Arndt-Hendrik Zinn - Senkrechtstarter erntet Energie

Arndt-Hendrik Zinn absolvierte sein Studium im Schnelldurchlauf und legte auch noch zwei Auslandssemester an der Elite-Uni Harvard ein.
Arndt-Hendrik Zinn absolvierte sein Studium im Schnelldurchlauf und legte auch noch zwei Auslandssemester an der Elite-Uni Harvard ein.
Foto: Funke Foto Services
Der Wissenschaftler Arndt-Hendrik Zinn forscht an der Ruhr-Uni Bochum. Mit seinem Team möchte der Senkrechtstarter Umgebungsenergie nutzbar machen.

Bochum.. Arndt-Hendrik Zinn ist ein Senkrechtstarter. Mit gerade einmal 26 Jahren liegt er mit seiner Doktorarbeit in den letzten Zügen, steht gleichzeitig kurz vor einer Firmengründung und bringt Studienanfänger an der Ruhr-Uni Bochum Maschinenbau bei. Zinn ist Fachmann im Forschungsgebiet der Werkstoffe.

Arndt-Hendrik Zinn sitzt in seinem kleinen Büro. Ruhr-Uni, Gebäude IC, Ebene 3, Raum 211. Neben ihm: Tylor Hutchison, Geschäftspartner, und Tarik Mian, ihr erster Angestellter. Zwischen ihnen Schaltplatinen, Werkzeuge und komplizierte Zeichnungen – der Raum sieht nach Tüfteln aus.

Körperwärme wird zu Strom umgewandelt

Die Wissenschaftler haben es sich zur Aufgabe gemacht, herkömmliche Batterien, wo immer möglich, unnötig zu machen. Sie ernten Energie – einfach so – aus der Umgebung. Egal ob sie von der Sonne, Bewegungen oder Körperwärme kommt. „Energy Harvesting“ (Energie-Ernte) macht Umgebungsenergie nutzbar.

Die Forscher wollen diese Technik mit Feststoffbatterien kombinieren. Wieso dieser Typ Batterie? „Sie sind sicherer als die mit flüssigen Elektrolyten gefüllten alten Batterien. Zudem sind sie haltbarer, leitfähiger und können, wenn wir die perfekte Zusammensetzung finden, mehr Strom speichern“, erklärt Arndt-Hendrik Zinn.

Die Anwendungsbereiche sind vielfältig: Fernbedienungen, Handys, Thermostate für Heizungen oder: Fitness-Tracker fürs Handgelenk. Dabei würde zum Beispiel durch eine dünne Platte die Energie der Körperwärme aufgenommen und das Gerät so mit Strom versorgt. Lästiges Aufladen oder der Batteriewechsel fielen komplett weg. Überschüssige Energie, die nicht unmittelbar gebraucht wird, speichern die Feststoffbatterie zwischen – darin liegt der Clou der Idee. „So können wir Verbrauchsspitzen auffangen und den Betrieb durchgehend sichern“, erläutert Zinn. Ein energieautarkes System.

Ein rasanter wissenschaftlicher Werdegang

Zinn und seine Kollegen forschen somit an einem Problem, das eine Kernthematik der Energiewende ist. Wind bläst und die Sonne scheint mal mehr und mal weniger. Jedoch richtet sich der Verbrauch der Stromnutzer naturgemäß nicht nach diesen Phasen. Deswegen sehen die Forscher in der Kombination von „Energy Harvesting“ und Feststoffbatterie eine Marktlücke, sagt Zinn mit Blick auf ihr geplantes Start-Up-Unternehmen, das bis Jahresende gegründet sein soll.

Zinns wissenschaftlicher Werdegang verlief bis dato rasant. Sein Studium absolvierte der Forscher im Schnelldurchlauf. Studentische Hilfskraft ab dem zweiten Semester, seit 2010 bei seinem späteren Doktorvater und Mentor Professor Alfred Ludwig. Den Bachelor 2011 zwei Semester vor Ende der Regelstudienzeit mit 1,0 bestanden. Zwei Jahre später folgte der Masterabschluss mit 24 Jahren und derselben Note. Zwischendurch: zwei Semester an der Elite-Uni Harvard in den USA. Fast schon die logische Folge für einen Senkrechtstarter: Die Doktorandenstelle an der Ruhr-Uni.

Ruhr-Universität besser aufgestellt als Harvard

Zurück ins Ruhrgebiet zogen Zinn die Voraussetzungen für seine Studien. „Hier kann ich auf meinem Gebiet besser arbeiten. So toll Harvard ist – wenn es um Detailmessungen geht, sind wir in Bochum einfach besser ausgestattet.“ Zinn führt Messungen an eigens für die Ruhr-Uni entworfenen luftdichten Kammern durch. Zudem wird seine Doktorandenstelle durch ein Stipendium der Friedrich-Ebert-Stiftung mitfinanziert. Und das geplante Start-up wird durch ein NRW-Projekt gefördert.

Geschäftspartner Tylor Hutchison war von der Firmen-Idee und den Forschungsmöglichkeiten an der Ruhr-Uni so überzeugt, dass er seine Zelte in Boston abbrach. Er kündigte seinen lukrativen Job bei einem renommierten Chiphersteller und folgte dem Ruf von Freund Zinn nach Bochum. Die beiden hatten sich während Zinns USA-Aufenthalt kennengelernt. Hutchison studierte am MIT, dem Massachusetts Institut für Technologie. Harvards Nachbaruniversität mit nicht weniger elitärem Ruf. „Ich wollte schon immer probieren, mich selbstständig zu machen“, erklärt der 29-jährige Amerikaner.

 

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