Corona in NRW: Friseur erhebt schwere Vorwürfe – „Es ist unbegreiflich, dass...“

Corona NRW (13.3.)
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Während viele Geschäfte in NRW derzeit wegen Corona schließen müssen, dürfen (und müssen) vielerorts Friseure vorerst noch weiter öffnen.

Ausgerechnet Friseure, also die Menschen, die beim Haareschneiden auf relativ engen Kontakt zum Kunden angewiesen sind und keinesfalls die geforderten 1,50 Meter Sicherheitsabstand halten können. „Wir sind, wie alle Menschen, von der aktuellen Situation verstört und haben große Angst“, schildert Amir Niayech (52) seine Gefühlslage.

NRW: Friseure fühlen sich im Stich gelassen

Der selbstständige Friseurmeister hat einen Salon in Köln - und eine Menge Unverständnis über die aktuelle Situation. „Es ist mir und vielen anderen unbegreiflich, wie die Regierung weiterhin davon absieht, Friseursalons per Erlass zu schließen“, sagt der verheiratete Familienvater.

„Unsere Arbeit ist nicht lebenswichtig und wir können den Mindestabstand zum Kunden keinesfalls einhalten. Das verhält sich absolut konträr zu den nötigen Maßnahmen, um die Virusverbreitung einzudämmen“, sagt er DER WESTEN. Seit Donnerstag hat Amir Niayech erst einmal seinen Laden geschlossen. Aber nicht wegen einer Anordnung des Landes NRW, sondern weil sich eine Vielzahl seiner zehn Mitarbeiter krank gemeldet hätten.

Sie hätten ihn unter Tränen gebeten zuhause bleiben zu dürfen, so der Friseurmeister. Niayech blieb nichts anderes übrig als seinen Salon vorerst dicht zu machen.

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Eigenverantwortliche Schließung finanzielle Katastrophe

„Eine eigenverantwortliche Schließung wäre für mich wäre eine Katastrophe, da ich den Ausfall nicht aus eigener Tasche kompensieren kann“, so der 52-Jährige. Stand jetzt will er Anfang nächster Woche wieder öffnen. Er wird wohl Kurzarbeit beantragen müssen und hofft auf die versprochene finanzielle Unterstützung der KfW-Bank. Doch hier malen die Mühlen langsam.

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Brief an Ministerpräsident Laschet

Deshalb geht seine deutliche Bitte Richtung Ministerpräsident Armin Laschet: „Ich kann nur inständig bitten, die Friseure und andere nicht lebensnotwendige Einzelhandel mit sofortiger Wirkung per Gesetz zu schließen. Sie haben doch selber in Ihrer Rede unterstrichen, es ginge um Leben und Tod. Bitte handeln Sie jetzt auch konsequent!“ Dazu hat er Laschet bereits einen Brief geschrieben und sich auch an Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reeker gewandt.

Denn für den 52-Jährigen steht die Existenz auf dem Spiel. „Ich habe mich gerade neu aufgestellt, habe ein Eigenheim, Frau und Kinder“, erzählt er. Wenn keine Hilfe vom Staat komme, drohe ihm die Insolvenz. „Ich denke, ich spreche für 100.000 Betriebe in NRW.“

Die Friseure haben inzwischen eine Petition gestartet, die gesetzliche Anordnung zur Schließung fordert. Am Freitagmittag waren fast 100.000 Unterschriften beisammen.

Auch Jennifer aus Gladbeck arbeitet als Angestellte in einem Friseursalon. Sie schlägt in die gleiche Kerbe. „Wie kann es sein, dass wir uns und unsere Kunden eines so hohen Gesundheitsrisikos aussetzen müssen? Wir arbeiten nah am Kunden und es ist mir unverständlich, warum wir uns dem aussetzen müssen. Jeder muss geschützt werden, nur wir nicht“, fühlt sie sich im Stich gelassen.

Das sagt die Handwerkskammer

DER WESTEN hat bei der Handwerkskammer nachgefragt. Der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Köln, Garrelt Duin, sagt uns: „Wir sind an der Seite der Friseurinnen und Friseure. Es macht nach aktueller Rechtslage keinen Unterschied ob sie freiwillig schließen oder durch das Ordnungsamt gezwungen werden. Wir plädieren für die Schließung bei gleichzeitiger unbürokratischer, finanzieller Soforthilfe.“

 
 

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