Barack Obama in Köln: Bei diesem Thema wird der Ex-Präsident plötzlich ernst

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Köln. Barack Obama setzt sich lässig auf seinen Sessel, schlägt die Beine übereinander - und man wünscht sich, dass alles anders wäre: Dass Barack Obama noch immer der Präsident der USA wäre und nicht Donald Trump. Barack Obama ist zu Gast in der Lanxess-Arena in Köln, wirkt an diesem Abend zugleich kompetent, sympathisch und angenehm nahbar. Er erzählt Anekdoten, spricht wie nebenbei von Frieden, Solidarität und Klimaschutz.

Der Rahmen in der Arena: Eine Veranstaltung, die manchmal an die Event-Show vor einem Boxkampf erinnert, manchmal an eine Castingshow: Es ist laut, es ist bunt, die weibliche Stimme aus dem Off feuert Worthülsen. Obamas Vorredner - allesamt Motivationscoaches - nutzen Wörter wie „Leadership“ und „Menschenführung“.

Obama in Köln: 14.000 Menschen in der Lanxess-Arena

Die meisten der 14.000 Zuschauer sind wegen Barack Obama gekommen. Gegen 20 Uhr beginnt dann das Gespräch mit dem Ex-Präsidenten. Dass Barack Obama dabei auf der Bühne bisweilen nur an der Oberfläche kratzt und Allgemeinplätze nicht scheut, macht den Abend zumindest nicht weniger unterhaltsam.

Alles zum Besuch von Barack Obama in Köln liest du in unserem Newsblog:

21.15 Uhr: Die junge Generation - „Leute wie Greta“ - müsse jetzt ihre Macht wahrnehmen, um gegen den Klimawandel zu kämpfen, den die alten verursacht haben. „Die Alten dürfen euch nicht sagen, welche Musik ihr hört oder welche Klamotten ihr tragt, aber wie die Welt aussieht, in der ihr lebt?“

21.03: Dann wird er ernster: Es geht um den Klimawandel. „Das ist nichts, das in 50 Jahren passiert. Das passiert jetzt.“ Als der Interviewer kurz auf seine Uhr schaut, sagt Obama trocken: „ich hoffe, wir haben noch ein bisschen Zeit.“

20.59 Uhr: Barack Obama ist der König der Anekdoten - das kommt ab beim Publikum. Obama reiste mit Sicherheitskräften an, war einer der mächtigsten Männer der Welt - und gehört noch immer in diese Riege. Doch auf der Bühne wirkt er so nahbar, als wäre er der verdammt coole Onkel aus Amerika, der einem die Welt erklärt.

„Michelle und ich sind erst berühmt geworden, nachdem wir 45 waren. Wir wussten, wie es ist, ein ganz normales Leben zu führen“, erzählt Obama. Seine Frau habe immer aus ihrem Alltag erzählt: „Ihr kennt ja meinen Mann, der räumt nie seine Schuhe weg.“

20.45 Uhr: Indirekte Kritik an Trump: Heutzutage gebe es für die Demokratie eine große Gefahr durch falsche Fakten, die gerade in sozialen Medien wie Twitter verbreitet würden. „Hier steht dieser Tisch. Und wenn ich sage, das ist ein Tisch, und Sie sagen, das ist kein Tisch - nun, dann weiß ich auch nicht, was ich sagen soll.“

Nach acht Jahren im Amt könne er über seine Zeit als Präsident zumindest sagen: „Wir hatten keine großen Skandale, keiner ist im Gefängnis gelandet.“

Als es um Drohnenkriege geht, für die Obamas Politik seinerzeit zurecht arg in die Kritik geraten war, wird er unkonkret. Es habe mehrere Optionen gegeben, eine wäre gewesen, Truppen zu entsenden und damit Menschenleben zu gefähren. Er habe eine Entscheidung treffen müssen. Angenehm ist ihm das Thema wohl nicht. Der Interviewer bohrt nicht weiter nach.

