Corona-Ausbruch bei Tönnies: Warum jeder Einzelne diese Krise hätte verhindern können

Frisch geschlachtete Schweine hängen in einem Kühlhaus beim Fleischunternehmen Tönnies. (Archivbild)
Frisch geschlachtete Schweine hängen in einem Kühlhaus beim Fleischunternehmen Tönnies. (Archivbild)
Foto: Bernd Thissen/dpa

Ein Kommentar

Der Kreis Gütersloh befindet sich im erneuten Lockdown. Das gab NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Dienstag in Düsseldorf bekannt. Grund: der Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies in Rheda-Wiedenbrück. Mehr als 1500 der 7000 Beschäftigten von Tönnies sind mit dem Coronavirus infiziert.

In anderen Ländern nimmt das öffentliche Leben wieder Fahrt auf, während im Kreis Gütersloh die Schutzmaßnahmen, die bis vor wenigen Wochen gegolten hatten, zurückkehren. Es ist eine Niederlage im Kampf gegen Corona. Dabei hätte dieser Ausbruch verhindert werden können. Jeder Einzelne hätte etwas tun können. Durch den Verzicht auf Billigfleisch, wie es bei Tönnies produziert wird.

Corona-Ausbruch bei Tönnies: Konsum von Billigfleisch muss enden

Der Konsum von Fleisch aus Massentierhaltung muss ein Ende haben. Er schadet Tieren, der Umwelt und den Menschen.

Allein in Deutschland sterben pro Jahr 763 Millionen Tiere in der Massentierhaltung, damit ihr Fleisch billig an den Endverbraucher gebracht werden kann. Vor allem Schweine und Hühner erleiden unfassbare Qualen. Um möglichst schnell möglichst viel Fleisch zu generieren, werden Mastschweine überzüchtet. Größere Schenkel, weniger Rückenmark. Die Folgen: psychische und physische Störungen, schwerwiegende Erkrankungen, ein qualvolles Leben.

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Massentierhaltung in Deutschland (Stand 2019):

  • jährlich rund 763 Millionen Tiere
  • 27, 3 Millionen Schweine
  • 12 Millionen Rinder
  • 114 Millionen Hühner

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Unsägliches Tierleid

Sein ganzes Leben verbringt ein Schwein in einer kleinen Bucht, wo es sich kaum bewegen kann. Eine Fläche von einem Quadratmeter bekommt ein Schwein, das mehr als 110 Kilogramm wiegt. Alles darunter: 0,75 Quadratmeter. So sieht es das Gesetz vor. Kein Auslauf, kaum Tageslicht, keine Beschäftigung. Die Schweine sind oft zu 5000 in einen Stall gedrängt, ihre Körper zeigen Kratz- und Beißspuren.

Damit Schweine gut schmecken, werden die männlichen Ferkel kurz nach der Geburt kastriert, ihr Ringelschwanz wird entfernt – ohne Betäubung, denn die zwei bis drei Euro, die diese kosten würde, sind vielen Haltern schlicht zu teuer.

Massentierhaltung Hauptverursacher von Klimawandel

Aber es sind nicht nur die Tiere, die leiden müssen. Auch die Umwelt trägt enorme Schäden davon. Fleischkonsum gilt als eine der Hauptursachen für den vom Menschen erzeugten Klimawandel.

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Regenwälder sind für das Weltklima entscheidend. Dennoch werden große Flächen abgeholzt, um Soja anzubauen. 80 Prozent des weltweiten Sojaanbaus dient als Futter für Masttiere, vor allem Schweine und Geflügel, sagt der WWF.

Ein weiteres Problem: Laut UN-Landwirtschaftsorganisation FAO stammen 14,5 Prozent aller weltweiten Treibhausemissionen aus der Haltung und Verarbeitung von Masttieren.

Die Tiere und die Umwelt leiden enorm unter der Massentierhaltung: Aber auch die Menschen selbst tragen großen Schaden davon. Am Ende kommt das billige Fleisch nicht nur den Konsumenten teuer zu stehen.

Konsequenzen für den Menschen

Das Verabreichen von Antibiotika durch das Futter gehört in den Ställen zum Alltag. Der Konsument isst es beim Verzehr seines Fleisches mit. Der Einsatz des Medikaments in der Massentierhaltung fördert die Ausbreitung multiresistenter Keime.

Und: Wer viel Fleisch isst, riskiert Bluthochdruck und hat ein höheres Risiko, an Krebs zu erkranken. Das Helmholtz-Institut empfiehlt, nicht mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch pro Woche zu konsumieren.

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Die Billigfleischproduktion bedroht die Existenz von Landwirten, die bei der großen Konkurrenz durch Fleischfabriken unter enormem Druck stehen. Gleichzeitig müssen Werksarbeiter – meist aus Osteuropa – unterbezahlt und unter schlechten Bedingungen arbeiten und leben.

Die Lösung ist einfach

Das sind die Rahmenbedingungen, die die Zustände bei Tönnies befördern – und für den erneuten Lockdown im Kreis Gütersloh gesorgt haben. Das hätte sich verhindern lassen. Aber die Deutschen sind eben, wie sie eben sind.

Obwohl die Nachteile für Tier, Umwelt und Mensch klar sind und die Öffentlichkeit über alle negativen Folgen Bescheid weiß, stammt laut WWF mit rund zwei Prozent momentan nur ein extrem geringer Anteil des in Deutschland konsumierten Fleisches aus artgerechter und ökologischer Tierhaltung.

Klar, das Billigfleisch gegen „besseres“ zu tauschen , käme die Deutschen bei ihren Konsummengen teuer zu stehen. Aber die Lösung ist einfach: weniger Fleisch. Und dafür gutes.

Dann hätte der Konsum von Billigfleisch endlich ein Ende.

 
 

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