Clans in NRW: Experten warnen – „Es besteht Besorgnis, dass...“

NRW-Innenminister Herbert Reul will die Clan-Kriminalität in Nordrhein-Westfalen bekämpfen. (Archivbild)
NRW-Innenminister Herbert Reul will die Clan-Kriminalität in Nordrhein-Westfalen bekämpfen. (Archivbild)
Foto: dpa

Nordrhein-Westfalen macht ernst im Kampf gegen Clans. Einige Experten beobachten die ersten positiven Effekte der von NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) viel zitierten „Strategie der 1.000 Nadelstiche“.

Doch der Kampf gegen die lange unsystematisch bekämpften Clans, vor allem in den Hochburgen im Ruhrgebiet, in Berlin, Bremen und Niedersachsen, fängt nach Ansicht anderer Experten gerade erst an. Sie sehen neue Gefahren und Lücken im System.

Clans: Gewalt gegen Polizei nimmt ab

Die zuletzt praktizierte Taktik der Behörden scheint aufzugehen. Mit massivem Personalaufkommen führt die Polizei Razzien im kriminellen Clan-Milieu durch, wird dabei häufig von Hundertschaften unterstützt.

Das erzeugt Eindruck: „Das Verhalten gegenüber den Polizeibeamten wird gemäßigter, die Gewalt geht zumindest aktuell zurück“, sagt die Kriminologie-Professorin Dorothee Dienstbühl von der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW gegenüber der Deutschen Presseagentur.

Das sei aber eine Momentaufnahme. Es wäre verfrüht, den aktuellen Respekt bereits als Erfolg zu werten.

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Experte warnt: „Zu wenige Ermittler“

Ähnlich sieht es der Chef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Sebastian Fiedler: „Ich sehe noch kein auf Dauer angelegtes Erfolgskonzept.“ Dafür seien zu wenig Ermittler im Kampf gegen kriminelle Clans im Einsatz.

Im Ruhrgebiet seien etwa nur eine zweistellige Zahl Beamter zuständig. Hier müsste seiner Ansicht nach aufgestockt werden. Zumal ein neues Problem auf der Tagesordnung stehe.

Sorge wächst: Clans rekrutieren Flüchtlinge

Kriminelle Clans würden vermehrt die Perspektivlosigkeit syrischer und irakischer Flüchtlinge ausnutzen und sie für ihre Zwecke rekrutieren, berichtet Fiedler. Diese würden beim Drogenverkauf auf der Straße eingesetzt.

„Die Besorgnis besteht, dass auch hier kriminelle Gefüge entstehen“, warnt der VBDK-Chef. Ähnlich wie es einst bei einigen Familien mit türkisch-arabischen Wurzeln aus dem Libanon geschah, die wegen des ausgebrochenen Bürgerkriegs zwischen 1975 und 1990 nach Deutschland geflohen waren. Mehr Informationen zur Geschichte der Libanesen-Clans liest du hier >>>

Dass die Integration einiger syrischer und irakischer Flüchtlinge scheitern könnte und sie ins kriminelle Milieu abrutschen könnte, bereitet Fiedler Sorge. Das könne seiner Ansicht nach rein zahlentechnisch ein Problem werden. (mit dpa)

 
 

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