Achtung, auf der A 59 wird’s ernstHannelore Kraft Fordert mehr Tempo bei der Sanierung

Duisburg.  Ab Donnerstag wird weggefräst: „Straßen NRW“ sperrt die Autobahn 59 in der kommenden Nacht, zwischen Mitternacht und ein Uhr, in Fahrtrichtung Düsseldorf. Eine der wenigen Nord-Süd-Autobahnen des Reviers ist dann für fünf Monate nur sehr eingeschränkt zu befahren. Die ersten Warn-Baken, so gestern die Landesbehörde, werden von den Straßenmeistern am Mittwoch wohl gegen 20 Uhr aufgestellt – also bereits zu diesem Zeitpunkt könnte es einige Staus geben.

Auf mehr als fünf Kilometern zwischen den Kreuzen Duisburg und Duisburg-Nord wird die Autobahn in den kommenden Monaten runderneuert. Im Zweischichtbetrieb und an sieben Tagen in der Woche. Nur nachts wird die Arbeit ruhen.

Vor allem die sogenannte „Berliner Brücke“, ein 1,8 Kilometer langes Bauwerk, ist ein Sanierungsfall. Hier muss im großen Stil verstärkt und geschweißt werden. In den Spannbetonüberbau werden neue Spannglieder eingebaut.

So sieht die zeitliche Planung von Straßen NRW aus: Bis Anfang Juli ist zunächst die Fahrtrichtung Süd (Duisburg) gesperrt, dann dreht die Baustelle um, und bis Anfang Oktober ist die Fahrtrichtung Nord (Dinslaken) zu. Nur die Feuerwehr behält eine Gasse – für Unfälle in der Baustelle.

Alle rund 80 000 anderen Fahrer, die die A59 täglich nutzen, müssen neue Wege finden; mit Staus auf Umleitungsstrecken und innerstädtisch rechnet daher selbst die einschlägig bewährte Projektleiterin Annegret Schaber: „Ich kann keine Straßen zaubern und keine Autos wegzaubern.“ Als Umfahrung empfohlen werden die A57 und die A 3. Aber gerade dort sind schon jetzt täglich bis zu 100 000 Fahrzeuge unterwegs. Deshalb gilt die A57 als die weniger stauanfällige Umfahrung.

Gemacht wird praktisch alles: Fahrbahn, Lärmschutz, 16 neue Schilderbrücken, Entwässerung. Und doch ist es nur ein lange anhaltendes Provisorium, denn „vierspurig kommt man bei dem Verkehrsaufkommen hier kaum noch hin“, so Schaber. Sechsspurig soll die Straße werden, ungefähr geplant für das Jahr 2030. Bis dahin hätten die Brücken-Bauwerke wohl nicht mehr durchgehalten.

Vor allem für Duisburg selbst und die Einpendler ist die 59 äußerst wichtig. Deshalb hat auch die Stadt sich vorbereitet: verdichtet den Takt der Straßenbahn und schafft Vorrang für die Linie 903, hat weitere P+R-Parkplätze angelegt und bewachte Fahrradstationen. Für die Radfahrer wurde nach Angaben von „Straßen NRW“ eine gut zu bewältigende Route vom Hamborner Rathaus in die Innenstadt eingerichtet und ausgeschildert. Die Grünphasen der Ampeln auf den beiden innerstädtischen Hauptrouten hat man zudem optimiert.

Sogar die Arbeitszeit der Verwaltung wurde nach vorn gezogen, um die Verkehrsströme nach Duisburg hinein zu entzerren. Und aus wirtschaftlichen Gründen ist der Stadt und auch dem Handel eine Botschaft wichtig, die an dieser Stelle Stadtentwicklungsdezernent Carsten Tum nochmal aussprechen sollte. „Duisburg“, sagt er, „Duisburg bleibt erreichbar.“

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) fordert Tempo bei der Sanierung von Deutschlands maroden Straßen und Brücken. Die im Koalitionsvertrag bis 2017 vorgesehenen zusätzlichen Infrastrukturmittel von fünf Milliarden Euro für Straßen, Schienen und Wasserwege sollten rasch und sinnvoll unter den Ländern aufgeschlüsselt werden. „Es kommt sehr darauf an, dass man das auch so verteilt, dass wirklich die Mittel dahin fließen, wo sie dringend gebraucht werden“, sagte die stellvertretende SPD-Vorsitzende.

Eine konkrete Summe, wie viel Nordrhein-Westfalen von den fünf Milliarden beansprucht, wollte Kraft nicht nennen. NRW habe aber sehr viele Autobahnkilometer und sei die „Herzkammer der Logistik in Deutschland“. Von Autofahrern einen „Straßen-Soli“ zu kassieren, hält Kraft für falsch.

Auf Länderebene gebe es eine klare Position zur Ausweitung der Lkw-Maut. „Die Lastwagen sind auch diejenigen, die dafür sorgen, dass der schlechte Zustand eintritt, weil sie einfach die Autobahnen und die Brücken natürlich enorm belasten“, erläuterte die Sozialdemokratin. Sie persönlich stecke oft auf den Straßen in NRW fest: „Ich steh’ dauernd im Stau.“

 
 

EURE FAVORITEN