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Appell an Rocker: „Nehmt mich zum Vorbild“

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Foto: WAZ FotoPool
Ex-Satudarah-Boss fordert zum Ausstieg aus der Szene auf. Sechseinhalb Jahre Haft

Duisburg. 

15 Jahre Haft hätten es werden können, mit dem bereits gestern verkündeten Urteil im Duisburger Satudarah-Prozess sind sechseinhalb daraus geworden: Sein Auftreten als Kronzeuge, inklusive umfassendem Geständnis, hat sich für den ehemaligen Rockerpräsidenten Yildiray K. alias „Ali Osman“ ausgezahlt. Der 38-Jährige hat mit der Rockerszene gebrochen. „Die Satudarah-Mitglieder sollten mich als Vorbild nehmen und den Klub verlassen“, appellierte K. kurz vor der Urteilsverkündung.

Der frühere Deutschland-Boss der Rockerbande Satudarah wurde wegen Drogenhandels und Verstößen gegen das Waffengesetz verurteilt. Elf Straftaten hatte der 38-Jährige rückhaltlos eingeräumt, bei der Polizei Komplizen benannt und tiefe Einblicke in die Szene gegeben. Sein Strafmaß liegt nur noch unwesentlich über dem des als Mittäter angeklagten Baris T., der für sechs Jahre und drei Monate hinter Gitter muss. Auch T. hatte gestanden, allerdings keine Dritten belastet.

Seinen Ausstieg aus der Szene hat der frühere Satudarah-Boss mit der lebensgefährlichen Erkrankung seines Sohnes begründet. Yilidiray wird in einer geschlossenen Einrichtung eine Drogentherapie beginnen, um seine Kokain-Sucht zu überwinden. Er sehe sich nicht als Verräter, betonte K. in seinem Schlusswort vor Gericht, und er habe mit seiner Aussage auch nicht gegen einen vermeintlichen „Ehrenkodex“ der Rocker verstoßen: „Gäbe es den, dann hätten mich nicht schon vorher drei Satudarah-Mitglieder belastet.“

K. verbringt seine Strafe in einer Einzelzelle und wurde in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen. Im Internet gibt es Morddrohungen. „Yildiray, du bist schon so gut wie tot, du Hund“, ist auf Facebook zu lesen. Die Polizei nimmt solche Worte ernst, prüft die Einleitung eines Strafverfahrens: „Solche Sätze sind nicht nur an die Adresse von Herrn K. gerichtet, sie sollen auch andere potenzielle Aussteiger einschüchtern“, so ein Sprecher der Duisburger Polizei. Die Ermittler hoffen, dass trotzdem weitere Szene-Mitglieder „so viel Mut aufbringen“ wie der Ex-Satudarah-Boss. Sein Geständnis habe sehr geholfen.