Castrop-Rauxel

Castrop-Rauxel: Mann lebt in altem Baum und will bis März durchhalten – aus einem ganz bestimmten Grund

Castrop-Rauxel: Der Baumbesetzer alias Hambi Potter denkt nicht daran, aufzugeben.
Castrop-Rauxel: Der Baumbesetzer alias Hambi Potter denkt nicht daran, aufzugeben.
Foto: dpa

Castrop-Rauxel. Vier Monate sind vergangen. Es hat viel geregnet, es war stürmisch, nebelig und es ist nach wie vor kalt. Trotzdem sitzt ein junger Mann seit dem 1. Oktober weiter in einer alten Eiche in Castrop-Rauxel.

Für ihn zählt nur eins: Der Baum soll nicht gefällt werden. Der Investor und Besitzer des Geländes drängt dagegen darauf, doch noch die Fällung der Eiche zu erwirken.

Castrop-Rauxel: Aktivist bleibt in der Eiche

Um das Gelände, auf der sich die alte Eiche befindet, steht mittlerweile ein Bauzaun. Und Hambi Potter hat einige Bücher und Gesetzestexte sowie Dokumente und Akten zu der alten Eiche gelesen. Auch das Gitarrespielen lernt er gerade. Hambi heißt eigentlich Johannes - Hambi Potter ist ein Spitzname, so nennt er sich auch in den sozialen Medien - eine Anspielung an den Hambacher Forst, den Umweltaktivisten über Jahre besetzt hatten, um ihn vor der Abholzung zu schützen.

In seiner Hängematte harrt der Aktivist aus. Eine Plane über ihm hält ihn trocken. Lebensmittel bekomme er von seinen Unterstützern - dem Verein „Rettet die alte Eiche“ und der Nachbarschaft von Castrop-Rauxel.

So hat Hambi Potter auf dem etwa 250 Jahre alten Baum einen Essens- und Wasservorrat für ein paar Tage, sollte es zu einer „Belagerung“ durch die Polizei kommen. Außerdem hat er eine kleine Lampe sowie eine Powerbank, um sein Smartphone zu laden, erzählt er. Denn der 22-Jährige steuert aus dem Baum heraus auch seine Kanäle auf Facebook und Twitter. So will er die Öffentlichkeit auf dem Laufendem halten.

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Im Oktober seien noch immer wieder Polizisten vor Ort gewesen, doch schon länger sei keiner mehr gekommen. Ab und zu lasse der Investor von Dreigrund Development den Zaun kontrollieren. Ansonsten lasse auch der wenig von sich hören und sehen.

In einem Eilverfahren versucht Dreigrund Development nun jedoch, die Fällung des Baumes durchzusetzen. Schließlich sollen auf dem Gelände mit der Eiche 65 Wohneinheiten aus Doppelhäusern, Einfamilienhäusern und Wohnungen entstehen - die Eiche soll weichen. Und nicht nur die: Laut dem Verein „Rettet die alte Eiche“ sollen 300 Bäume gefällt werden.

Hambi Potter ist aber schlicht dagegen. Er fühlt sich der alten Eiche verbunden und will „alle legalen Mittel“ einsetzen, um die Fällung zu verhindern, wie er sagt. Immer wieder betont der 22-Jährige: „Die Hauptsache ist, dass die alte Eiche stehen bleibt.“

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BUND klagt - Förster meldet sich zu Wort

Und eine von dem Naturschutzbund BUND eingereichte Klage gegen die Fällgenehmigung stärkt Hambi Potter bisher den Rücken. Solange die Entscheidung aussteht, darf der Baum nicht gefällt werden. Außerdem hat der BUND ein Normenkontrollverfahren gegen den gesamten Bebauungsplan eingereicht. Demnach liegt ein Großteil der geplanten Häuser unter Hochspannungsleitungen. In dem Plan seien Abstandsvorgaben nicht eingehalten worden. Somit muss auch dazu noch eine Entscheidung abgewartet werden.

Unterstützung erhält der Aktivist jetzt auch von dem Förster Peter Wohlleben. Dieser spricht sich für den Erhalt der alten Eiche aus und stellt klar: „Sie ist eine Bereicherung für das Bild der Umgebung und ganz ganz wichtig auch für den Naturhaushalt der Stadt.“

Hambi Potters Hoffnung lebt damit weiter. Die Idee, die Eiche stehen zu lassen und das Wohngebiet um diese herum zu bauen, sei die „absolute Minimalforderung“ des Baumbesetzers.

Erstmal zählt ein Datum: „Ich will durchhalten bis zum 1. März.“ Wie es dann weitergehe, könne er noch nicht sagen. Doch da die Fällsaison am 29. Februar endet, sind seine Tage in der alten Eiche vorerst wohl abzusehen.