Zehntausende gedenken Massakers in Srebrenica vor 20 Jahren

Gedenken an die Opfer - 20 Jahre nach dem Massaker von Srebrenica.
Gedenken an die Opfer - 20 Jahre nach dem Massaker von Srebrenica.
Foto: getty
Zum 20. Jahrestag des Völkermordes in Srebrenica kommt es zu einem Zwischenfall. Serbiens Premier Vucic wird mit Steinen angegriffen und verletzt.

Srebrenica.. Politiker und Würdenträger blieben beim Gedenken an den Völkermord in Srebrenica vor 20 Jahren an diesem Samstag unter sich. In der ehemaligen Batteriefabrik, dem damaligen Sitz der UN-Soldaten, lauschen sie in ihren Sitzen nicht weniger als 15 Reden: Klagen über die ausgebliebene Verteidigung der "UN-Schutzzone Srebrenica", Forderungen nach dem Auffinden Hunderter immer noch unbehelligt lebender Täter und Aufrufe zur Versöhnung allenthalben.

Die illustren Gäste hatten offensichtlich so viel anderes zu besprechen, dass die Gedenkfeier erst mit 35 Minuten Verspätung starten konnte. Abgeschirmt von Zehntausenden, die draußen an den Gräbern unter sengender Mittagssonne ausharren mussten. Familienangehörige der 136 neu Bestatteten sitzen stundenlang an den mit bosnischen Nationalfähnchen und grünem Stoff beschlagenen Särgen.

Serbiens Premier mit Steinen attackiert

Auch nach so vielen Jahren spielen sich herzzerreißende Szenen ab. Viele Angehörige und Freunde brechen immer wieder in Tränen aus. Manche verharren im stillen Gebet. Die Frauen tragen vor allem weiße, aber auch rosarote Kopftücher und Schals. Beim islamischen Stundengebet Namaz unter Anleitung Dutzender Imame und bei der ergreifenden Beerdigungszeremonie steht ihnen der Schmerz förmlich ins Gesicht geschrieben.

Trotz tausender Polizisten und Geheimdienstler kommt es doch zu einem schweren Zwischenfall. Serbiens Regierungschef Aleksandar Vucic, zu Beginn von den "Müttern Srebrenicas" noch überaus freundlich empfangen, wird mit Steinen angegriffen und leicht verletzt. Sicherheitskräften gelingt es, die Vucic-Delegation aus der Gefahrenzone zu bringen.

Srebrenica gleicht noch immer einer Geisterstadt

Der Oberste islamische Geistliche, Husein Kavazovic, kann mit einem Appell an die Gläubigen die kritische Situation wieder unter Kontrolle bringen. Die Vucic-Angreifer hatten ein Transparent mit einer seiner alten problematischen Aussagen ausgerollt: "Für jeden getöteten Serben 100 Muslime", hatte er ein paar Tage nach dem Völkermord im Parlament verlangt. Heute sagt er, die Bemerkung sei aus dem Zusammenhang gerissen worden.

Aber nicht nur dieser Zwischenfall deutet auf die alten Fronten hin, die noch längst nicht im Sinne der verlangten Versöhnung geklärt sind. Der langjährige Kosovo-Regierungschef und heutige Außenminister Hashim Thaci konnte an der Gedenkfeier nicht teilnehmen, weil ihm die bosnischen Serben die Durchfahrt versperrten. Der Albaner ist für die Serben ein Kriegsverbrecher.

Srebrenica gleicht auch nach 20 Jahren eher einer Geisterstadt mit nur wenigen Bewohnern und noch weniger zurückgekehrten Flüchtlingen. Wirtschaftlich liegt der Ort am Boden mit teilweise immer noch nicht wiederaufgebauter Infrastruktur. Ausländische Helfer, die sich dort auskennen, sehen wie der Pensionsbesitzer Avdo Purkovic mehr schwarz als rosa für die Zukunft. Nach diesem runden Jahrestag wird Srebrenica wohl noch mehr von der Politik vergessen werden, mutmaßen sie. (dpa)

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