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12.12.12 – Hunderte heirateten am Schnapszahl-Datum

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Foto: WAZ FotoPool
Hunderte Brautpaare in NRW gaben sich am 12.12.2012 das Jawort. Auf den Standesämtern an Rhein und Ruhr herrschte großer Andrang. Es ist schließlich das vorerst letzte Schnapszahl-Datum. Erst im Jahr 2022 bietet sich Heiratswilligen eine neue Gelegenheit.

Moers. 

Das hat Birgit und Rolf Preidt gerade noch gefehlt: Als wären sie nicht schon nervös genug, lässt auch noch der Trauzeuge auf sich warten. Auf heißen Kohlen steht das Paar im Wartezimmer des Moerser Standesamtes, umringt von Freunden und Familie. Während Birgit ihren Strauß violetter und weißer Rosen in den Händen dreht, tigert der Bräutigam den Flur auf und ab, richtet den Blick immer wieder hinunter in die Eingangshalle. Liegt die Verspätung etwa am Schnee? Wäre es klüger gewesen im Sommer zu heiraten, wie sie es ursprünglich vorhatten?

Dabei sollte ihnen der 12.12.12 Glück bringen. „Die 12 ist für uns eine entscheidende Zahl“, sagt Birgit, greift nach der Hand ihres zukünftigen Mannes und drückt sie: „Es gibt unheimlich viele Daten, die mit unserem Kennenlernen zu tun haben, in denen die Zahl vorkommt. Außerdem haben meine Eltern auch im Dezember geheiratet und das hat 50 Jahre gehalten.“ Im Moment wären die beiden schon zufrieden, wenn es mit ihrer Ehe überhaupt mal losgehen würde.

„Seien Sie entspannt.“

Dann endlich tut sich was: „Ich mach noch schnell die Kerze an, dann hol’ ich Sie rein“, flötet Standesbeamtin Alexandra Lötters gut gelaunt, „seien Sie ganz entspannt.“ Leicht gesagt. „Ist der Trauzeuge denn jetzt da?“, will Birgit wissen. „Ist da“, schallt es aus dem Wartezimmer. Knapp genug: Wenige Sekunden später öffnet sich die Tür des Trauzimmers. „So Schatz, jetzt ist’s zu spät“, scherzt die Braut.

Insgesamt elf Paare gilt es heute im Moerser Standesamt zu vermählen. Etwa drei Mal so viele wie an einem gewöhnlichen Wochentag – ähnliche Zahlen melden auch die Standesämter in Essen, Düsseldorf, Köln und anderen Städten an Rhein und Ruhr. Oft übertraf die Nachfrage das Angebot an Trauterminen – so auch hier in Moers. „Von der Nachfrage hätten wir auch 30, 40 Paare trauen können“, so Lötters.

Lisel Reiter und Herbert Graßhoff gehören zu den Glücklichen, die einen der elf Termine am 12.12.12 ergattert haben. Nicht nur das: „Das Ja-Wort werden wir uns wohl um 12.12 Uhr geben“, sagt Reiter. Dabei waren die beiden gar so erpicht auf diesen Termin: Als sie sich das Standesamt im September ansahen, war zufällig ein Platz am Schnapszahldatum frei geworden. Die Gelegenheit wollen sie sich nicht entgehen lassen. Zumal das nächste kuriose Datum erst in neun Jahren gebucht werden kann – am 2.2.2022. „Das Risiko wäre uns zu groß gewesen“, lacht Reiter, die mit 65 Jahren zum zweiten Mal heiratet.

Eine schlaflose Nacht -schon vor der Hochzeit

Ihren Bräutigam (66) kennt sie schon seit 60 Jahren: Fast schon seit dem ersten Schultag. „Wir mochten uns schon immer, waren damals aber zu schüchtern und haben uns dann aus den Augen verloren“, erzählen sie. Ein Klassentreffen hat die beiden vor drei Jahren wieder zusammengeführt.

Wenig später folgte sein Antrag, klassisch mit Rose und Kniefall. „Wie hätte ich da ‘Nein’ sagen können?“, erinnert sich Reiter. Ein bisschen ärgern sie sich heute, dass sie nicht früher zusammengefunden haben – „aber besser spät als nie.“ Und auch wenn die beiden schon ein paar Jährchen Lebenserfahrung mitbringen, aufgeregt sind sie trotzdem. „Ich hätte es nicht gedacht, aber es war eine schlaflose Nacht“, so Reiter – und das schon am Tag vor der Hochzeit.

Bei Birgit und Rolf Preidt hat sich die Aufregung zum großen Teil gelegt. „Super ist es gelaufen“, schwärmt Birgit. Auch der frisch gebackene Ehemann strahlt über beide Ohren: „Mir ist ziemlich warm geworden. Aber einen Rückzieher hätte ich nie gemacht.“