Zehntausende Kinder ohne vollen Krankenkassenschutz

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Berlin. Zehntausende Kinder in Deutschland haben nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins «Spiegel» keinen vollen Krankenversicherungsschutz. Weil viele Geringverdiener mit Kassenbeiträgen in Rückstand sind, verlieren demnach auch deren Familienangehörige ihren Anspruch auf Behandlung im Krankheitsfall.

Das Gesundheitsministerium wies die Kritik zurück und erklärte, die Abwehr akuter Krankheiten werde weiterhin bezahlt.

Hintergrund der Angelegenheit ist laut «Spiegel» eine Neuregelung im Rahmen der Gesundheitsreform. Demnach deckt bei Beitragsrückständen die Krankenversicherung auch bei Ehepartner und Kindern eines Versicherten nur noch Notfälle sowie die Behandlung akuter und schmerzhafter Erkrankungen ab.

Eigentlich wollte die große Koalition mit dem Gesetz die Zahl der Nichtversicherten verringern. Tatsächlich jedoch zahlen laut «Spiegel» viele der nun Neuversicherten ihre Beiträge monatelang nicht. In solchen Fällen schreibt das Gesetz den Krankenkassen vor, dass sie nur die Minimalversorgung bezahlen dürfen. Das Bundesgesundheitsministerium hat dem Bericht zufolge in einem Rundschreiben klargestellt, dass sich die Aussetzung bestimmter Versicherungsleistungen auch auf die Angehörigen erstreckt.

Kritik von den Krankenkassen

Kritik daran kommt laut «Spiegel» von den Krankenkassen. Er halte es für falsch, Kinder für Versäumnisse ihrer Eltern zu bestrafen, sagte der Vorstandsvorsitzende der AOK Rheinland/Hamburg, Wilfried Jacobs. Es müsse schnellstens eine gesetzliche Neuregelung her, etwa durch Beteiligung der Sozialämter.

Der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Klaus Vater, wies dagegen darauf hin, es würden nur Leistungen verweigert, die verschoben werden könnten. Nicht von den Kassen übernommen würden demnach beispielsweise verschiebbare Operationen, Zahnersatz, Krankengeld und Krebsvorsorge. Betroffen seien in der Regel Erwachsene. Dagegen werde «die Abwehr oder Linderung von akuten Krankheitszuständen» weiterhin von den Kassen übernommen. «Das hat nichts mit Minimalversorgung zu tun», erklärte Vater in Berlin.

Vater forderte betroffene Eltern auf, sich an ein Grundsicherungsamt zu wenden, da sie bei entsprechender Bedürftigkeit einen Anspruch auf finanzielle Hilfe hätten. Im übrigen habe die Reform das Ziel erreicht, das Fehlen eines Krankenversicherungsschutzes zu vermeiden. (afp)

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