AfD-Hochburgen bei der NRW-Kommunalwahl: Hier war die Partei besonders stark – und hier ging sie unter

Rüdiger Lucassen, Landesvorsitzende der NRW-AfD: Seine Partei hatte vor allem bei jungen Wählern keine Chance bei der Kommunalwahl 2020.
Rüdiger Lucassen, Landesvorsitzende der NRW-AfD: Seine Partei hatte vor allem bei jungen Wählern keine Chance bei der Kommunalwahl 2020.

Mit besonderer Spannung wurde vor der NRW-Kommunalwahl das Ergebnis der AfD erwartet. Wie würden die Rechtspopulisten im Land abschneiden? Kurz vor der Wahl kam zudem die Flüchtlingsfrage nach dem Brand des griechischen Lagers Moria neu auf.

Nach der Kommunalwahl in NRW lässt sich sagen: Die AfD blieb weit hinter ihren eigenen Erwartungen zurück. Doch es gibt trotzdem einige Hochburgen im Land.

AfD bei der Kommunalwahl NRW 2020: Analyse der Ergebnisse

Wie schnitt die AfD landesweit ab?

Im Vergleich zur Landtagswahl 2017 hat die AfD klar verloren. Damals erreichte die Partei 7,4 Prozent und ihr gelang direkt bei der ersten Wahl der Einzug ins Parlament. Bei den Kommunalwahlen in NRW 2020 reichte es nur noch zu fünf Prozent landesweit. Das ist zwar ein Plus von 2,5 Prozent im Vergleich zu den Kommunalwahlen 2014, die AfD hatte sich aber weitaus mehr versprochen.

AfD bei der Kommunalwahl in NRW: Wer wählte die Partei?

Nachwahlbefragungen von infratest dimap für den WDR ergeben ein klares Bild, wer die AfD gewählt hat:

  • Bei den Männern kam die AfD auf sieben Prozent, bei den Frauen auf lediglich drei.
  • Menschen, für die das wahlentscheidende Thema Einwanderung war. Aus dieser Gruppe wählten 68 Prozent die AfD.
  • Keine Chance bei Jungwählern: Bei den 16 bis 24-Jährigen Wählern kam die AfD auf lediglich drei Prozent.

Wo liegen die Hochburgen der AfD?

Ähnlich wie bei der Landtagswahl 2017 waren die AfD-Hochburgen in Ruhrgebietsstädten und dort insbesondere in abgehängten Stadtvierteln. Die stärkste AfD-Hochburg bei der NRW-Kommunalwahl war, ebenso wie bei der Landtagswahl, Gelsenkirchen. Im Essener Stadtteil Karnap erreichte die AfD sogar 20 Prozent (HIER eine Reportage dazu).

  • Gelsenkirchen: 12,9 Prozent
  • Duisburg: 9,3 Prozent
  • Hagen: 9,3 Prozent
  • Herne: 8,5 Prozent
  • Essen: 7,5 Prozent
  • Oberhausen: 7,7 Prozent
  • Mülheim an der Ruhr: 7,2 Prozent

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Wo schnitt die AfD bei der Kommunalwahl in NRW besonders schwach ab?

Außerhalb des Ballungszentrums im Ruhrgebiet spielte die AfD in vielen Kreisen und Städten fast überhaupt keine Rolle. Besonders im Münsterland und in einigen Regionen des Rheinlands ging sie regelrecht unter.

  • Kreis Coesfeld: 0,6 Prozent
  • Kreis Remscheid: 1,0 Prozent
  • Münster: 2,2 Prozent
  • Kreis Heinsberg: 2,7 Prozent
  • Kreis Borken: 2,9 Prozent
  • Kreis Steinfurt: 3,0 Prozent
  • Bonn: 3,2 Prozent
  • Bielefeld: 3,4 Prozent

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AfD-Wahlergebnisse bei der NRW-Kommunalwahl 2020: Woran liegt das schwache Abschneiden der Partei?

Extremismusforscher Professor Andreas Zick von der Universität Bielefeld ordnet die Wahlergebnisse in einen deutschlandweiten Abwärtstrend für die Partei ein: „Die AfD in NRW hat ihren eigenen Ansprüchen am Ende nicht genügt, und sie hat auch nicht von dem Unbehagen mit den Coronaregeln profitiert, also Protestwähler an die Urnen bekommen.“

Als Ursache macht Zick auch den innerparteilichen Richtungsstreit und die Radikalisierung in einigen AfD-Landesverbänden aus: „In der Gesellschaft und auch konservativen Milieus wird klarer, was eine Politik mit Hass und Angst bewirken.“ Die Zeit der „vorschnellen Verharmlosung“ sei vorbei.

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Zick erklärt sich die stärkeren Wahlergebnisse der AfD damit, dass man sich dort habe verankern können: „Die AfD hat Gruppen, die sich ungerecht behandelt sehen, eine Stimme gegeben, ihnen mehr Beteiligung versprochen und vor allem die Themen Bedrohung durch Einwanderung angesprochen.“

Kommunen wie Münster, Köln oder Bielefeld hätten eine stärkere Zivilgesellschaft. Sie hätten „die Herausforderungen durch Rechtspopulismus und Rechtsextremismus ernst genommen und nicht einfach als Imageproblem wahrgenommen“.

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(mag)

 
 

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