Bürger pfeifen Ministerin aus - Kaum Antworten zu Forensik in Lünen

Oliver Schlappat
Die Bürger in Lünen zeigten der Ministerin wegen der geplanten Forensik symbolisch rote Karten.
Die Bürger in Lünen zeigten der Ministerin wegen der geplanten Forensik symbolisch rote Karten.
Foto: Iris-MEDIEN
Die NRW-Gesundheitsministerin Steffens sagte nichts zu geprüften Alternativstandorten und zu den genauen Hintergründen, warum Lünen ausgewählt wurde. Stattdessen stellte sie klar: Eine Standort-Diskussion wird nicht mehr geführt. Die Bürger im Hansesaal in Lünen reagierten wütend.

Lünen. Antworten hatten sich die Lüner von der Bürgerinfo-Veranstaltung mit NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens erhofft. Die, die sie haben wollten, bekamen sie nicht, und die, die sie bekamen, reichten ihnen nicht. Stattdessen wurde ihnen noch einmal ausdrücklich klar gemacht: Eine Standortdiskussion wird nicht mehr geführt - aus Sicht des Landes ist sie abgeschlossen.

Die Stimmung im randvollen Hansesaal war angespannt, geradezu wütend. Schon Bürgermeister Hans Wilhelm Stodollick wurde mit einem Pfeifkonzert empfangen. Für die Ministerin war es ungleich lauter. Gleich zu Beginn stellte Barbara Steffens klar: „Auch wenn Ihre Proteste bei mir angekommen sind, wird das nicht dazu führen, dass wir einen anderen Standort wählen.“

Steffens: "Das ist das beste Grundstück"

ForensikFragen der Bürger, warum ausgerechnet das Victoriagelände gewählt wurde, warum Lünen, warum in der Nähe von Wohngebieten mit Schulen und Kindergärten, beantwortete sie immer wieder gleich: „Das ist das beste Grundstück im Landgerichtsbezirk, das uns zur Verfügung steht“.

125 Gemeinden angefragt, nur sechs geeignete Flächen gemeldet

Zu anderen geprüften Flächen ließ sie sich nicht ein - „Antworten zu anderen Grundstücken werden Sie nicht bekommen.“ Zum Bundeswehrdepot an der Stadtgrenze zu Bork sagte sie dann später doch etwas: Es sei nicht geprüft worden, weil es nicht zum Verkauf stehe – ihr Sprecher Christoph Meinerz beeilte sich, den anwesenden Medienvertretern zu erklären, es sei anfangs sehr wohl geprüft worden, es sei aber früh klar gewesen, es stehe nicht zur Verfügung.

Angeschrieben worden und zu Vorschlägen aufgefordert worden seien alle 125 Gemeinden in den betroffenen Landgerichtsbezirken – nur sechs hätten Flächen gemeldet, beantwortete sie eine Bürgernachfrage. Das Lüner Victoria-Gelände habe das Land aber sowieso in der Prüfung gehabt.

Dass dies alles die anwesenden Bürger nicht zufrieden stellte, war offensichtlich. Kaum eine Antwort, die nicht mit lautem Aufschrei oder wütenden bis beleidigenden Zwischenrufen quittiert wurde.

Widerstand Lünens kündigte Dirk Hartmann, Vorsitzender der Bürgerinitiative „Lünen ohne Forensik“, an. Lünen könne im Gegensatz zu größeren Kommunen nicht mit positiven Standortfaktoren gegenhalten. „Wir werden in Zukunft definiert als ‘Lünen – Forensik an der Lippe’ “. Die Bürgerinitiative werde alles unternehmen, was ihr an juristischen Mitteln zur Verfügung stehe.