20.30 Uhr: Immer wieder übt er indirekt Kritik an seinem Nachfolger Trump.

20.22 Uhr: Christian Galez wirft ein: Die führenden Politiker etwa in Russland, USA oder China: seien gerade keine so guten Zuhörer. Obama schmunzelt. „Jeder, der US-Präsident werden soll, hat ein gesundes Ego. Aber ich habe gelernt: Eitelkeit währt nicht sehr lang. Was währt, ist die Arbeit. Es ist wichtig, dass du weißt, was du tun willst und nicht, dass du etwas bestimmtes sein willst. Sei es Präsident oder Kanzler oder Bürgermeister. Manche sind es dann und wissen gar nicht, was sie tun sollen“, sagt er - der Stich gegen Donald Trump saß.

20.19 Uhr: Dann wird es ein bisschen politisch Das wichtigste, was er in seiner Zeit in Chicago gelernt habe, sei gewesen, zuzuhören, sagt Barack Obama.

20.16 Uhr: Es beginnt mit lockerem Small Talk - darin ist Barack Obama Meister. Was das erste war, dass er nach seiner Amtszeit gemacht hat - was man als Präsident nicht machen würde, fragt Interviewer Christian Galez. „Kaffee“, sagt Obama. Er habe mit der Kaffeemaschine ganz schön kämpfen müssen, der Kaffee schmeckte furchtbar, erzählt Obama - und erntet Lacher.

20.11 Uhr: „Ich bin so stolz auf meine Schwester“, sagt Barack Obama, der lässig auf seinem Sessel Platz nimmt. Schnell hat er die Sympathien des Saals: „Was meine Schwester auch immer gesagt hat, ich weiß nicht, ob Sie ihr alles glauben können“, sagt Obama und grinst jungenhaft.

20.09 Uhr: Alle warten jetzt gespannt auf Barack Obama. Dann erklärt der Moderator: „Wir haben noch einen Special Guest. Sie wird vor Barack Obama sprechen. Sie hat zufällig denselben Nachnamen.“

Nein, es ist nicht Michelle Obama, sondern Barack Obamas Schwester Auma, die in fließendem Deutsch Barack Obama ankündigt: „Er ist eine der faszinierendsten Personen, die ich kenne: mein kleiner Bruder“. Obama kommt auf die Bühne, die beiden umarmen sich herzlich, das Publikum tobt.

20.01 Uhr: Mit einer Allegorie über Gießkannen versucht er zu erklären, wie man Menschen führt. Grundl ist ein souveräner Redner - es gibt viel Applaus. Unruhig wird es dennoch allmählich, denn die meisten warten gespannt auf Barack Obama.

Jetzt spricht er über Männer und Frauen - das gefällt manchen nicht. „Was für ein Anti-Gender-Scheiß“, ruft eine Frau aus dem Publikum.

19.54 Uhr: Barack Obama ist inzwischen in der Lanxess-Arena angekommen. Zuvor spricht aber noch Boris Grundl. Der 53-Jährige sitzt seit einem Sportunfall im Rollstuhl.

Seit Jahren arbeitet er als Coach und Berater von Führungskräften. Seine Rede beginnt er mit einer erschütternden Anekdote: Nach einer Rede habe ein Kunde ihm gesagt, sein Auftritt habe ihm gefallen - „aber ich kann Sie als Führungskraft nicht akzeptieren, weil Sie im Rollstuhl sitzen“, erzählt Grundl. Ein Raunen geht durchs Publikum.

19.35 Uhr: Jetzt macht er einen merkwürdigen Schwulenwitz. Es geht um ein Affengleichnis, Frädrich läuft durchs Publikum, fragt, wie man die Affen in einem theoretischen Experiment motivieren kann. Ein Zuschauer sagt: „Äpfel statt Bananen.“ Frädrich: „Ha, das ist die Kölner Lösung, Frucht tauschen. Einmal ne Frau probiert, war nicht gut, dann nehm ich Männer.“ Ein paar Lacher gibt’s dafür aus dem Publikum - aber auch Kopfschütteln.

