Angela Merkel-Doppelgängerin aus NRW macht Schluss – „die Ängste begleiten mich fast jeden Tag“

Die Merkel-Doppelgängerin aus NRW hat keinen leichten Job.
Die Merkel-Doppelgängerin aus NRW hat keinen leichten Job.
Foto: Ursula Wanecki

NRW. Wenn sie auf die Straße geht, zieht sie alle Blicke auf sich: Seit rund zehn Jahren ist Ursula Wanecki aus Attendorn (NRW) als Doppelgängerin von Angela Merkel tätig. Sie ist viel unterwegs, ist Gast auf prominenten Veranstaltungen, führt fast ein Leben wie die echte Bundeskanzlerin.

Doch nun macht die Merkel-Doppelgängerin Schluss. Und das ist offensichtlich auch gut so. Denn im Gespräch mit DER WESTEN verrät sie: „Die Ängste begleiten mich fast jeden Tag.“

NRW: Angela Merkel-Doppelgängerin lebt fast wie Bundeskanzlerin

Gast bei diversen TV-Sendungen, beim Dreh des Kinofilms „Tolo Tolo - Die große Reise“ in Rom, auf der Documenta in Athen und auf dem Geburtstag eines russischen Milliardärs: Ursula Wanecki (64) aus dem sauerländischen Attendorn (NRW) ist durch ihren Job selber zu einer richtigen Berühmtheit geworden. Dabei sollte es eigentlich bloß ein Hobby sein.

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Die Angela Merkel-Doppelgängerin wird im Auftrag einer Mülheimer Agentur aufgrund ihres täuschend echten Aussehens der Bundeskanzlerin jedoch regelmäßig für Veranstaltungen gebucht. „Ich war eigentlich schon überall“, sagt sie. Besonders oft sei sie in Berlin und nehme dort an Stadtrundfahrten durch die Hauptstadt teil. „Da machen die Leute Bilder mit 'Frau Merkel'“, so Ursula Wanecki. Und weiter: „Angela Merkel ist wie ein Masskottchen. Sie gehört einfach zu Berlin und da nehmen die Leute schon gerne Bilder mit nach Hause.“

Bei ihren Auftritten traf die Merkel-Doppelgängerin sogar auf andere Politiker, wenn es auch meist Double waren. Vor Kurzem sei sie in Österreich mit den Doubles von Wladimir Putin, Greta Thunberg und Donald Trump aufgetreten. Und: „Ich war bei der Eröffnung eines großen Klinikums. Da sollte eigentlich auch unsere Bundeskanzlerin kommen, die hat aber abgesagt. Und da war ich dann mit dem Leonardo DiCaprio-Double“, erinnert sich die 64-Jährige.

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Das ist Angela Merkel:

  • Geboren 1954 in Hamburg als Angela Kasner
  • Wenige Wochen nach ihrer Geburt zog Merkels Familie in die DDR, weil ihr Vater dort eine Stelle als Pfarrer antrat
  • 1973 machte sie das Abitur mit der Note 1,0
  • 1977 heiratete Merkel den Physikstudenten Ulrich Merkel, die Ehe wurde 1982 allerdings geschieden
  • 1978 schloss Merkel ihr Diplom mit der Note „sehr gut“ ab und machte 1986 ihren Doktor im Bereich Chemie
  • Nach dem Fall der Mauer begann Merkel, sich politisch zu engagieren, trat 1990 schließlich in die CDU ein
  • Nach sieben Jahren in der Opposition wurde Merkels CDU bei der vorgezogenen Bundestagswahl 2005 knapp zur stärksten Kraft - und sie damit zur Kanzlerin

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Insgesamt komme sie in der rund zehnjährigen Einsatzzeit auf etwa 130 Auftritte. Zusätzlich zu ihrem Hauptberuf als Bürokauffrau ist der Double-Job sicherlich eine lukrative Einnahmequelle. Schließlich verdient Ursula Wanecki durchschnittlich 800 Euro pro Auftritt, wenn sie davon auch einen Teil an die Agentur sowie für Steuern abgeben müsse.

