Zuwanderer fühlen sich verunglimpft

Wilfried Goebels

Düsseldorf.  Der NRW-Integrationsrat klagt über eine „aufgeheizte Stimmung“ gegenüber Migranten nach den Silvesterübergriffen in Köln. „In vielen Fällen werden auch unschuldige Jugendliche, die hier geboren sind, zu potenziell Kriminellen gemacht“, sagte der Vorsitzende des Integrationsrates, Tayfun Keltek. Dadurch wachse die Gefahr, dass bei diesen jungen Migranten der Hass auf die Gesellschaft geschürt werde. Keltek verurteilte die Übergriffe auf Frauen in Köln „auf das Schärfste“.

Er warnte jedoch davor, die Integrationsarbeit durch Vorurteile zu behindern und soziale Probleme auf die Herkunft der Menschen zu reduzieren. „Wir sehen mit großer Sorge, dass Vorfälle wie in Köln genutzt werden, um Flüchtlinge und Migranten pauschal zu verurteilen.“ Keltek forderte, dass Täter nach geltendem Recht verurteilt werden müssten. Studien belegten aber, dass Ausländer unter gleichen Lebensbedingungen nicht mehr Straftaten begingen als Deutsche.

„Ich teile die Sorge um eine Pauschalierung; sie vergiftet das Klima“, sagte die Integrationsbeauftragte der Unionsfraktion im Bundestag, Cemile Giousouf (CDU), der WP. „Wir machen die Erfahrung, dass sich Migranten zu unrecht in eine Ecke gestellt fühlen. Wir können nicht verschweigen, dass es unter ihnen auch Kriminelle gibt, aber die Mehrheit lebt nach den Grundsätzen unseres Grundgesetzes.“

Der NRW-Integrationsrat sprach sich dafür aus, unter den Flüchtlingen mehr Lehrer anzuwerben, die Kinder in ihrer Herkunftssprache unterrichten. Außerdem sollten deutsche Lehrkräfte im Bereich Deutsch als Zweitsprache qualifiziert werden. Kurzfristig sollten Schwerpunktschulen eingerichtet werden, in denen Kinder in ihrer Herkunftssprache unterrichtet werden, bevor sie auf Regelschulen wechseln. Keltek: „Kinder lernen besser Deutsch, wenn sie auch ihre Muttersprache erlernen.“