Baumärkte fahnden für die Polizei

An Rhein und Ruhr.  Wer demnächst im Baumarkt größere Mengen Düngemittel für seinen Schrebergarten kaufen will, sollte sich an ein paar Verhaltensregeln halten: Denn ein allzu unsicheres Auftreten könnte den Verkäufer dazu verleiten, die Polizei zu rufen, weil er seinen Kunden für einen potenziellen Bombenbauer hält.

Jedenfalls könnte man diese Befürchtung hegen, angesichts eines Flyers, den das Bundeskriminalamt (BKA) über Branchenverbände an Baumärkte und andere Geschäfte, die Chemikalien führen, ausgeben lässt. Unter „Verdachtskriterien“ steht dort unter anderem zum „Auftreten des Kunden“: „Nervöser Eindruck, gibt ausweichende Antworten auf Nachfragen“ oder „Zahlung erfolgt in bar“. Bei Verdacht soll „unverzüglich die Polizei“ gerufen werden. Seit August gibt es diese Handlungsempfehlungen, im Fokus der Öffentlichkeit sind sie aber erst, seit vor einigen Tagen die Polizei samt Überwachungskamera-Foto nach einem Mann gefahndet hatte, der in einem Kölner Baumarkt Chemikalien kaufen wollte. Ein Mitarbeiter hatte Verdacht geschöpft und die Beamten alarmiert. Wie sich herausstellte, wollte der Mann keinen Sprengstoff, sondern Drogen zusammenrühren. Für Baumarkt-Kunden, die weder das eine noch das andere wollen, bleibt die Frage: Kann ich auch plötzlich zum Verdächtigen werden? Eine Sprecherin des BKA verweist auf eine EU-Verordnung, die regelt, welche Stoffe als verdächtig, und je nach Ermessen als meldepflichtig gelten. Das Problem: Einige der Chemikalien kommen in alltäglichen Waren wie Bleichmittel oder eben Dünger vor. Und der Flyer des BKA ist so schwammig formuliert, dass Verkäufer, wenn sie sich daran halten, demnächst alles und jeden verdächtigen könnten. Aus Branchenkreisen heißt es, dass Mitarbeiter im Einzelhandel intern geschult und auf das Thema sensibilisiert werden, solche „Handlungsempfehlungen“ aber eher verunsichern.

Der Bundestag wird deshalb jetzt über klarere Regeln diskutieren. Die Grünen fordern gar eine Höchstabgabegrenze für bestimmte Chemikalien. Irene Mihalic, Sprecherin für innere Sicherheit bei den Grünen, glaubt: „Der Flyer des BKA ist unbrauchbar für die Angestellten im Baumarkt . Wir brauchen eine branchenspezifische Checkliste und eine Höchstabgabegrenze.“

Die Branchenverbände würden das begrüßen: Denn so stünden sie nicht mehr in der Verantwortung.

 
 

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