Bomben-Material bei "Reichsbürgern" in Solingen gefunden

Bei Wohnungsdurchsuchungen in Solingen hat die Polizei Waffen und Bomben-Material bei zwei Reichsbürgern sichergestellt.
Bei Wohnungsdurchsuchungen in Solingen hat die Polizei Waffen und Bomben-Material bei zwei Reichsbürgern sichergestellt.
Foto: Thomas Nitsche
Die Polizei hat in den Wohnungen von zwei "Reichsbürgern" Waffen und sprengfähige Substanzen entdeckt. Verfassungsschutz sieht wachsende Bedrohung.

Solingen.. Die NRW-Polizei hat am Mittwochmorgen die Wohnungen von zwei sogenannten Reichsbürgern in Solingen gestürmt. Dabei stellten die Einsatzkräfte nach Informationen unserer Redaktion neben Waffen auch sprengfähige Substanzen fest. Das Material sei zwar legal zu erwerben, jedoch zum Bombenbauen geeignet, hieß es aus Ermittlerkreisen. Die 40 und 57 Jahre alten Männer sind als Sportschützen aktiv.

Die Polizei bestätigte einen Zugriff im Rahmen der Gefahrenabwehr. Das Amtsgericht Solingen hatte zuvor grünes Licht gegeben. Die Männer waren bei den kommunalen Ordnungsbehörden auffällig geworden. „Reichsbürger“ erkennen die Bundesrepublik nicht an und verweigern sich gegenüber staatlichen Autoritäten. Häufig bezahlen sie keine Steuern oder Verwarngelder, lehnen Personalausweis und Autokennzeichen ab.

"Reichsbürger keine harmlosen Spinner, sondern gefährliche Gruppe"

„Die Reichsbürger sind keine harmlosen Spinner, sondern eine gefährliche Gruppe, die bewaffnet ist“, sagte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Arnold Plickert, auf Anfrage unserer Redaktion. Plickert rief die kommunalen Ämter und Dienststellen auf, Hinweise auf „Reichsbürger“ umgehend der Polizei zu melden.

Ende Oktober hatte ein „Reichsbürger“ bei einer Polizeiaktion in Bayern einen Beamten erschossen. Ihm sollte wegen fehlender Zuverlässigkeit die Erlaubnis entzogen werden, legal Waffen zu führen.

NRW-Verfassungsschutz warnt vor wachsender Bedrohung

Der NRW-Verfassungsschutz verzeichnet ebenfalls eine wachsende Bedrohung durch „Reichsbürger“. Es gebe in NRW zwar nur eine niedrige dreistellige Personenzahl dieser Gruppierung, doch deren Aktionen hätten in den vergangenen Monaten zugenommen, erklärte zuletzt Verfassungsschutz-Chef Burkhard Freier.

Die Reichsbürgerbewegung sei ein Sammelbecken für Verschwörungstheoretiker, Rechtsextremisten und Querulanten. Der Verfassungsschutz beobachte sie bereits seit Jahren. Doch erst nach dem Mord an dem SEK-Beamten in Bayern sollen nun „Reichsbürger“ im NRW-Verfassungsschutzbericht 2016 erstmals als eigene Gruppierung Erwähnung finden.

 
 

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