Düsseldorf

Düsseldorf: Handwerker in Coronakrise völlig verzweifelt – „Ich habe keine Leute mehr, die arbeiten wollen“

Ein Handwerker aus Düsseldorf klagt über die aktuelle Corona-Situation bei der Arbeit. (Symbolbild)
Ein Handwerker aus Düsseldorf klagt über die aktuelle Corona-Situation bei der Arbeit. (Symbolbild)
Foto: imago images / privat/ Montage: DER WESTEN

Düsseldorf. Das Coronavirus grassiert zunehmend in NRW. Restaurants, Modegeschäfte, Bars oder Cafés mussten schließen. Das hat die Landesregierung so im sogenannten Shutdown erlassen. Doch alle lebensnotwendigen Betriebe wie Supermärkte, Apotheken oder Banken bleiben geöffnet. Dazu zählt überwiegend auch das Handwerk.

Rico Friedrich (47) aus Düsseldorf ist Handwerksmeister im Bereich Elektro, Sanitär und Heizung und wegen des Coronavirus nun völlig verzweifelt. „Meine Mitarbeiter haben Angst zu arbeiten. Die Angst, sich anzustecken, ist groß“, erzählt er gegenüber DER WESTEN. In seinem kleinen Betrieb aus NRW gibt es eine Bürokraft und drei Angestellte, die sich in dieser Woche krankgemeldet haben.

Düsseldorf: Handwerker völlig verzweifelt, weil Mitarbeiter Angst vor dem Coronavirus haben

„Jetzt muss ich alle Termine alleine erledigen“, macht der 47-Jährige deutlich. Und die Nachfrage lasse nicht nach. Er sieht sich in der Verpflichtung weiter zu arbeiten, kann seinen Laden nicht einfach dicht machen - von der finanziellen Not, die dann drohen würde, ganz zu schweigen. Aufträge ja, aber Mitarbeiter Fehlanzeige. „Ich habe keine Leute mehr, die arbeiten wollen“, klagt der Handwerker.

„Wenn da eine Mutter anruft mit kleinen Kindern und mitteilt, dass die Heizung kaputt ist, kann ich sie doch nicht einfach sitzenlassen. Das muss sofort repariert werden“, so Friedrich.

------------

Weitere Corona-News aus NRW:

NRW: Problemfamilien in Corona-Not – Experte: „Wir hoffen, dass ...“

Coronavirus im Ruhrgebiet: Du brauchst Unterstützung? DER WESTEN hilft

Kontaktsperre in NRW: DAS bedeutet die neue Regelung jetzt für dich

------------

Heizungen tropfen, Wände sind nass, Rohre verstopft - um all das kümmert sich der Handwerker. Einzig und allein weigert er sich in diesen unsicheren Zeiten Abwasserrohre zu reparieren. „Wer weiß, ob nicht ein erkrankter Mensch auf die Toilette gegangen ist. Es ist ja noch überhaupt nicht sicher, ob das Virus auch durch Ausscheidungen übertragen wird. Da könnten ja Erreger drin sein“, mahnt er. Deshalb werden solche Rohre übergangsweise nur abgeklebt.

Auch die Bauträger und Verwaltungen haben die Hygienemaßnahmen neu geregelt. Auch wenn alle aufs gleiche Dixi-Klo gehen, werde so gut es eben geht auf die Einhaltung der Schutzmaßnahmen geachtet. Wassertanks wurden zum gründlichen Händewaschen an den Baustellen aufgebaut und - wenn möglich - wird in Räumen allein gearbeitet.

+++Coronavirus in NRW: Über 60 Tote – Essenerin stirbt ++ Polizei greift durch ++ Hoffnung im Kreis Heinsberg+++

Friedrich hat für seine Mitarbeiter auch eine Gefahrenbeurteilung aufgeschrieben. Gefrühstückt wird alleine, Angestellte fahren mit einem eigenen Auto zu Terminen und Kunden sollen die Räume während der Arbeit verlassen. Diese hätten für diese Regeln Verständnis, zeigt sich der Düsseldorfer erfreut. Neue Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel seien aber Mangelware.

Handwerker appelliert an den Zusammenhalt der Gesellschaft

Der Unternehmer appelliert aber daran, solidarisch zu sein, und ein Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln. „Wenn Friseure schließen müssen, dann läuft man halt mit einer schlechten Frisur rum, aber dann ist das halt so. Aber wenn die Heizung kaputt geht, dann muss ich doch was tun“, meint Friedrich und erwähnt im selben Atemzug auch alle anderen unverzichtbaren Berufe in der Coronakrise. „Kassierinnen müssen auch weiter ihren Job machen“.

Er habe seinen Mitarbeitern eine Woche Bedenkzeit gegeben. Es gab ein internes „Coronakrisengespräch“. Einer seiner Angestellten habe einen Corona-Todesfall in der Familie. Dafür habe der Chef vollstes Verständnis.

Doch wenn die Angestellten in der nächsten Woche nicht zur Arbeit erscheinen, weiß er nicht, wie es weitergehen soll. „Ich weiß auch nicht, wie ich mich verhalten soll“, erklärt er ratlos. „Vielleicht muss ich bald zur Arbeitsagentur gehen, um neue Mitarbeiter zu finden“, beschreibt er den äußersten Notfall und hofft inständig, dass es nicht so weit kommen wird.

Das sagt die Handwerkskammer

Auf Nachfrage von DER WESTEN teilte eine Pressesprecherin der Handwerkskammer Düsseldorf mit, dass viele Betriebe mit Sorgen und Nöten sich an die Handwerkskammer derzeit wenden. „Die Anfragen sind auf jeden Fall gestiegen“, erklärt die Sprecherin und verweist auf die jeweiligen Betriebsberater, die Arbeitgeber und Arbeitnehmern beratend zur Seite stehen.

Nahezu alle Gewerke sind derzeit schon stark von der Krise betroffen. Deshalb wurde am Mittwoch das Soforthilfeprogramm für in Not geratene Betriebe in NRW von Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart vorgestellt. Bis zum 30. April können auch kleine betroffene Betriebe hier die Soforthilfe beim NRW-Wirtschaftsministerium beantragen.

 
 

EURE FAVORITEN