Alle zwei Stunden ein Autodiebstahl in Nordrhein-Westfalen

Holger Dumke
Keine Hürde für technisch versierte Diebe: ein KeylessGo-Schlüssel.
Keine Hürde für technisch versierte Diebe: ein KeylessGo-Schlüssel.
Foto: dpa
4463 versicherte Fahrzeuge wurden im vergangenen Jahr im Bundesland geklaut – 10 Prozent mehr als 2014. Vor allem in Düsseldorf waren die Diebe aktiv.

An Rhein und Ruhr. Weil die Zahl der Autodiebstähle steigt, die Autos selbst luxuriöser und teurer werden, müssen Versicherer immer tiefer in die Tasche greifen. 4433 Diebstähle von kaskoversicherten Autos zählte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) im vergangenen Jahr in Nordrhein-Westfalen, im Schnitt alle zwei Stunden einen. Rund 10 Millionen Euro zahlten die Kfz-Versicherer aus, der durchschnittliche Schaden lag bei 16.675 Euro.

Die Zahl der gestohlenen Autos wuchs damit 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr, der Schaden sogar um 16 Prozent – mehr als der Bundestrend, was damit zu tun haben mag, dass es in NRW viele Städte gibt, auch große, und es Autodiebe eher in die Städte zieht. Dort ist die Wahrscheinlichkeit größer, ein geeignetes Beuteobjekt zur rechten Zeit zu finden. Und die Diebe sind durchaus wählerisch: Hochpreisige Geländewagen und schnelle Limousinen stehen auf ihrem Wunschzettel ganz oben.

Zahl der Auto-Diebstähle geringer, als in den 90er Jahren

Fündig wurden sie zum Beispiel in Düsseldorf. Nirgendwo sonst in NRW war die Wahrscheinlichkeit größer, Opfer von Autodieben zu werden. Eines von 1000 versicherten Autos wurde dort gestohlen. Das ist doppelt so viel wie im Bundesschnitt und zehn Mal so viel wie in Bayern, wo im Ländervergleich besonders wenige Autos entwendet wurden. Auffällig: An Rhein und Ruhr wurden mehr teure Autos gestohlen. Die durchschnittliche Schadenssumme liegt in NRW um 1064 Euro höher als der Bundesschnitt. Besonders hoch liegt sie in Düsseldorf: 26.000 Euro.

Die Zahlen der Versicherer weichen von denen etwas der Polizei ab. Dass es wieder mehr Autodiebstähle gibt, hat aber auch die Polizei registriert. Frank Scheulen vom Landeskriminalamt (LKA) weist gegenüber der NRZ daraufhin, dass die Zahlen heute immer noch viel niedriger liegen als in den frühen 90er Jahren, als der Autoklau mit den Grenzöffnungen einen Boom erlebte. Die Aufklärungsquote liegt aktuell bei 21%.

Diebe manipulieren elektronische Türöffner

Was die Polizei beobachtet hat: Der Anteil der ausländischen Tatverdächtigen nimmt zu. Vor allem Polen, Litauer und Niederländer waren zuletzt vertreten. Dass es ausgerechnet diese Nationalitäten waren, mag mit den Reiserouten der geklauten Autos zu tun haben. So werden Geländewagen nach Beobachtungen von Ermittlern oft über Polen weiter ostwärts verschickt, etwa nach Kasachstan. Andere gehen über die niederländischen Häfen ins südliche Afrika.

„Autodiebstahl ist meist bandenmäßig strukturierte Kriminalität“, sagt Scheulen. Verstärkt bedienen sich Autodiebe moderner Technik, manipulieren z.B. elektronische Türöffner und Starter. Seit dieser Woche steht in Detmold ein 28-jähriger Litauer vor Gericht, der mit seiner Bande auf diese Weise 21 Oberklasse-Autos geknackt und nach Osteuropa verschoben haben soll (Schaden: 1,3 Mio Euro).

Was kann man als Autobesitzer als tun? LKA-Mann Scheulen rät zu einer zusätzlichen Diebstahlsicherung – eine im Handel und bei Autoclubs erhältliche Stahlverbindung, die nach dem Abstellen des Autos an Lenkrad und Bremspedal befestigt wird. Und, ganz schlicht: Sofern vorhanden, sollten nachts Garagen genutzt werden.