Clankriminalität in NRW: Innenminister Reul mit heftigem Vergleich – „Spielen gleiche Liga wie...“

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„Ein Teil der Clans spielen in der gleichen Liga wie die Mafia!“

Diese deutlichen Worte wählte NRW-Innenminister Herbert Reul bei der Vorstellung des neuen Lagebildes „Clankriminalität“ in NRW.

Clankriminalität in NRW: Neues Lagebild enthüllt

Clan-Kriminalität in Deutschland: Woher kommen die Clans und wie kriminell sind sie?
Clan-Kriminalität in Deutschland: Woher kommen die Clans und wie kriminell sind sie?

Hintergrund: Ein Fünftel aller Verfahren im Bereich Organisierte Kriminalität hatten im vergangenen Jahr einen Clan-Bezug. Schwerpunkt hier waren Rauschgiftkriminalität und Geldwäsche. In sieben der 15 Verfahren der Organisierten Kriminalität konnte die Polizei den Tatertrag feststellen: eine Summe von 6,4 Millionen Euro. Auch Bezüge zu Rocker-Kriminalität konnten die Ermittler feststellen, etwa zur verbotenen Rockergruppierung „Satudarah“.

Was Mafia und die Clans aber unterscheidet: während die Mafia oft international operiert, fällt bei der Clankriminalität in NRW auf, dass die Straftaten im unmittelbaren Lebensbereich der Tatverdächtigen passieren.

70 Prozent der im Lagebild erfassten Straftaten wurden im Umkreis von fünf Kilometern von der jeweiligen Wohnanschrift der Verdächtigen begangenen. „Es geht um den Hoheitsanspruch bei den Clans“, erklärte der Leitende Kriminaldirektor des LKA NRW, Thomas Jungbluth.

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Hotspots der Clans in NRW bleibt weiter Essen. Mehr als 850 Straftaten mit Clan-Bezug wurden im vergangenen Jahr von der Polizeibehörde Essen gezählt.

Die Zahl der Clans ist dabei in NRW weiter gewachsen. Zählte das Lagebild „Clankriminalität“ in NRW vergangenes Jahr 104 Großfamilien, deren Mitglieder Straftaten begingen, sind es im neuen Bericht 111.

Insgesamt erfasste das Lagebild 6.104 Straftaten und 3.779 Tatverdächtige in 2019. Das macht eine Erhöhung um mehr als 30 Prozent zum Vorjahr. Doch das ist nur bedingt vergleichbar. Denn erstmals wurden dieses Jahr auch Verkehrsstraftaten mitberücksichtigt. Darunter fallen etwa das Fahren ohne Führerschein, Unfallflucht oder illegale Autorennen.

Weitere Details aus dem Lagebild Clankriminalität in NRW:

  • 32 % der Straftaten waren Körperverletzungen, Nötigungen, Bedrohungen und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte.
  • 15 % Betrugsdelikte, 14 % Eigentumsdelikte.
  • Seit 2018 hat die Polizei in NRW mehr als 1.400 Kontrollaktionen durchgeführt und dabei 3.400 Objekte durchsucht.
  • Ergebnis dabei: 1.700 Strafanzeigen und 3.300 Ordnungswidrigkeiten, fast 10.000 Verwarngelder, 570 Festnahmen und 2.200 Sicherstellungen durch die Polizei.
  • Auffällig: 51 % der Tatverdächtigen haben eine deutsche Staatsbürgerschaft. 17 & sind libanesisch, 12 % türkisch und syrisch.

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Reul: „Kommen immer mehr in die Tiefe“

Innenminister Reul zeigte sich zufrieden: „Die Politik der Tausend, oder besser sagt man wohl, der 10.000 Nadelstiche lohnt sich. Wir kommen immer mehr in die Tiefe.“

Bestes Beispiel: In 31 Verfahren wurden bei Clan-Angehörigen über zwei Millionen Euro sichergestellt. Als Einnahmequelle dienen zunehmend auch Glücksspielautomaten in Shisha-Bars. LKA-Ermittler Jungbluth: „Ein Automat bringt im Monat bis zu 15 000 Euro.“

Zugleich machte Reul einmal mehr deutlich: „Ich bin mir bewusst, dass die Gefahr besteht ausländerfeindliche Ressentiments zu bedienen und ganze Familien in Sippenhaft zu nehmen. Das ist ein Problem. Aber die Chancen sind größer als die Risiken. Wenn wir das Problem nicht anpacken, wird das Problem durch Stigmatisierungen noch größer.“

Ihm gehe es darum zu „sagen, was ist. Nicht mehr, nicht weniger.“

 
 

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