Ein Clan-Ghetto mit Moschee im Centro – dieses düstere Szenario zeichnet jetzt ein Star-Anwalt in seinem neuen Buch

Clans, die in einer Enklave in Essen und Oberhausen leben, entrechtet und gechipt. Anwalt und Autor Burkhard Benecken zeichnet ein düsteres Szenario.
Clans, die in einer Enklave in Essen und Oberhausen leben, entrechtet und gechipt. Anwalt und Autor Burkhard Benecken zeichnet ein düsteres Szenario.
Foto: dpa

Seit zehn Jahren verteidigt Burkhard Benecken als Anwalt Mandanten aus arabischen Großfamilien, vertritt Mitglieder der bekannten Clans Rammo, El-Zein, Miri, Omeirat oder Mahmoud.

Nebenbei ist er auch Buchautor. Eigentlich wollte der bekannte Anwalt ein Sachbuch über Clankriminalität schreiben. Herausgekommen ist jetzt ein Roman über Clans, eine düstere Dystopie, die mitten im Ruhrgebiet spielt.

Clans: Anwalt Burkhard Benecken entwirft düstere Dystopie

Benecken sieht sich als „Stimme der Clans“. Er trat zum Thema in Talkshows auf und erlebte hautnah, wie nach einem Tötungsdelikt Friedensrichter vorbei an der deutschen Justiz zwei verfeindete Familien versöhnten. Ein Blutgeld von 300.000 Euro floss.

Diese Erfahrungen hat Benecken nun in seinem Roman einfließen lassen. „Das Problem war meine Verschwiegenheitspflicht als Anwalt. Daher dachte ich, verfremde ich es in einem Roman, auch um meine Mandanten zu schützen“, erklärt Benecken gegenüber DER WESTEN sein Roman-Debüt. Seine Motivation: „Mich stört die einseitige Darstellung in Medien und Politik. Ich erlebe, dass diese Familien unter Generalverdacht gestellt werden.“

Den Vorwurf, er wolle mit dem Buch nur neue Mandanten akquirieren, entgegnet Benecken kühl: „Ich habe wahrlich genug zu tun. Mir geht es darum, Missstände aufzuzeigen.“

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Worum geht`s also in seinem Roman?

Die fiktionale Erzählung spielt im Jahr 2044 im Ruhrgebiet. Im Essener Norden und in Oberhausen ist eine muslimische Enklave, errichtet von einem Clan-Chef selbst, entstanden. Das Einkaufszentrum Centro dient als Moschee und ringsherum sind hohe Mauern gezogen. In „Al Amal“ (so wird Neu-Essen genannt) leben Muslime abgeschottet unter sich, nach den Regeln der Clans. So sollen Zusammenstöße von zuvor gechipten und entrechteten Muslimen und den „Bio-Deutschen“ verhindert werden.

„Ich halte ein solches Szenario für durchaus möglich. Meine Befürchtung ist, dass dieser Generalverdacht gegenüber den Clans auf alle Muslime überschwappt und dass bei ihnen für mehr Frust sorgt, sie sich vermehrt in den Untergrund und in die Kriminalität zurückziehen“, erklärt Autor Benecken.

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Star-Anwalt ist Romanheld

Sein Romanheld ist wie er ein Star-Anwalt. Lorenz van Bergen wird von Clan-Chef Abdelkarim Al-Zahidi eingeladen. Der Libanese wird verdächtigt, den Bundesinnenminister der rechtsextremen Regierungspartei entführt zu haben, um noch strengere Gesetze für die Clans zu verhindern. Zwischen den beiden Männern entsteht eine Freundschaft – und jede Menge Probleme gilt es zu lösen.

Und was sagen die Clans selbst zu dem düsteren Szenario? „Ein erschreckend realistisches Buch“, findet Jamal Rammo im Klappentext des Buches. Das oft als Clan-Boss bezeichnete Familienoberhaupt aus Essen wird anwaltlich von Benecken vertreten. (ms)

 
 

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