Arabische Clans: Experte mit Schock-Prognose: „Es wird nicht ruhiger werden!“

Arabische Clans: Experte Michael Behrendt ist überzeugt: „Es wird nicht ruhiger werden“.
Arabische Clans: Experte Michael Behrendt ist überzeugt: „Es wird nicht ruhiger werden“.
Foto: Stefan Arend / FUNKE Foto Services

Der Raub der Goldmünze aus dem Bode-Museum, der brutale Mord an Nidal R. oder der Zwist zwischen Rapper Bushido und Clan-Boss Arafat Abou-Chaker. Michael Behrendt (50) begleitet das Phänomen Clan-Kriminalität schon seit seinen Anfängen. Behrendt, inzwischen Chef-Reporter der „Welt“, ist Berlins wohl dienstältester Polizei-Reporter.

Er kennt Polizisten, Staatsanwälte und weiß um ihren Kampf gegen die kriminellen arabischen Clans. In seinem neuen Buch „Die Arabische Gefahr - wie kriminelle Familienclans unsere Sicherheit bedrohen“ berichtet er von seinen Erfahrungen von Berlins Straßen und lässt die Ermittler zu Wort kommen.

DER WESTEN hat mit dem Clan-Experten gesprochen und veröffentlichen exklusive Auszüge aus seinem neuen Buch.

Herr Behrendt, Sie haben für ihr Buch mit Polizisten und Staatsanwälten gesprochen. Wie erleben sie aus Ihrer Sicht den Kampf gegen die kriminellen Clans?

„Sie sind alle sehr engagiert. Aber es ist natürlich viel Frust dabei, wenn ein Clan-Mitglied zum x-tenmal auffällig wird und wenig später wieder im dicken Auto durch Berlin fährt. Oder bei alltäglichen Rechtsbrüchen, etwa Parken in der zweiten Reihe, Bedrohungskulissen gegen Polizisten entstehen.

Ein gutes Beispiel ist das Video des Rappers Fler, der Polizisten mit Beleidigungen überzieht, ihnen Angst machen will und das Ganze noch filmen lässt. Die Beamten sind ruhig geblieben. Vor 20 Jahren oder in den USA hätte Fler sich das nicht getraut.“

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Auszug aus „Die Arabische Gefahr“

Auch das Personal der Ordnungsämter erlebt täglich Erniedrigungen. „Ich habe einmal einen der Clan-Szene zuzuschreibenden Mann angesprochen, als er sich auf einen Behindertenparkplatz stellte“, erzählt ein Mitarbeiter des Berliner Ordnungsamts. Der Mann habe ihm arrogant einen 50-Euro-Schein vor die Füße geworfen. Wortlos. Und sei dann seiner Wege gegangen. Der Mitarbeiter des Ordnungsamts sieht sich mittlerweile nach einem anderen Job um.

Was unterscheidet die Clan-Kriminalität von anderen Gruppen der organisierten Kriminalität?

„Wenn man in Berlin in einem Restaurant eine Gruppe, die der Russenmafia zugehörig ist, darauf hinweist, dass sie zu laut sind, muss man nicht gleich mit einer Tracht Prügel rechnen. Es passiert einem nichts, stattdessen wird man eher eingeladen oder bekommt eine Flasche Krimsekt auf den Tisch und wird um Entschuldigung gebeten. Sie wollen tunlichst Ärger vermeiden, weil die Polizei die Geschäfte stört. Das ist bei arabischen Großfamilien anders. Hier kann man mit annähernd hundertprozentiger Sicherheit damit rechnen, dass man beleidigt, bedroht oder gar verprügelt wird.

Ihr Gehabe ist ein großes Problem. Das ist ein Krebsgeschwür mit vielen Metastasen. Wenn sie einfach höflich wären, könnten sie wohl ziemlich ungestört ihren Geschäften nachgehen. Wenn ich deren Medienberater wäre, hätte sich das Problem schnell erledigt (lacht).“

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Ein interessantes Phänomen sind die Friedensrichter. Was steckt dahinter?

„Wenn ein Clan-Mitglied ein Mitglied eines anderen Clans niedergestochen hat, kommt der Friedensrichter zum Einsatz. Das sind angesehene Leute aus der arabischen Welt. Sie fällen ein Urteil, das können bei Tötungsdelikten schon mal sechsstellige Summen sein.

