Brandsätze auf Synagoge in Wuppertal geschleudert

Polizei steht am 29.07.2014 in Wuppertal (Nordrhein-Westfalen) vor der Synagoge.
Polizei steht am 29.07.2014 in Wuppertal (Nordrhein-Westfalen) vor der Synagoge.
Foto: dpa
Wohl nur durch die Ungeschicklichkeit der Täter ist kein Sáchschaden entstanden. Von sechs Molotowcocktails zündete nur einer. Ein Verdächtiger (18) wurde verhaftet. Anwohnerin alarmierte die Polizei. Bestürzung in der Stadt und bei der Landesregierung.

Wuppertal.  Die Täter kamen in der Nacht. Gegen 2.15 Uhr in der Frühe hat eine Anwohnerin im Stadtteil Barmen Geräusche gehört und einen Feuerschein auf der Straße gesehen. Auf die dortige Synagoge waren Brandsätze geschleudert worden. Drei Männer flüchteten. Dazu gehört mutmaßlich auch ein 18-Jähriger mit nicht ganz klarer Staatsangehörigkeit, den die sofort herbeigerufene Polizei noch in der Nähe festnehmen konnte. „Gegenüber den Beamten hat der junge Mann gesagt, er sei Palästinenser“, berichtet Oberstaatsanwalt Hans-Joachim Kiskel. Die Kleidung des 18-Jährigen habe nach Benzin gerochen.

Sechs Molotow-Cocktails haben die Täter ersten Ermittlungen zufolge geworfen. Der Anschlag ging glimpflich aus. Nur eine der Flaschen hatte sich entzündet – und das wohl auch nur, weil sie einem der Männer aus der Hand gerutscht war. Die anrückenden Polizisten fand sie zerbrochen auf der Straße vor der Synagoge. Die übrigen Brandsätze waren am Eingangsportal oder Fassade zerschellt, ohne in Flammen aufzugehen oder einen Sachschaden zu verursachen. „Vermutlich sind die Lunten beim Wurf in der Luft ausgegangen“, sagt Kiskel.

Jüdische Gemeindeschockiert

„Der seelische und der moralische Schaden dieser Tat ist unglaublich“, sagt Wilfried Johnen. Der Geschäftsführer des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden Nordrhein, war gestern Morgen nach Bekanntwerden der Tat nach Wuppertal geeint; ein Mitarbeiter der Düsseldorfer Staatskanzelei begleitete ihn. Die Wuppertaler Gemeinde sei nach dem Anschlag „verängstigt“, sagte Johnen gegenüber NRZ, betonte zugleich auch das Vertrauen in die Polizei: „Sie macht einen exzellenten Job.“

Die Ermittlungen gegen den Festgenommenen lauten auf versuchter schwerer Brandstiftung. „Er bestreitet den Vorwurf, hat nach einem Anwalt verlangt“, sagte Staatsanwalt Kiskel. Um die Verständigung zu verbessern, habe man auch einen Dolmetscher angefordert. Der 18-Jährige verfüge in Wuppertal über eine Wohnadresse, sei auch dort gemeldet und im Besitz einer aufenthaltsrechtlichen Duldung. Laut Kiskel hätte bei dem Anschlag erheblicher Schaden entstehen können.

Mit Blick auf neuerlichen Krieg zwischen Israel und Palästinensern in Gaza war ein Anschlag auf eine jüdische Einrichtung auch in NRW befürchtet worden; es gab Drohungen und Beschimpfungen, vielerorts hatte die Polizei den Schutz verstärkt. In Essen waren vergangene Woche vier Männer festgenommen worden, nachdem sie im Internet via Facebook einem Anschlag auf die Alte Synagoge angekündigt hatten und dann auch dort vorbeigefahren waren.

„Dieser Gazakrieg hat auch hier Dämme brechen lassen“, glaubt Wilfried Jonen vom Landesverband der jüdischen Gemeinden – Dämme, die bislang eine Grenze gezogen hätten zwischen „dem was man sagen und tun darf und was eben nicht“. Anti-Isrealismus werde zu Antisemitismus, sagt Jonen Er hat gestern zudem auch ganz aktuell von Verwüstungen auf jüdischen Friedhöfen nahe Bonn erfahren. Auch diese Vorfälle sieht er im Kontext mit dem Gazakrieg. Die Wuppertaler Moschee war vor wenigen Tagen mit dem Schriftzug „Free Palestine“ beschmiert worden. Die Polizei fuhr seither verstärkt Streife; nun soll es eine 24-Stunden-Bewachung geben.

Die Landesregierung verteilte den Anschlag scharf: „Es handelt sich um eine feige und hinterhältige Tat. Gewalt und Antisemitismus sind durch nichts zu rechtfertigen“, sagte Innenminister Ralf Jäger (SPD) Wuppertals Oberbürgermeister Peter Jung (CDU) sagte: „Dieser Anschlag ist ein schrecklicher Akt, der nicht in diese Stadt passt.“ Man fühle mit der jüdischen Gemeinde. Am Nachmittag versammelten sich mehrere Hundert Bürger vor der Synagoge, um ihre Solidarität mit der Gemeinde zu zeigen.

 
 

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