19.28 Uhr: Jetzt ist Stefan Frädrich auf der Bühne. Der Arzt und Motivationstrainer spricht und gestikuliert in Entertainermanier über Nervenzellen und darüber, wie ein Schulfreund von ihm mal einer Schnecke die Augen abgeschnitten hat. Vielleicht eine Allegorie - ganz klar wird das nicht. Immerhin: Alle hier warten auf Barack Obama, die Zeit bis dahin ist wenigstens unterhaltsam.

19.13 Uhr: Moderator Alexander Müller erklärt: „Heute vor 51 Jahren starb Martin Luther King.“ Ohne die Bürgerrechtsbewegung in den USA, die King maßgeblich befeuert hat, wäre Barack Obama vielleicht nicht Präsident geworden. Er spricht auf der Bühne über Visionen, Elon Musk und den Mars.

19.06 Uhr: Die Show startet fulminant, mit Orchestermusik und Lichtshow. Alles ist bunt, alles ist laut - man fühlt sich an die Event-Show vor einem Boxkampf erinnert.

19.02 Uhr: Kurz vor dem Start ist die Lanxess-Arena noch nicht voll. Ganze Sitzreihen sind noch leer. Barack Obama wird gegen 20 Uhr erwartet - womöglich kommen dann noch Nachzügler.

18.02: Lange Schlangen rund um die Arena. Viele Fans wollen den Ex-Präsidenten live erleben.

17.25 Uhr: Das Flugzeug mit Barack Obama an Bord ist sicher am Flughafen Köln/Bonn gelandet. Polizeikräfte empfingen das Privatflugzeug, das Obama morgen auch nach Berlin bringen wird. Vor dem Hyatt-Hotel, in dem der ehemalige US-Präsident übernachten wird, sammeln sich derweil Polizisten und Medienvertreter.

15.10 Uhr: Einige Stunden vor der geplanten Ankunft des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama am Donnerstag sind die Vorbereitungen in vollem Gange. Am Abend soll der 57-Jährige in der Lanxess-Arena über gute Menschenführung sprechen. „Die Vorbereitungen laufen wie geplant“, sagte ein Sprecher des Veranstalters am Mittag. Die Kölner Polizei schützt Obama während seines Aufenthalts in Absprache mit dem amerikanischen Secret Service, der ihn begleitet.

Am Freitagnachmittag will Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Obama in Berlin empfangen. Das Gespräch sei nicht presseöffentlich, teilte eine Regierungssprecherin der Deutschen Presse-Agentur mit.

Ob der Ex-US-Präsident zuvor noch etwas in Köln unternimmt, ist unklar. „Wir wissen von nichts“, sagte ein Sprecher der Stadt. „Falls er sich kurzfristig entschließt, etwas zu besichtigen, können wir das natürlich möglich machen.“ Ein Eintrag ins Goldene Buch der Stadt sei bislang nicht vorgesehen. Auch für einen Besuch im Dom hat sich Obama nicht offiziell angekündigt. „Aber wir sind auf alles gefasst. Dass es im Dom zu spontanen Besuchen kommt, die eventuell Sperrungen nötig machen, wäre für unsere Mitarbeiter nichts Besonderes“, sagte ein Dom-Sprecher.

Obama dürfte am Donnerstag gegen 17 Uhr mit seinem Privatflugzeug auf dem Flughafen Köln/Bonn landen. Von dort geht es weiter zu einem Luxushotel, das dem Kölner Dom direkt gegenüber auf der anderen Rheinseite liegt. Bald danach muss Obama bereits zur nahe gelegenen Lanxess-Arena aufbrechen, wo er bei einem Dinner im Restaurantbereich mit Ehrengästen und zahlenden Teilnehmern zusammentrifft. Gegen 19.30 Uhr soll er dann für etwa eine Stunde in der Arena auftreten. Er hält keine Rede, sondern führt ein Gespräch mit einem Moderator.

