Zehntausende Stahlarbeiter demonstrieren für ihre Jobs

Stefan Schulte

Duisburg.  Mit der größten Protestkundgebung seit dem historischen Arbeitskampf um das Hüttenwerk Rheinhausen 1987/88 haben am Montag viele Tausend Stahlarbeiter in Duisburg für den Erhalt ihrer Industrie demonstriert. Sie forderten die EU-Kommission in Brüssel auf, härter gegen chinesische Billigimporte vorzugehen und die heimischen Werke von neuen Belastungen durch schärfere Regeln beim Klimaschutz zu verschonen.

Laut IG Metall zogen 16 000 Beschäftigte vor das Werkstor von Thyssen-Krupp Steel im Duisburger Norden, bundesweit seien rund 40 000 Stahlarbeiter auf die Straße gegangen. Die Gewerkschaft und die Konzerne sehen ihre Branche in Existenzgefahr, sollte Brüssel mit der Reform des Emissionshandels auch Stahlwerke belasten. IG-Metall-Chef Jörg Hofmann warnte, auf jeden der 85 000 Stahl-Arbeitsplätze kämen sechseinhalb weitere in anderen Branchen, die dann gefährdet seien. SPD-Chef Sigmar Gabriel setzte noch eins drauf: „Es geht um die Zukunft der deutschen Industrie“, rief er den Stahlkochern zu. Weil alle anderen Zweige wie die Chemieindustrie und der Maschinenbau von der Grundstoffindustrie wie dem Stahl abhingen, gehe es in Wahrheit „um 3,5 Millionen Industriebeschäftigte“.

Wie Gabriel sagte auch NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) ihre Hilfe zu. „Wir wollen, dass dieses Herz aus Stahl weiter schlägt. Der Stahl ist Zukunft nicht nur für diese Stadt, sondern für ganz Nordrhein-Westfalen“, rief sie unter lautem Beifall. Sie werde keine Politik dulden, „die unsere Industrie zerstört“.

Die EU-Kommission will den Handel mit Zertifikaten zum Ausstoß des Klimagases CO2 ab 2019 verschärfen, indem Verschmutzungsrechte aufgekauft und die übrigen so verteuert werden. Die Kritik daran nannte die Umweltschutzorganisation BUND „scheinheilig“. Die Stahlkonzerne hätten bisher mehr Gratis-Zertifikate zum CO2-Ausstoß erhalten als sie benötigten. Der Emissionshandel sei für sie bisher „ein Goldesel, keine Belastung“, so BUND-Chef Hubert Weiger. Die deutsche Stahlindustrie hält die Befreiung für gerechtfertigt, weil sie besonders sauber sei. Durch die EU-Pläne drohten Mehrkosten von einer Milliarde Euro jährlich, die existenzbedrohend seien.