Blitz schlug ins Zeltlager ein

An Rhein und Ruhr..  Nach Temperaturen um die 30 Grad ist am Freitagabend ein Unwetter mit Blitz und Donner über Nordrhein-Westfalen hinweggezogen. In einem Zeltlager in Brüggen am Niederrhein verletzte ein Blitzeinschlag vier Jugendliche und zwei Erwachsene aus Neukirchen-Vluyn. Auch in Rheinhessen setzte am Freitagabend Starkregen viele Keller von Wohnhäusern und Geschäften unter Wasser. Besonders betroffen waren Bingen und die Verbandsgemeinde Rhein-Nahe. In einigen Kellern habe das Wasser bis zu zwei Meter hoch gestanden. 250 Notrufe gingen ein.

Auch über dem Zeltlager in Brüggen im Kreis Viersen war das Wetter am Abend schnell umgeschlagen: Gegen 18.45 zog das Gewitter plötzlich über dem Ort auf, als die etwa 50-köpfige Jugendgruppe, die wohl aus Neukirchen-Vluyn bei Moers kommt, gerade beim Abendessen war. In Sorge vor den plötzlich einsetzenden Sturmböen hätten sich die Jugendlichen in den Zelten versammelt; einige standen dabei unmittelbar an den Zeltstangen der Mehrpersonenzelte. Dort schlug dann ein Blitz ein. Die sechs Verletzten kamen zur Beobachtung in ein Krankenhaus, teilte Thomas Metzer mit, stellvertretender Kreisbrandmeister in Viersen. Abreisen werden die Gruppe nicht, sagte Metzer. Den Rest des Wochenendes würden die Jugendliche jedoch in ein festes Gebäude umquartiert.

70 Liter Regen pro Quadratmeter

In vielen Orten von NRW gab es gestern Abend starke Böen und heftige Niederschläge, während es in anderen Regionen ruhiger blieb. In Zülpich im Kreis Euskirchen wurden zahlreiche Keller unter Wasser gesetzt. Nach Berechnungen des Deutschen Wetterdienstes könnten dort rund 70 Liter pro Quadratmeter gefallen sein, sagte eine Sprecherin. Die Gewitterzelle bewegte sich danach langsam auf Bonn und Köln zu.

Bei einem Sportfest an einer Gesamtschule in Leverkusen sind am Freitag wegen der großen Hitze 18 Schüler kollabiert. Einige von ihnen seien ins Krankenhaus gebracht worden, die anderen würden ambulant versorgt, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Bei schwülem Wetter mit Temperaturen über 25 Grad hatten die Jugendlichen bei den Bundesjugendspielen Kreislaufprobleme bekommen. Zahlreiche Rettungskräfte waren im Einsatz. Die Schule brach danach die Sportveranstaltung ab.

Als erste Wetterstation hatte der Flughafen Köln/Bonn am Nachmittag eine Temperatur von 30 Grad gemeldet. Die Ozonwerte lagen aber unter der Warnschwelle.

Am frühen Nachmittag maßen Stationen in NRW bis zu 157 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter Luft. Ab einem Wert von 180 Mikrogramm sollten Menschen, die empfindlich auf Ozon reagieren, Anstrengungen im Freien vermeiden. Ab 240 Mikrogramm wird generell von Ausdauersport im Freien abgeraten. Autofahrer sollten dann ihren Wagen stehen lassen und öffentliche Verkehrsmittel benutzen. Ob diese Werte am Wochenende erreicht würden, hänge vom Verlauf der Gewitter ab, sagte ein Sprecher des Landesumweltamtes. Das werde man erst heute sagen können.

Es wird deutlich kühler

Die Gewitter sollten langsam nach Osten ziehen und in der Nacht zum Samstag auch Norddeutschland erreichen. „Am Samstag erfasst die schwül-warme Luftmasse auch den Osten und Nordosten“, sagte Meteorologe Helge Tuschy vom Deutschen Wetterdienst. Zum Sonntag hin werde die Gewitterluft in die südlichen und östlichen Regionen verdrängt.

Wenn die Gewitter durchgezogen sind, wird es deutlich kühler: Am Sonntag werden im Nordwesten etwa 20 Grad erreicht, während es im Süden und Osten noch einmal schwül und bis zu 27 Grad warm wird. Am Montag dürfte dann nur noch vereinzelt die 20-Grad-Marke übertroffen werden.

Die große Trockenheit, die aktuell in weiten Teilen Deutschlands herrscht, wird durch die Gewittergüsse kaum gelindert werden. Zwar können örtlich enorme Regenmengen fallen. Aber viel Wasser dringt gar nicht in den völlig verhärteten Erdboden ein, sondern fließt sofort ab oder verdunstet. Bauern und Gärtner warten dringend auf langanhaltenden, sanften Landregen.

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