Ähnlichkeit mit Angela Merkel ist „eine Gabe“

Aber wie kommt diese große Ähnlichkeit mit Angela Merkel überhaupt? „Ich ziehe meine Stoffhose und meinen Blazer an - je nachdem, was gebraucht wird - mache mir die Haare und ich gehe aus dem Haus und ich bin Frau Merkel.“ Das sei eine Gabe. Ihre Gestik sei quasi angeboren. Weil sie die Bundeskanzlerin gern habe, könne Ursula Wanecki sie auch so gut darstellen.

„Obwohl ich größer und dünner bin als Frau Merkel“, wundert sie sich. Und dennoch: „Egal ob ich eine Stoffhose oder einen Rock trage, die Haare kürzer oder länger habe, ich werde auf der Straße immer angesprochen.“

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Dabei sei von Anfang an vereinbart gewesen, dass Ursula Wanecki sich niemals als die echte Angela Merkel ausgibt. „Das war mir immer ganz, ganz wichtig, dass die Leute mich da nicht verwechseln“, so die 64-Jährige. „Ich wollte immer noch ich bleiben.“

Einmal habe sie einen Dreh vor dem Reichstagsgebäude gehabt, bei dem offensichtlich gewesen sei, dass sie nicht Angela Merkel ist. Dennoch haben ihr Demonstranten ein Petitionsschreiben in die Hand gegeben. „Da habe ich das zurückgegeben und gesagt, wir drehen hier. Ich bin nicht Frau Merkel. Aber die haben das gar nicht so wahrgenommen.“ Wenn sie in Berlin in ein Taxi steige, werde sie immer gefragt: „Wohin Frau Bundeskanzlerin?“

Spätestens wenn Ursula Wanecki spricht, wird allerdings klar, dass sie nicht Angela Merkel ist. Denn die Attendornerin mit polnischer Abstammung hat einen osteuropäischen Akzent. Aber dafür habe sie sich eine ausgefallene Erklärung überlegt: „Ich habe sehr lange mit Wladimir Putin telefoniert und dabei ist der Ostakzent geblieben“, sagt sie lachend.

Merkel-Double: Job hat gewaltige Schattenseite

Bei ihrem Job gibt es dennoch eine beachtliche Schattenseite. „Früher bin ich aus dem Haus gegangen, habe mir keine Gedanken gemacht und war frei. Jetzt gibt es auch Situationen, die ich mir nicht so gewünscht hätte“, sagt die 64-Jährige. Und sie schockiert: „Wenn ich über die Straße gehe, gucke ich, ob mich jemand überfahren will oder wenn ich an der Rolltreppe bin, gucke ich, ob mich jemand schubsen will. Die Ängste begleiten mich fast jeden Tag.“ Die Ängste habe sie vorher nicht gekannt. In Berlin sei sie deshalb auch grundsätzlich mit Bodyguards unterwegs.

Außerdem sei die Double-Tätigkeit sehr stressig. Bei ihren Auftritten habe sie immer im Hinterkopf, dass von ihr viel abhänge: Leute seien gebucht, eine Reise sei gebucht und sie habe immer die Sorge, dass sie krank werde oder sich beispielsweise ein Bein breche. Ihren Ausfall könnte man schließlich nicht durch eine andere Person ersetzen.

Die 64-Jährige bereue das Leben als Merkel-Doppelgängerin trotzdem nicht. Denn sie treffe viele Menschen, knüpfe neue Kontakte, habe viele politische Kompetenzen gewonnen und insgesamt habe es ihr Leben sehr bereichert. Ihre Familie und Freunde hätten sich auch an ihren Job gewöhnt.

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Merkel-Doppelgängerin sehnt Jobende entgegen

Mit der bevorstehenden Bundestagswahl Ende September endet dann nach der 16-jährigen Amtszeit von Angela Merkel auch der Job der Merkel-Doppelgängerin. Für Ursula Wanecki ist das aber nicht schlimm. Im Gegenteil: „Ich bin froh, dass das ausläuft, dass in mein Leben ein bisschen Ruhe einkehrt“ , so die 64-Jährige. Sie wolle sich privaten Sachen widmen und eine Baltikum-Reise machen. Das pflichtbewusste Leben stresse sie doch sehr.

„Morgens aufstehen, Kaffee trinken, lange frühstücken und nie daran denken, dass da irgendwas noch nicht. Davon träume ich wirklich.“ Und sie würde Angela Merkel gerne mal bei einem Kaffee persönlich kennenlernen.