Düsseldorf

Bestes Ergebnis aller Zeiten - fünf Gründe für den Erfolg der FDP bei der Landtagswahl

FDP-Chef Christian Lindner konnte seine Partei zu einem historischen Wahlsieg führen.
FDP-Chef Christian Lindner konnte seine Partei zu einem historischen Wahlsieg führen.
Foto: dpa
  • Die FDP hat in Nordrhein-Westfalen einen historischen Triumph errungen
  • Das liegt auch an Spitzenkandidat Christian Lindner
  • So erreichte die FDP ihr Spitzenergebnis

Düsseldorf. Vor vier Jahren übernimmt Christian Lindner eine Partei, die in Trümmern liegt. Die FDP fliegt mit 4,8 Prozent aus dem Bundestag - zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik. Die Parteispitze muss nach der historischen Niederlage den Rückzug antreten.

Zurück bleibt nur Christian Lindner, der ehemalige Generalsekretär der Partei. Der 34-Jährige steht vor einer fast unlösbaren Aufgabe.

Vier Jahre später surft Lindner einem triumphalen Erfolg entgegen. Bei der Landtagswahl in NRW hat er mit 12,6 Prozent so viele Stimmen geholt wie kein FDP-Spitzenkandidat in NRW vor ihm. Auch die Chancen auf eine Rückkehr in den Bundestag stehen gut. Wie haben Lindner und die FDP das geschafft? Fünf Gründe für den Erfolg:

1. Moderner Wahlkampf

Plakate, Straßenstände, austauschbare Botschaften. Die meisten Parteien machten Wahlkampf wie in den Neunzigern. Nicht die FDP. Keine andere Partei nutzte die Möglichkeiten der sozialen Medien wirklich aus. Neben arg bemühten Botschaften wurde die langweilige Plakatwerbung von CDU, SPD und Co. einfach in die neue Welt übertragen. Die FDP hingegen hat verstanden, wie man über Facebook oder Twitter Wähler erreicht - und das längst alle Altersklassen dort unterwegs sind. Da war es egal, dass die Kampagne auch mal zum Opfer von Satire wurde.

Die FDP setzte auf gut inszenierte Viralbotschaften und ungewöhnliche Statements. Das funktionierte ...

2. Christian Lindner

... auch deshalb, weil es perfekt zu Spitzenkandidat Christian Lindner passte. Der 38-Jährige konnte sich als dynamischer und authentischer Macher präsentieren. Lindner pflegt seine Social-Media-Auftritte fast ausschließlich selbst und nahm sich auch Zeit, um via Facebook-Live Fragen der Wähler zu beantworten. Dabei saß er entspannt auf dem Balkon seiner Wohnung.

Das schafft vielleicht mehr Nähe als jeder Ausflug in den Straßenwahlkampf. Lindners Meisterstück war ein perfekt inszenierter Viral-Wahlwerbespot, in dem er sich als Rebell im T-Shirt inszenierte.

Gegen Lindner wirkten die anderen Kandidaten verstaubt.

3. Kein Mehrheitsbeschaffer für die CDU

Die FDP als Mehrheitsbeschaffer der CDU. Dieses Image haftete den Liberalen lange an - und die Lindner-FDP tat alles, um dem entgegenzuwirken. Die Liberalen präsentierten sich als eigenständige Kraft, der es um Prinzipien statt um Posten geht.

Um das zu untermauern, griff Lindner im Wahlkampf auch immer wieder die CDU an, warf CDU-Spitzenkandidat Laschet mangelnden Erfolgshunger vor.

Auch nach dem Wahlerfolg vom Sonntag preschte Lindner schnell vor, um bei WDR2 zu versichern: „Auch bei einer schwarz-gelben Mehrheit gibt es keinen Automatismus für eine Koalition. Das habe ich vor der Wahl gesagt. Und glauben Sie, ich ändere meine Meinung, nur weil Dienstwagenschlüssel in der Nähe sind? Nein.“ Da hatte Lindner ganz klar schon in den Modus für die Bundestagswahl geschaltet.

4. Die Schwäche der Anderen

Die anderen Spitzenkandidaten konnten bei den Wählern kaum Aufbruchsstimmung auslösen. Hannelore Kraft setzte wieder voll auf die vergilbte Landesmutti-Karte, die ausgezerrten Grünen führten trotz ihrer durchwachsenen Bilanz Schulministerin Sylvia Löhrmann ins Feld. Und die AfD hatte mit Markus Pretzell einen Spitzenkandidaten, der selbst bei überzeugten AfD-Anhängern keine Begeisterung auslöste.

Dass die CDU mit dem lange Zeit blassen Laschet zum Wahlsieger avancierte, lag wohl eher an einer Wechselstimmung als am Auftreten des Kandidaten.

Lindner hatte also leichtes Spiel. Als einziger Kandidat wirkte er frisch, unverbraucht - und als Überbringer neuer Ideen.

5. Gemäßigtes Fischen mit Ressentiments

FDP-Spitzenkandidat Lindner präsentierte sich als Repräsentant einer offenen Gesellschaft. Doch hin und wieder spielte er zuletzt mit rechtskonservativen Ressentiments. Etwa, als er in einem Interview von Nationalspieler Mesut Özil forderte, die deutsche Nationalhymne zu singen.

Auch an der Zuwanderungspolitik übte Lindner zuletzt Kritik: "Ich halte es für notwendig, dass die Bundesregierung eines mal unmissverständlich klarmacht: Wenn Menschen wirklich in Not sind, dann geben wir ihnen Schutz - aber nicht auf Dauer." Lindner stellte klar: "Es darf kein automatisches dauerhaftes Aufenthaltsrecht geben." So stellte die FDP sich als knallharte Vertreterin des Rechtsstaates dar. Der smarte Lindner kann es sich erlauben - ihm rechte Umtriebe nachzusagen, wäre lächerlich. Derlei Aussagen dürften ihm an der Wahlurne trotzdem geholfen haben.

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