Düsseldorf

Eindeutiger geht es nicht: Die allermeisten Straftaten gegen Juden haben in NRW diesen Hintergrund

Die Zahl antisemitistischer Straftaten in NRW nimmt drastisch zu.
Die Zahl antisemitistischer Straftaten in NRW nimmt drastisch zu.
Foto: dpa

Düsseldorf. Die Zahl ist besorgniserregend: 89 antisemitische Straftaten wurden allein im ersten Halbjahr 2018 in NRW erfasst.

Der weit überwiegende Anteil der Straftaten hat einen rechtsideologischen Hintergrund. Das geht aus der Antwort des NRW-Innnenministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen hervor.

Antisemitismus: Mehrzahl der Straftaten hat rechten Hintergrund

Demnach hatten 82 Straftaten einen rechten Hintergrund. Die Zahlen stammen vom Kriminalpolizeilichen Meldedienst in Fällen der Politisch motivierten Kriminalität (KPMD-PMK).

Sechs Taten sind sogenannter Ausländischer Ideologie zuzuordnen. Das sind Straftaten, bei denen es um einen israelbezogenen Antisemitismus geht.

Zahl antisemitischer Straftaten stark gestiegen

Straftaten aus religiös-ideologischer Motivation gab es laut dem Meldedienst keine und eine der erfassten Taten ist nicht zuzuordnen.

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Gegenüber dem Vorjahreszeitraum ist die Zahl antisemitischer Straftaten zwar gesunken. Insgesamt gab es in Nordrhein-Westfalen in den letzten Jahren aber immer mehr solcher Taten. 2012 gab es noch 216 antisemitische Straftaten, 2017 bereits 324 Straftaten. Alarmierend: Fast die Hälfte aller antisemititschen Delikte in ganz Deutschland (681 Taten) passierte demnach in NRW.

NRW-Innenminister Herbert Reul: "Es ist für mich unerträglich"

Die Landesregierung sieht die Entwicklung mit großer Sorge: „Es ist für mich unerträglich, dass gut 70 Jahre nach dem Ende des dunkelsten Kapitels unserer Geschichte in Deutschland wieder Hatz auf Juden gemacht wird. Das dürfen und das werden wir nicht zulassen“, so NRW-Innenminister Herbert Reul im Juli gegenüber DER WESTEN.

Damals war ein junger Mann in Düsseldorf angerempelt und beleidigt worden – weil er eine Kippa trug. Zuvor war ein jüdischer Professor von einem Mann mit palästinensischen Wurzeln angegriffen worden.

„Angriffe wie der in Bonn stellen nur die Spitze des Eisbergs dar. Den alltäglichen Antisemitismus bildet selbst die Statistik nicht ab“, so Reul.