A3 in Köln: Betonplatte erschlägt Autofahrerin – Anwalt erklärt, wer für den Baupfusch-Skandal haftet

Auf der A3 in Köln wurden weitere Betonplatten abmontiert. Jurist Arndt Kempgens schätzt die Lage ein.
Auf der A3 in Köln wurden weitere Betonplatten abmontiert. Jurist Arndt Kempgens schätzt die Lage ein.
Foto: Rolf Vennenbernd / dpa +++ dpa-Bildfunk +++; Privat (Montage: DER WESTEN)

Köln. Diese Nachricht von der A3 in Köln hat vergangene Woche alle schockiert. Eine 66-jährige Frau fuhr über die A3 und wurde plötzlich von einer fünf Tonnen schweren Betonplatte erschlagen. Wie sich herausstellte, wurde beim Bau gepfuscht.

Laut dem Verkehrsministerium NRW hatte man die zu groß geratenen Platten mit einer improvisierten Konstruktion samt einer eingeschweißten Schraube an der A3 in Köln angebracht. Die Schraube an der Unfallplatte riss.

A3 in Köln: Das kommt auf die Schuldigen zu

Die mangelhafte Stelle wurde verdeckt und auch bei einer neuerlichen Prüfung nicht entdeckt. „Da hat was nicht gepasst und das ist dann passend gemacht worden“, sagt Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) entrüstet.

Sechs weitere Platten wurde am Donnerstag entfernt. Auch hier wurde 2007 bei der Montage falsch gearbeitet. Doch wer haftet für den Tod der Frau? Ein Anwalt klärt auf.

Kurz nach dem Unfall auf der A3 in Köln wurde Arndt Kempgens (52), Fachanwalt für Verkehrsrecht und Versicherungsrecht aus Gelsenkirchen, von einem Mandat kontaktiert. Der betreut nämlich eine Baustelle in der Nähe und muss durch die Sperrung in dem Bereich mit seinen Schwertransporten einen größeren Umweg in Kauf nehmen.

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„Er wollte wissen, ob er Schadensersatzansprüche geltend machen kann“, so Kempgens. Arbeitsrechtlich müssen sich Autofahrer aber auf die erwarteten Staus einrichten. Sie müssen früher losfahren, um im Betrieb keine Abmahnung oder im Extremfall auch eine Kündigung wegen Verspätung zu riskieren.

„Die Arbeitszeit beginnt grundsätzlich erst am Arbeitsort. Das Wegerisiko obliegt dem Arbeitnehmer“, so der Experte. Daraufhin hat sich der Jurist weiter mit dem Fall beschäftigt.

A3 in Köln: Vorsätzliches Tötungsdelikt?

„Ich bin schockiert über die Kette der Versäumnisse in dem Fall. Durch die Vielzahl der Beteiligten wird es sehr schwer, die Schuldigen ausfindig zu machen.“

Denn beim Aufstellen der Betonplatten sei nicht nur der einzelne Monteur involviert, der die Platten aufgestellt habe. Dahinter stehen noch der Vorarbeiter und Geschäftsführung.

„Sollte sich herausstellen, dass den Beteiligten bewusst war, dass es zu einem Ablösen des Betonelementes kommen kann und dies billigend in Kauf genommen wurde, kann sogar wegen eines vorsätzlichen Tötungsdeliktes gemäß § 212 StGB unter dem Gesichtspunkt bedingten Vorsatzes ermittelt werden.“

A3 in Köln: Das kann die Familie der Verstorbenen machen

Doch so einfach ist das nicht: „Dieser Fall gestaltet sich ähnlich schwierig bei zum Beispiel bei der Loveparade oder dem VW-Abgas-Skandal. Ein Einzelner kann nicht beschuldigt werden. Es muss rausgefunden werden, wo genau versagt wurde. Auch bei der späteren Kontrolle.“

Für einen Prozess müssen die Ermittler sämtliche Informationen prüfen. Dazu gehören auch E-Mails und Arbeitsnachweise. Der Experte sagt, dass es zwischen sechs Monaten und mehreren Jahren dauern kann, bis ein Urteil gefällt wird.

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„Solche tödlichen Unfälle nach einem Baupfusch kommen wahnsinnig selten vor.“ Arbeitsunfälle hingegen gibt es öfter. „Letztes Jahr fiel eine Arbeitsbühne auf einen Mann, er wurde zerquetscht.“ Dies sind aber Unfälle, die leider passieren. Niemanden trifft die Schuld.

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Und was kann die Familie der Verstorbenen machen? „Sie können sich selbst am Strafverfahren beteiligen, Nebenklage einreichen.“ So makaber es auch klingt, die Familie kann zum Beispiel Schadensersatz für das zerstörte Auto verlangen. Auch können sie zivilrechtlich wegen Totschlags vorgehen.

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„Sie können ebenfalls Unterhaltsansprüche und Schmerzensgeld geltend machen. Es kommt darauf an, wie die Verstorbene gelebt hat. Ob sie zum Beispiel Schulden hatte.“

 
 

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