Düsseldorf

Ärger um Streikbrecher: Darum sitzen bei „Real“ fremde Kassierer am Band

Bei Real in Düsseldorf-Bilk saßen zuletzt Mitarbeiter der Firma Kötter an der Kasse - das sorgte bei vielen Kunden für Verunsicherungen.
Bei Real in Düsseldorf-Bilk saßen zuletzt Mitarbeiter der Firma Kötter an der Kasse - das sorgte bei vielen Kunden für Verunsicherungen.
Foto: dpa/privat/Montage: Der Westen
  • Real-Kunden irritiert - Mitarbeiter der Firma Kötter sitzen in Supermarkt in Düsseldorf-Bilk an der Kasse
  • Mittel im Arbeitskampf um Tarifvertrag
  • Real sieht in der Maßnahme kein Problem

Düsseldorf. Seltsamer Anblick für die Kunden der Real-Filiale in Düsseldorf-Bilk. An der Kasse saßen zuletzt häufig nicht Kassierer in der vertrauten „Real“-Arbeitskleidung - sondern Mitarbeiter der Firma Kötter. Das Logo der Essener Firma prangte groß auf dem Rücken der Kassierer.

„Bei real wurde wegen der Tarifverhandlungen im Einzelhandel gestreikt“, sagt Heino-Georg Kaßler von der Gewerkschaft Verdi. Aktuell verhandeln Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Einzelhandel über einen neuen Tarifvertrag. Die Kötter-Mitarbeiter seien im Einsatz, um die streikende Stamm-Belegschaft zu ersetzen.

Darum tragen die Kassierer keine real-Kleidung

„Früher wurden an Streiktagen Leiharbeiter eingesetzt. Die durften auch die Arbeitskleidung von Real tragen und fielen deshalb gar nicht auf“, erklärt Kaßler.

Doch seit dem 1. April gilt das neue „Arbeitnehmerüberlassungsgesetz“. „Jetzt darf Real keine Leiharbeiter mehr an Streiktagen einsetzen. Die aktuellen Streikbrecher hatten wohl einen Werkvertrag“, so Kaßler.

Deshalb hätten sie auch keine Real-Arbeitskleidung getragen: „Diese Mitarbeiter haben die Arbeitskleidung einer anderen Firma getragen, weil sie unter Personalhoheit dieser Firma stehen. Ein Bezug zu Real ist schon per Gesetz nicht erlaubt.“

Facebook-User reagieren empört auf real-Maßnahme

Laut Kaßler gelten für diese Werksvertragsnehmer strenge Richtlinien: „Sie dürfen keine Anweisungen von Real-Mitarbeitern bekommen. Außerdem dürfen sie auch nicht die Räumlichkeiten der anderen Real-Mitarbeiter, wie etwa Pausenräume, nutzen.“

Früher habe man Werkvertragsnehmer vor allem beim Einräumen oder im Lager eingesetzt: „Dass Werkvertragsnehmer an der Kasse sitzen, ist ein neues Phänomen.“

Auf Facebook reagierten viele Nutzer empört: „Oh mein Gott, wo soll das hinführen", ärgert sich eine Nutzerin. Andere sprechen von einer „Frechheit“.

Real sieht Werksverträge als legitimes Mittel

Real verteidigt das Modell gegenüber DER WESTEN: „Die am Standort Düsseldorf-Bilk eingesetzten Mitarbeiter von Kötter „Personal Service“ (und nicht, wie es an einigen Stellen falsch dargestellt wird von Kötter „Security“) arbeiten dort für drei Monate im Rahmen eines Werkvertrages“, so ein Sprecher. Die Mitarbeiter würden „als legitimes Mittel des Arbeitgebers im aktuellen Arbeitskampf eingesetzt.“

Real sei kein arbeitnehmerfeindliches Unternehmen: „An jedem unserer 282 Standorte gibt es einen Betriebsrat. Das gesamte Unternehmen verfügt darüber hinaus über einen Gesamtbetriebsrat.“

Real ist ein tariftreues Unternehmen

Außerdem gehöre Real zu den tariftreuen Unternehmen „in denen die Arbeitnehmerrechte nicht nur hoch- sondern vor allem auch eingehalten werden.“ Die Firma Kötter wollte gegenüber DER WESTEN keine Stellungnahme abgeben.

Verdi sieht das Modell skeptisch: „Wir prüfen aktuell, ob dieses Modell auch bei anderen Filialen bzw. anderen Arbeitgebern zum Einsatz kommt.“

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