Bochumer Planetarium mit neuer Show

Möglich gemacht hat die neue Show die Zusammenarbeit mit neun weiteren europäischen Planetarien und der europäischen Weltraum-Behörde ESA.
Möglich gemacht hat die neue Show die Zusammenarbeit mit neun weiteren europäischen Planetarien und der europäischen Weltraum-Behörde ESA.
Foto: Planetarium Bochum
„Milliarden Sonnen“: Das Bochumer Planetarium hat gemeinsam mit der Europäischen Weltraumbehörde ESA eine neue Sternen-Show entwickelt. In 45 Minuten ist man durch die Galaxis gereist.

Bochum. Der Weltraum. Unendliche Weiten. Irgendwo ganz weit da oben werden sie seit dem 19. Dezember 2013 vom ESA-Teleskop „Gaia“ vermessen, und spätestens 2020 werden wir dann wissen, wie weit unsere Milchstraße wirklich reicht, woher ihre (mindestens) 200 Milliarden Sonnen kommen und wohin wir mit ihnen gehen. Wer so lange nicht warten mag, der kann schon jetzt die neue Sternen-Show im Bochumer Planetarium besuchen, in den bequemen blauen Sesseln Platz nehmen, den Kopf in den Nacken legen und staunen über „Milliarden Sonnen – eine Reise durch die Galaxis“.

Heras Milch ist es nicht

Schon zu Steinzeiten haben die Menschen in den Himmel geguckt und versucht, die Sterne zu zählen, zu deuten. Ägypter und Babylonier haben anhand der Sternbilder die ersten Kalender entwickelt, und die ollen Griechen verschmolzen phantasievoll die Himmels-Mythen mit der Welt der Sterne. Und verdankt sich unsere – in Ballungsräumen fast unsichtbare – Milchstraße etwa nicht jenem gierigen Säugling Herakles, den die vergrätzte Hera so rigoros von ihrem Busen riss, dass ihre göttliche Milch sich über den ganzen Himmel verteilte? Oder ist unsere Heimat-Galaxis eine Schlange oder der Rauch eines Weltenbrands, wie es die Azteken glaubten?

Erst seit Galileo Galilei 1609 sein Fernrohr himmelwärts richtete, wissen wir sicher, dass die Milchstraße nicht aus Milch, sondern aus einer unfassbaren Anzahl von Sonnen besteht und dass sich nicht alles um uns dreht, sondern wir uns samt unserer bescheidenen Sonne mit allem mit. Und es war ein deutscher Gelehrter, Friedrich Wilhelm Bessel, der es Mitte des 19. Jahrhunderts schaffte, die erste korrekte Entfernung zu einem Stern zu messen. Ein Meilenstein, denn, wie sagt es Bochums Chef-Astronomin Prof. Susanne Hüttemeister: „Messen ist Wissen.“

Das alles lehrt uns die neue Bochumer Sternenshow. Sie lädt uns ein, unter der Riesenkuppel des Zeiss-Planetariums kosmische Heimatforschung zu betreiben und über Mond und Mars an glühenden Roten Riesen und Weißen Zwergen vorbei Richtung Sirius und Pollux, ja durch Gasnebel und das große Vakuum bis zum Zentrum unserer Milchstraße zu fliegen. Dort werfen wir nach etwa einer Dreiviertelstunde einen bangen Blick ins Licht verschlingende Schwarze Loch und dürfen noch auf dem Heimweg über jene unsichtbare Schwarze Materie rätseln, die unsere Galaxis im Innersten zusammenhält. Vermutlich.

Es muss nicht immer Hubble sein

Nein, das ist nicht Kino, das ist besser. Möglich gemacht hat dieses lehrreiche Abenteuer die Zusammenarbeit des Bochumer Planetariums mit neun weiteren europäischen Planetarien und der europäischen Weltraum-Behörde ESA, die ihr Fachwissen und „einige hunderttausend Euro“ in das Projekt investiert haben. Der Zeitpunkt war ideal. In diesem Jahr feiert das Bochumer Zeiss-Planetarium, neben dem in Münster das zweite große in NRW, seinen 50. Geburtstag, der bis zum Jahresende mit insgesamt drei großen Shows würdig begangen werden soll. Die Esa wiederum möchte die Popularität der Sternwarten nutzen, die allein in Deutschland jährlich rund zwei Millionen Besucher in die unendlichen Weiten locken, und so einen beherzten Schritt aus dem langen Schatten der NASA treten. Zumal Europa mit dem aktuellen „Gaia“-Teleskop dem berühmten US-amerikanischen „Hubble“ durchaus das Wasser reichen kann. Zwar werden von Gaia nicht spektakuläre Bilder-Opern erwartet, aber dafür ist das unfassbar genaue Vermessen von einer Milliarde Sonnen eine Pioniertat ohne Konkurrenz.

 
 

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