12.02 Uhr:

Barack Obama in Köln: 5000 Euro für Abendessen und Foto

Beim vierstündigen „World Leadership Summit“ der Veranstalter „Gedankentanken“ wird Obama eine Stunde lang im Rahmen eines Interviews sprechen.

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Der Ex-Präsident Barack Obama ist nach wie vor sehr populär in Deutschland: Die Arena ist laut Veranstalter ausverkauft, 12.000 der insgesamt 15.000 Tickets seien verkauft worden, weitere 2000 seien Ehrenamtlern kostenlos zur Verfügung gestellt worden. Für Kurzentschlossene gebe es gegen Vorlage der Ehrenamtskarte „Ehrensache NRW“ noch ein Kartenkontingent an der Abendkasse.

Zwischen 70 und 5000 Euro haben die Zuschauer für die Tickets gezahlt: In der teuersten Kategorie ist die Teilnahme an einem Dinner und ein Foto mit Barack Obama inbegriffen.

Vieles noch unklar beim Obama-Besuch in Köln

Einiges ist noch unklar: Etwa, wie lange der 57 Jahre alte Barack Obama bleibt, ob er sich in das Goldene Buch der Stadt Köln einträgt, ob er sich womöglich den Dom anschaut - dazu äußerten sich bislang weder die Veranstalter noch die Stadt Köln.

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Barack Obama:

  • Geboren am 4.8.1961 auf Hawaii
  • 1983: Abschluss in Politikwissenschaft an der Columbia University
  • In den 80ern arbeitete Obama zunächst für eine gemeinnützige Organisation
  • 1991 Abschluss in Rechtswissenschaften an der Harvard Law School
  • In den 90ern wird Obama Abgeordneter in Illinois, ab 2004 gilt er als Top-Kandidat der Demokraten
  • Von 2009 bis 2017 war Obama Präsident der USA

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Auch die Polizei hält sich bedeckt. Sicherheitsvorkehrungen werde es geben, aber welche und wie groß - das ist geheim.

Frank Thelen aus „Die Höhle der Löwen“ spricht auch in der Lanxess-Arena

Außer Barack Obama sprechen unter anderem der US-Bestsellerautor John Strelecky („Das Café am Rande der Welt“), der Bonner Unternehmer Frank Thelen („Die Höhle der Löwen“) und die Management-Trainerin Sabine Asgodom.

Auch Obamas Halbschwester Auma wird in der Arena erwartet. Beim anschließenden Dinner werde sie die Arbeit ihrer Stiftung vorstellen, die in Afrika Hilfe zur Selbsthilfe leistet, hieß es. Auma Obama ist häufiger in Deutschland zu Gast: Sie hat unter anderem in Heidelberg studiert und spricht auch Deutsch.

Barack Obama hat die meisten Deutschlandbesuche

Von Köln aus reist der ehemalige Präsident weiter nach Berlin. Am Samstag soll er sich dort bei einem Town-Hall-Meeting den Fragen junger Menschen stellen.

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In Berlin war Obama schon mehrmals - er ist auch der US-Präsident mit den meisten Deutschland-Besuchen. Insgesamt sechs Mal war Obama in Deutschland. Zuletzt nahm er im Mai 2017 beim Evangelischen Kirchentag gemeinsam mit Kanzlerin Angela Merkel an einer Podiumsdiskussion teil.

Umfragen zufolge war der Demokrat in Deutschland immer beliebt - ganz besonders im Vergleich zu seinem Nachfolger Donald Trump.

Laut einem Bericht der Rheinischen Post wird Barack Obama während seines Deutschlandbesuchs auch Bundeskanzlerin Angela Merkel treffen. Der Termin ist demnach nicht öffentlich. Offenbar wird es in dem Gespräch auch um das transatlantische Verhältnis gehen, das seit dem Amtsantritt Donald Trumps schwieriger geworden.

Obama war während seiner Zeit als US-Präsident ein enger Verbündeter von Angela Merkel. (mit dpa)

 
 

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