Beschäftigungsboom setzt sich fort

Holger Dumke

An Rhein und Ruhr.  Mit Zuversicht ins neue Jahr: Die Konjunkturmaschine brummt, die Auslastung der Betriebe ist hoch, die Nachfrage nach Arbeitskräften auch. Und die Experten bei der Arbeitsagentur gehen davon aus, dass sich das auch 2016 fortsetzen wird. „Davon werden viele Arbeitslose profitieren können“, meint Christiane Schönefeld, Chefin der Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen.

Ein Aus- und Überblick:

Flüchtlinge

Die Arbeitsagentur spricht von „einer Herausforderung“. Viele Flüchtlinge kommen ohne eine in Deutschland unmittelbar verwertbare berufliche Qualifikation; erwartet wird, dass nur etwa jeder Zehnte binnen eines Jahres eine Anstellung auf dem ersten Arbeitsmarkt finden wird. Viele junge Leute sind unter den Ankommenden. „Das ist Potenzial für den Arbeitsmarkt, der in den nächsten Jahren junge Menschen - demografiebedingt - gut gebrauchen kann“, sagt Schönefeld. Mit den „Integration Points“ (einer NRW-Kreation) sieht sie die Agenturen gut gerüstet.

Wichtig ist Schönefeld zu betonen, dass zusätzliches Geld für die Flüchtlinge zur Verfügung steht: „Ihre Betreuung geht nicht zulasten inländischer Arbeitssuchender.“ Sie sieht überdies auch wirtschaftliche Impulse durch die Flüchtlingswelle. Das Wach- und Sicherheitsgewerbe etwa verzeichnete 2015 einen starken Stellenzuwachs (+2541), nicht zuletzt durch die Bewachung der Unterkünfte: „Ich gehe davon aus, dass sich solche Impulse z. B. auf dem Bau fortsetzen, wenn die Ankündigungen, mehr Wohnraum zu schaffen, umgesetzt werden.“

Jugend & Ausbildung

Genau 59 957 junge Erwerbslose im Alter von 20 bis 24 Jahren wurden im November gezählt – so wenige wie noch nie. „Das ist ein Erfolg aller Partner am Arbeitsmarkt“, freut sich Schönefeld. Die Agentur habe eine klaren Schwerpunkt auf die Integration jüngerer Arbeitsloser gesetzt. NRW-weit gebe es z. B. 32 „Jugendberufsagenturen“, wo Experten junge Leute auf dem Weg in den Beruf regelrecht an die Hand nehmen.

Die Ausbildungsbilanz 2015 indes „kann niemanden zufriedenstellen“, meinte Schönefeld. Das Landesamt für Statistik hatte jüngst berichtet, dass die Zahl der geschlossenen Lehrverträge auf 116 772 zurückgegangen ist (-0,5%) – trotz zusätzlicher Lehrstellenangebote (die NRZ berichtete). Schönefeld hofft auf bessere Zahlen in 2016 – und auf gleichermaßen mehr Flexibilität vonseiten der Firmen und der jungen Leute. Die verbesserte Zusammenarbeit mit der Wirtschaft zeigte vor Ort vereinzelt schon dieses Jahr Erfolge. Der Bezirk Oberhausen/Mülheim meldete entgegen dem NRW-Trend 4% mehr Lehrverträge.

Langzeitarbeitslose

Langzeitarbeitslose profitieren wenig bis gar nicht vom Beschäftigungsboom. Dabei ist Langzeitarbeitslosigkeit in NRW ein besonderes Problem, und da vor allem im Ruhrgebiet. Landesweit gelten 57,6% der Erwerbslosen, die von den Agenturen betreut werden, als gering qualifiziert, bei den Jobcentern sind es sogar 67,4%. Eine Patentlösung gibt es nicht. Die Hoffnungen ruhen auf individueller Betreuung. Ein 2015 gestartetes Förderprogramm macht es möglich, Langzeitarbeitslose beim (Wieder-)Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt auch noch während der Eingliederungszeit zu begleiten – und das, wenn es nötig ist, bis zu 36 Monate lang.

Die Regionen

Ganz unterschiedlich entwickelt sich der Arbeitsmarkt in NRW. Im Münsterland etwa (4,5% Erwerbslosenquote) sprechen Fachleute mittlerweile von „Vollbeschäftigung“, Südwestfalen (Quote: 5,4%) ist nahe dran. Das Rheinland (7,5%) verzeichnet hohe Beschäftigungsgewinne seit dem Jahr 2000. Im Ruhrgebiet hingegen (10,7%) gingen viele Arbeitsplätze verloren und vergleichsweise viele junge Leute verlassen die Schule ohne Abschluss.