel und sein langjähriger Geselle Mustafa Cay schleppen dann bis zu 120, 130 Kilo. Ein Topf, versteht sich; deshalb wird so ein Gast auch in den letzten beiden Tagen vor dem Auszug nicht mehr gegossen. Oder sie transportieren Pflanzen von 3,80 Metern Größe liegend, weil es sonst schwierig werden könnte im Straßenverkehr. „Das geht im Prinzip: Montag Bochum, Dienstag Dortmund, Mittwoch Marl undsoweiter“, sagt Rudel.

Bezahlt ist der Hotelaufenthalt da längst: „Ich sag’ den Leuten immer, wenn sie nicht bis zum 15. Februar zahlen, kriegt ihre Pflanze einen kalten Arsch.“ Macht er natürlich nicht. Ist aber außerordentlich wirksam.

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