1. FC Köln will Hooligans nach Attacke auf Gladbach-Fans rausschmeißen

Bereits im Stadion von Hoffenheim machten Anhänger des 1.FC Köln am Wochenende auf sich aufmerksam.
Bereits im Stadion von Hoffenheim machten Anhänger des 1.FC Köln am Wochenende auf sich aufmerksam.
Foto: Bongarts/Getty Images
Mit dem Übergriff von Kölner Fans auf einen Fan-Bus der Gladbacher ist aus Sicht des Fan-Forschers Gunter Pilz "eine neue Qualität der Gewalt" erreicht. Die Polizei setzt eine Ermittlungsgruppe gegen die Hooligans ein. Diese müssen mit einem Vereinsausschluss rechnen.

Essen.. Der Hannoveraner Fan-Forscher Prof. Gunter Pilz ist entsetzt: „Das hat mit einer Hooligan-Kultur nichts mehr zu tun, sondern ist hochgradig kriminell.“ Die Polizei in Köln hat reagiert. Heute ist erstmals eine neu gegründete Ermittlungsgruppe zusammengekommen, um sich mit dem Problem zu beschäftigen.

„Damit unterstreichen wir, wie ernsthaft wir diesen Vorfall nehmen“, sagte Polizeisprecher Lutz Flaßnöcker der WAZ-Mediengruppe. Zwar sei die Gewalt von Hooligan- und Ultragruppierungen ein Problem, das gesamt Nordrhein-Westfalen betreffe, allerdings sind die Kölner Krawallmacher in der jüngsten Vergangenheit immer wieder besonders unangenehm aufgefallen:

Chronik Kölner Ausfälle

August 2011: Kölner Anhänger werfen mit Kot und Urin gefüllte Bierbecher in der Arena Auf Schalke auf Fans des Gastgebers.

Februar 2011: Kölner Hooligans der Gruppierung „Wilde Horde“ treten und schlagen einen Polizisten und verprügeln einen weiteren Mann.

Januar 2011: Mit einem Sonderzug reisen über 700 FC-Fans zum Auswärtsspiel zum FC St. Pauli. Nach der Ankunft im Hamburger Bahnhof fliegen Flaschen, Böller und Bierdosen auf Polizisten. Ein Ladenlokal wird beschädigt. Am Abend randalieren 250 Hooligans auf der Reeperbahn. Vier Polizisten werden verletzt.

Oktober 2010: Vor dem Heimspiel gegen Borussia Dortmund wird der BVB-Mannschaftsbus mit Steinen beworfen.

Juli 2010: Beim FC-Trainingslager in Österreich nehmen Hooligans eine Kneipe auseinander und prügeln einen Gast krankenhausreif. Zwei der Täter sind danach verhaftet worden.

Attacke mit Steinen, Ketten und Stahlrohren

Und nun die Attacke auf dem Rastplatz „Siegburg“ auf der A3. Der Busfahrer schilderte seine Erlebnisse dem „Express“: „Dort bremsten sie mich bis zum Stillstand aus. Die Hooligans sprangen aus den Fahrzeugen, und ich wusste, dass das jetzt lebensgefährlich wird. Denn sie hatten rote und weiße Steine, Ketten und Stahlrohre dabei und gingen auf den Bus los. Im Bus hatten sich die Frauen und Männer auf den Boden geworfen. Dicke Steine prasselten gegen den Bus. Als dann meine Fahrerseite zersplitterte, blieb mir keine Wahl mehr. Ich musste losfahren. Egal, wie.“ Der Fahrer wollte sich und seine Gäste in Sicherheit bringen und fuhr bei seiner Flucht drei Hooligans an.

Fan-Forscher Gunter Pilz sieht im Gespräch mit DerWesten eine neue „Qualität der Gewalt erreicht.“ Die Aktion sei mit den verabredeten Schlägereien in der Hooligan-Szene auf der „grünen Wiese“ nicht vergleichbar, bei denen sich die Mitglieder der Clubs offen begegnen, um ihre Aggressionen auszuleben. „Diese Attacke ist unfassbar und sucht in ihrer Dramatik ihresgleichen. Die Täter haben bereits Menschenleben riskiert, als sie den Bus auf der Autobahn abdrängten.“ Pilz hat beobachtet, dass insbesondere bei Auswärtsfahrten einige Mitglieder der Ultrabewegung mitreisen, um im Schutz der großen Gruppe anonym zuzuschlagen. Häufig sei gegen diese Täter bereits ein Stadionverbot verhängt worden, was sie jedoch nicht daran hindere, vor den Arenen, in den Städten - oder eben auch auf der Autobahn - Jagd auf ihre Opfer zu machen.

„Überwiegend einfach strukturierte Männer“

Was sind das für Menschen, die den Fußballsport so brutal missbrauchen? Wolfram Kuhnigk hat hautnah einen Eindruck erhalten. Für die Reportage-Reihe „Investigativ“ auf RTL II hat der TV-Journalist Hooligans in Köln und Leipzig begleitet. „Es sind überwiegend einfach strukturierte Männer, die ihre Gewaltphantasien ausleben wollen.“ Dass allerdings die Kölner Krawallmacher dabei als besonders gefährlich und skrupellos auftreten, kann Kuhnigk nicht bestätigen: „Da gibt es keinen Unterschied zu anderen Clubs. Wenn es zur Sache geht, sind alle gleich: wie wilde Stiere, die Rot sehen.“ Kommende Woche ist der Reporter in „Investigativ - Kuhnigk und die gefährlichen Gangs“ (13. März, 22.15 Uhr) im Einsatz.

Bisher ermitteln die Beamten gegen neun Beschuldigte wegen Nötigung, Bedrohung, Sachbeschädigung, Landfriedensbruch und diverser Verkehrsstraftaten. Für eine Festnahme der Chaoten zu geringe Delikte. Die Polizei muss den Tätern beweisen, dass hinter der Attacke auf den Bus die Absicht stand, Menschen zu verletzen. Doch wie genau die entscheidenden Momente auf dem Rastplatz - bei dem wie durch ein Wunder niemand ernsthaft verletzt wurde - abliefen und strafrechtlich zu bewerten sind, müssen die Ermittlungen zeigen. Noch fahndet die Polizei nach weiteren Tätern. Auch sind noch nicht alle der 36 Insassen als Zeugen vernommen worden.

Stadionverbote

Der 1. FC Köln hat sich bereits bei Borussia Mönchengladbach entschuldigt und den Überfall verurteilt. Auf der Homepage hat der Club mitgeteilt, dass gegen „insgesamt zehn an der Attacke beteiligter Personen Verfahren zur Verhängung mehrjähriger bundesweiter Stadionverbote angestoßen“ worden sind. Darunter sind auch Vereinsmitglieder, gegen die nun ein Vereinsausschlussverfahren eingeleitet wird. Bei diesen Männern handelt es sich unter anderem um Mitglieder der Ultra-Gruppierung "Wilde Horde". "Wir erwarten nun ein klares Zeichen dieser Gruppierung, sich klar von der Gewalt im Fußball zu distanzieren und auch auf Abstand zu gewaltätigen Mitgliedern zu gehen", sagt der Fanbeauftragte des 1. FC Köln, Rainer Mendel. Sollte dies nicht geschehen, wolle sich der Club "nächste Schritte" überlegen. In welcher Form dann reagiert werden könnte, wollte Mendel noch offen lassen. Allerdings dürfte es schwer werden, wegen einiger Chaoten die gesamte etwa 400 Mitglieder starke Ultra-Vereinigung zu verbieten.

 
 

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