Das Phänomen der Friedensrichter zeigt die Nicht-Akzeptanz des Gesellschaftssystems. Denn vieles wird innerhalb der Familien geregelt, ohne dass wir es mitbekommen. Das läuft komplett am deutschen Rechtssystem vorbei.“

Auszug aus „Die Arabische Gefahr“

Bei Auseinandersetzungen zwischen unterschiedlichen Familien wird ein neutraler Friedensrichter eingeschaltet. „Friedensrichter“ - eigentlich ein schönes Wort. Frieden will schließlich jeder. Doch letztlich sind diese Männer, die von beiden Konfliktparteien geachtet werden und deren Entscheidungen Gesetz sind, ebenfalls Kriminelle - weil sie am geltenden Gesetz des jeweiligen Landes vorbei verhandeln. Das bedeutet, sie wissen von Straftaten, bringen diese aber nicht zur Anzeige, sondern verdienen selbst an der Vermittlung zwischen den Streithähnen.

Ermittler haben bei Recherchen im Milieu erfahren, dass Friedensrichter bis zu 10 Prozent der ausgehandelten Summen für sich veranschlagen. Ehre wird in den Clan-Strukturen großgeschrieben, und Blutrache ist ein großes Thema. Brutale Kriege sollen aber in jedem Fall vermieden werden, weil sie ausarten können. Der Friedensrichter soll dafür sorgen, dass es zu keinen weiteren Eskalationen kommt. Damit die Polizei nicht auf den Plan gerufen wird und durch Ermittlungen die sonstigen Geschäfte der Clans stört. Friedensrichter sind keine Juristen, ihre Entscheidungen basieren auf eigenen Wertbemessungen, altem Stammesrecht und teils aus einer Interpretation der Scharia.

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Die arabischen Clans haben in Berlin, Bremen und NRW eine Vormachtstellung. Aber längst drängen neue Gruppen nach. Müssen wir uns auf eine neue Spirale der Gewalt einstellen?

„In den Tätigkeitsfeldern sind die Möglichkeiten Geld zu machen begrenzt. Wenn dann neue Gruppen wie die nigerianische Mafia oder die Tschetschenen auf den Markt drängen, kann es dazu kommen. Wer sich durchsetzt, vermag ich nicht zu sagen. Die arabischen Clans haben jedoch häufig schon den Weg in die Legalität gefunden.

Aber sicher ist: Es wird nicht ruhiger werden. Gerade wenn man sieht, welche Waffen Mitglieder in diesen Kreisen haben.“

Auszug aus „Die Arabische Gefahr“

Es gibt unverkennbare Anzeichen dafür, dass sich eine Konkurrenz für die arabischen Clans anbahnt. In der jüngsten Vergangenheit gab es bereits erste Zwischenfälle, und in den Dienststuben der Polizei ist das Thema präsent: „Die Tschetschenen kommen.“ Gemeint sind tschetschenische Clans, die sich langsam, aber sicher ihren Weg in die kriminelle Unterwelt Deutschlands bahnen.

Vor einigen Jahren wurden tschetschenische Kriminelle aus dem damaligen Kriegsgebiet gerne engagiert, wenn es beispielsweise darum ging, dass eine kriminelle Vereinigung einen Feind in Berlin töten, dessen Frau vergewaltigen oder dessen kleinen Sohn einen Arm brechen lassen wollte. Dann wurden diese tschetschenischen Söldner in die Hauptstadt gebracht, sie erledigten diese üblen Jobs - und waren schon längst wieder auf dem Weg in ihre Heimat, als die herbeigerufene Polizisten hinter den frisch aufgehängten Flatterbändern gerade einmal den Tatort besichtigten und erste Ermittlungen aufnahmen. Sie tauchten auf und waren kurz darauf wie von Geisterhand verschwunden. [...] Nach Beobachtungen von Ermittlern des Landeskriminalamts haben tschetschenische Kriminelle offenbar mittlerweile begriffen, dass Berlin und andere deutsche Großstädte lukrative Pflaster sind, wo eine Menge Geld zu machen ist.

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Sie ziehen ein ernüchterndes Fazit. Wird das Thema Clans uns noch länger beschäftigen oder wird das Thema bald abgelöst?

„Es ist kein Phänomen, das schnell vorbeigehen wird. Man muss nur mal nach Italien schauen. Dann sieht man, dass es schwer wird. Man muss ihnen das Geld wegnehmen. Das Problem: Findet die Polizei 300.000 Euro in bar bei einem Clan-Mitglied, muss der Staat beweisen, dass das Geld aus kriminellen Geschäften stammt. Berlins Oberstaatsanwalt Sjors Kamstra sagte mir im Gespräch, die Beweislastumkehr wäre bahnbrechend hilfreich.

Die Politik der Nadelstiche, wie sie in NRW gefahren wird, ist zweifellos gut. Aber dazu muss man personell, logistisch entsprechend aufgestellt sein. Fest steht: Wenn den Clan-Mitgliedern ihr teurer Wagen, der in der zweiten Reihe geparkt war, weggenommen wird, das ärgert die schon.“

 
 

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