Zentralrat der Juden enttäuscht über Papst-Rede

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Jerusalem. Seine Rede in der Jerusalemer Gedenkstätte Jad Vaschem wurde mit Spannung erwartet. Schließlich warf der Streit mit den Pius-Brüdern seinen Schatten voraus. Papst Benedikt XVI. distanzierte sich dann auch von Holocaust-Leugnern. Doch der Zentralrat der Juden hatte mehr erwartet.

Papst Benedikt XVI. hat bei seinem historischen Besuch in Israel ein Zeichen gegen das Vergessen und das Leugnen des Holocausts gesetzt. In der Jerusalemer Gedenkstätte Jad Vaschem sagte er am Montag: «Mögen die Namen dieser Opfer niemals verblassen! Möge ihr Leiden niemals verleugnet, herabgesetzt oder vergessen werden! Und mögen alle Personen guten Willens wachsam bleiben, um von den Herzen des Menschen alles auszurotten, was zu Tragödien wie dieser führen konnte!»

Die Worte kamen drei Monate nach dem heftigen Streit über den Holocaust-Leugner Richard Williamson. Benedikt hatte die Exkommunikation des zur konservativen Pius-Bruderschaft gehörenden Bischofs aufgehoben und auch nicht zurückgenommen, als dessen Haltung zum Völkermord der Nationalsozialisten bekannt wurde. In einem ungewöhnlichen persönlichen Schreiben an die katholischen Bischöfe in aller Welt räumte Benedikt schließlich Fehler des Vatikans ein.

Gespräch mit Holocaust-Überlebenden

Die katholische Kirche empfinde tiefes Mitgefühl für die Menschen, an die in Jad Vaschem erinnert werde, sagte der Papst. Sie sei zudem den Menschen nahe, die heute wegen ihrer Rasse, Hautfarbe, ihren Lebensumständen oder ihrer Religion verfolgt würden. Wie seine Vorgänger bekenne er sich dazu, dass die katholische Kirche bete und sich unermüdlich darum bemühe, dass Hass nie wieder die Herzen der Menschen beherrschen werde, sagte Benedikt, der betroffen wirkte und in der Gedenkstätte kurz mit sechs Holocaust-Überlebenden persönlich sprach.

Auch die Rolle von Papst Pius XII. während der NS-Zeit ist umstritten. Kritiker vor allem in Israel finden, er habe nicht genügend getan, um den Völkermord zu verhindern.

Zentralrat kritisiert Papst-Rede

Doch die Papst-Rede in Jad Vaschem stößt beim Zentralrat der Juden in Deutschland auf Kritik. Generalsekretär Stephan Kramer sagte am Montag der Nachrichtenagentur ddp, er habe deutliche Worte zur traditionalistischen Piusbruderschaft vermisst. Es reiche nicht aus, dass sich der Papst nur allgemein gegen die Leugnung des Holocaust wende.

Kramer fügte hinzu, die Piusbruderschaft propagiere «offen ihren Antisemitismus». Bislang habe der Papst aber die Aufhebung der Exkommunikation von vier Bischöfen nicht zurückgenommen. Wenn der Papst es bei seinem Auftritt in Yad Vashem immer noch nicht für notwendig erachte, seinem guten Willen die entsprechenden Konsequenzen folgen zu lassen, «dann erhöht das seine Unglaubwürdigkeit».

Kramer kritisierte: «Es klafft eine riesige Lücke zwischen dem, was er sagt, und wie er sich tatsächlich verhält.» Außerdem habe der Papst nichts zur Wiedereinführung der tridentinischen Messe gesagt, wo für das Seelenheil der Juden gebetet werde. Dies widerspreche der These, dass der Heilsweg sowohl durch die christliche als auch die jüdische Religion möglich ist.

Hoffnung auf neue Friedensverhandlungen

Zu Beginn seines Besuches in Israel sprach sich der Papst für die Schaffung eines palästinensischen Staates aus und forderte beide Seiten zu Friedensverhandlungen auf. Israelis und Palästinenser müssten jede Möglichkeit nutzen, um ihre Differenzen zu überwinden, sagte er bei seiner Ankunft auf dem Flughafen Tel Aviv. Benedikt hielt dabei seine Rede auf Englisch und wurde von Staatspräsident Schimon Peres und Ministerpräsident Benjamin Netanjahu begrüßt.

Benedikt sagte, die Hoffnungen von unzähligen Menschen lägen auf Friedensverhandlungen, um die großen Probleme zu lösen. Nach seiner Auffassung sollten am Ende zwei Staaten stehen, die international anerkannt sind. Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums sagte aber, das Thema stehe während des Besuches nicht zur Diskussion.

Die Zwei-Staaten-Lösung ist international weitgehend akzeptiert, unter anderem von den USA und Deutschland. Allerdings galt die Forderung gleich nach Benedikts Ankunft bemerkenswert, weil Ministerpräsident Netanjahu seit dem Wahlsieg seiner rechten Likudpartei diesen Weg nicht mehr verfolgt.

Roter Teppich ausgerollt

Bei seiner Ankunft in Tel Aviv mit einer jordanischen Maschine wurde der Papst als Staatsgast mit rotem Teppich geehrt. Benedikt wurde auch von geistlichen Vertretern empfangen. Präsident Peres sagte, Israel begrüße den Besuch, weil er den Weg zum Frieden ebnen könne.

In den kommenden Tagen besucht der Papst in Jerusalem den Felsendom und die Klagemauer und reist ins Westjordanland nach Bethlehem, wo er neben der Geburtskirche auch ein palästinensisches Flüchtlingslager besuchen will. Am Donnerstag ist er in Nazareth, der biblischen Heimatstadt Jesu, bevor er am Freitag nach Rom zurückkehrt. Nach Angaben der israelischen Sicherheitskräfte wird der Papst von 80.000 Beamten und Soldaten geschützt.

Auf den Spuren von Johannes Paul

Der Papst reiste aus Jordanien nach Israel. Kurz vor seiner Abreise von Amman am Montag rief er Christen und Muslime zu Toleranz auf. Der offizielle Besuch in Israel ist der zweite eines Papstes überhaupt. Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. reiste im Jahr 2000 ins Heilige Land. Auch Papst Paul VI. war 1964 im Heiligen Land, allerdings nur für wenige Stunden und nicht zu einem offiziellen Besuch. (ap/ddp)

 
 

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