Das Rheinland will groß rauskommen

Anne Lütkes im Interview mit der NRZ
Anne Lütkes im Interview mit der NRZ
Foto: Ruprecht Stempell
Im NRZ-Gespräch wirbt Regierungspräsidentin Anne Lütkes für eine engere Zusammenarbeit von Kommunen und Kreisen in der Metropolregion. Auch einen Verein möchte sie gründen. In wenigen Jahren soll daraus ein Regionalverband entstehen.

Im Rheinland.  Die Zeichen stehen auf mehr Zusammenarbeit: Im Rheinland laufen die Vorbereitungen für die mögliche Gründung einer „Metropolregion Rheinland“. „Was interkommunale Zusammenarbeit betrifft, kann das Rheinland vom Ruhrgebiet lernen“, meint die Düsseldorfer Regierungspräsidentin Anne Lütkes (Grüne) im Gespräch mit der NRZ.

NRZ: Welche Erwartungen verbinden sich mit der geplanten Metropolregion?

Lütkes: Es ist ein historischer Schritt, dass das Rheinland über intensive Zusammenarbeit diskutiert. Wir haben hier die Erfahrung gemacht, dass Kommunen und Wirtschaftskammern sehr lange ihre Bezirksinteressen gesehen haben. Das Gemeinsame, das Interkommunale – das hat es im Rheinland immer schwer gehabt, anders als im Ruhrgebiet, das sehr gut verzahnt ist und sichtbar als „Metropole Ruhr“.

Kommunen sowie Industrie- und Handelskammern im Rheinland sagen jetzt: Es ist überfällig, dass wir zusammenarbeiten. Einen entscheidenden Schub hat der Landesentwicklungsplan gegeben, dessen Entwurf auf dem Tisch liegt. Denn dort spricht die Landesregierung - und ich nehme an, demnächst auch der Landtag - von zwei Metropolregionen: dem Ruhrgebiet und eben dem Rheinland.

Auf welchen Feldern soll die Metropolregion aktiv werden?

Noch befinden wir uns ja erst in den Vorbereitungen zur Gründung. Es sind zunächst vier Felder für die Zusammenarbeit ausgewählt worden, die müssen die Mitglieder zusammen bearbeiten; Arbeitsgruppen haben sich dazu formiert. Da ist zum einen der Verkehr – also die Planung von Verkehr - insbesondere auch die Entwicklung der Multimobilität im Rheinland - die Weiterentwicklung von Leitsystemen und das Baustellenmanagement. Weitere Felder sind die Kultur, der Tourismus sowie Bildung und Weiterbildung. Bei Letzterem gibt es einen sehr guten Ansatz aus der Region Aachen, wie man die Zusammenarbeit zwischen Betrieben und Schulen verbessern kann. Beim Projekt der Landesregierung „Kein Abschluss ohne Anschluss“, das den Übergang von Schule in Beruf sichern soll, ist das sehr konkret in die Region heruntergebrochen worden. Das lässt sich auch rheinlandweit umsetzen und ist auf gutem Weg.

Mit dem geplanten Budget von einer Million Euro kann der Verein keine großen Sprünge machen...

Der Verein kann ja auch nur ein erster Schritt sein, um das Rheinland zu organisieren. Darauf haben viele Akteure, die derzeit über die geplante Metropolregion sprechen, schon hingewiesen. In einiger Zukunft könnte die Gründung eines Regionalverbandes Rheinland folgen, wie es ihn fürs Ruhrgebiet ja schon lange gibt. Aber da wäre dann der Gesetzgeber gefragt. Der Verein wird in der Tat schlank organisiert sein. Es wird eine Geschäftsstelle geben. Da ist man übereingekommen, dass die in Köln angesiedelt sein soll. Und man wird einen Geschäftsführer benötigen. Das durch die Partner finanzierte Budget ist nicht bescheiden, sondern realistisch.

Düsseldorf und Köln in einem Verein – kann das gut gehen?

Die Auseinandersetzung zwischen den beiden Städten ist Lokalkolorit, in der Praxis aber kein Problem. Ich sehe zwischen Köln und Düsseldorf eine vernünftige Offenheit, gerade nach den letzten Wahlen. Sowohl der Oberbürgermeister von Düsseldorf als auch die Oberbürgermeisterin von Köln gehören der Steuerungsgruppe der geplanten Metropolregion an und haben sich klar zu der Entwicklung bekannt.

Mit Duisburg und dem Kreis Wesel wollen zwei Partner dabei sein, die auch beim Regionalverband Ruhr mitarbeiten. Müssen die sich langfristig für eine Region entscheiden?

Ich selbst bin ja Regierungspräsidentin sowohl fürs Ruhrgebiet als auch fürs Rheinland – und ich kann das gut aushalten. Das wird auch der Stadt Duisburg und dem Kreis Wesel so gehen. Beide sollen beim Gründungsprozess der Metropolregion als Vollmitglieder dabei sein. Wir haben das diskutiert. Ich finde auch gut, dass das hier so transparent läuft. Man kann das Rheinland schlecht ohne den größten Binnenhafen Europas denken – und der Kreis Wesel gehört ja in unsere Gebietsstruktur. Die Entscheidung über die Mitgliedschaft wird der Gründungsversammlung obliegen.

Ein Konflikt kann entstehen, wenn es um Fördermittel aus Europa geht. Der Kreis Wesel und Duisburg werden sich bei bestimmten Projekten entscheiden müssen, wo sie dabei sein wollen. Eine Doppelförderung – erst übers Ruhrgebiet und dann nochmal über das Rheinland - kann und darf es nicht geben. Da wir aber alle rechtstreue Bürger sind, wird das kein Problem sein.

Lassen Sie uns in die Zukunft schauen. Was könnten nach der Vereinsgründung erste Erfolge für die Metropolregion sein?

Es gibt ja schon den „Kultursommer Rheinland“ – eine beliebte Veranstaltungsreihe, bei der sich die Region als Ganzes präsentiert. Es wäre schön und ein für die Bevölkerung hier gut sichtbares Zeichen für eine neue Gemeinsamkeit, wenn der Kultursommer im nächsten Jahr schon von dem Verein organisiert würde. Was die Vertretung nach außen betrifft – Ansätze für gemeinsame Auftritte, etwa auf der Messe Expo Real, gibt es ja schon. Mir persönlich ist sehr wichtig, dass wir beim Baustellenmanagement weiter gut vorankommen. Die Herausforderungen sind groß. Ich will da nur die in den nächsten Jahren anstehenden Neubauten der Rheinbrücken bei Leverkusen und Duisburg-Neuenkamp als Beispiele nennen.

 
 

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