Wut auf Greta Thunberg: Faul vom Sofa aus zu nörgeln, ist armselig

Wer hat Angst vor Greta Thunberg? Nun, gar nicht so wenige.
Wer hat Angst vor Greta Thunberg? Nun, gar nicht so wenige.
Foto: dpa
  • Greta Thunberg wird bewundert - und gehasst
  • Konservative und Rechte haben Angst vor den Schülerprotesten
  • Doch auch Menschen aus der Mitte schießen gegen „Fridays for Future"-Demos, die die 16-Jährige initiiert hat. Bei manchen wirkt das arg armselig
  • Ein Kommentar

Plötzlich haben sie alle Angst. Vor einer 16-Jährigen. Sie wettern gegen Greta Thunberg, verteufeln sie, verhöhnen sie.

Man könnte fast Mitleid mit ihnen haben bei der Vorstellung, wie sie vor der zierlichen jungen Frau, die noch fast kindlich wirkt, immer weiter zurückweichen und dabei Zeter und Mordio schreien.

Greta Thunberg: Das Gesicht von „Fridays for Future“

Greta Thunberg ist das Gesicht der „Fridays for Future“: Jeden Freitag schwänzen junge Leute die Schule, um für eine konsequente Klimapolitik zu demonstrieren. Inzwischen ist aus den Schülerprotesten eine weltweite Bewegung geworden.

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Es sind vor allem die Konservativen, die etwas gegen die Umweltaktivistin haben. FDP-Politiker Christian Lindner kanzelte Greta Thunberg in einem Interview neulich ab: Die Sache mit dem Klimaschutz sei „eine Sache für Profis“. In Klammern dahinter hört man beinahe nachhallen, was er vielleicht dachte: „... und nichts für kleine Kinder“.

Alles soll so bleiben, wie es ist

Manche Politiker haben ein Interesse daran, dass alles so bleibt, wie es ist. Dass sich nicht zu viel ändert - und wenn, dass es sich nicht zu schnell ändert. Und viele große Wirtschaftsunternehmen fürchten eine konsequente Klimapolitik: Denn die könnte teuer werden. Parteien finanzieren ihre Wahlkämpfe auch über Spenden von genau solchen Unternehmen. Die CDU etwa hat 2017 mehr als 12 Millionen Euro an Spenden aus der Wirtschaft erhalten.

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Auf Platz 2: Die FDP mit mehr als vier Millionen Euro. Im Grunde also verständlich, dass manche von ihnen jetzt Muffensausen bekommen: Wenn diese Bewegung wirklich etwas erreichen sollte, wie verklickern sie das der Wirtschaft?

AfD-Leute wettern gegen Greta Thunberg

Während die Etablierten und die Mächtigen mit Unbehagen und Unglauben auf Greta Thunberg und die „Fridays for Future“-Bewegung schauen, ergießen die Rechten regelrechten Hass über sie. AfD-Leute und andere selbsternannte Wahrheitskundige wollen nicht wahrhaben, dass Zehntausende junge Leute für Klimaschutz auf die Straße gehen und nicht für das christliche Abendland oder gegen Flüchtlinge.

In sozialen Medien lassen sie ihrer Wut freien Lauf, beleidigen Greta Thunberg, pöbeln gegen demonstrierende Schüler. Jüngst hat ein AfD-Mann Greta Thunberg gar für den rechtsextremistischen Terroranschlag von Christchurch/Neuseeland verantwortlich gemacht.

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Was bei der Diskussion um die „Fridays for Future“ aber wirklich verblüfft: Ganz viele Menschen, die weder zur Gruppe der Mächtigen noch zu den Rechten gehören, wettern auch vehement gegen die „Fridays for Future“.

Die sind doch alle bloß faul ...

Ein Argument der Kritiker: Die seien doch alle faul, die Kinder, die hätten doch bloß keinen Bock auf Schule. Sollen sie doch in ihrer Freizeit demonstrieren, nicht während der Schulzeit.

Nun: Erstens gibt es tatsächlich auch Demos der Bewegung an Samstagen. Vor allem aber: Wenn die Schüler nicht schwänzen würden, hätte wohl nie jemand von ihrem Anliegen Notiz genommen, wäre die Bewegung nie so groß geworden, wie sie jetzt ist.

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Und ja, unter den Zehntausenden Demonstranten sind garantiert einige hundert Schüler, denen das Klima völlig Wurst ist, die einfach mal blau machen wollen. Das Gros der Leute begeistert sich aber für eine Sache, kämpft für etwas. Jahrelang hat man der Generation zwischen 15 und 30 vorgeworfen, sich für nichts zu interessieren, unpolitisch zu sein, nur um sich selbst zu kreisen.

„Fridays for Future“: Bloßer Aktionismus?

Nichts liegt mir ferner, als im onkelhaften Duktus von damals zu erzählen, aber: Damals war bei weitem nicht alles besser. Zu meiner Schulzeit gab es keine Demos, wer sich zu sehr für Politik interessierte, wurde misstrauisch beäugt. In den 90ern und 2000ern waren wir ziemlich unpolitisch. Gegen vieles von dem, was wir heute schlimm finden, hätten wir damals kämpfen können - die wenigsten haben das gemacht.

Jetzt werfen manche den Schülern „Aktionismus“ vor. Sie hätten ja gar keine Argumente, ihre Forderungen seien zu schwammig, sagen sie. Ja Herrgottnochmal, dann beschäftigt euch doch mit ihren Forderungen! Helft ihnen, ihr Anliegen zu konkretisieren, ihr Schlauberger!

Dass diese Generation jetzt ein ernstes Anliegen hat und sich dafür einsetzt, ist grundsätzlich zu begrüßen. Auf dem Sofa zu sitzen, und bei Facebook voller Häme auf Jugendliche einzudreschen, ist hingegen ganz schön armselig.

 
 

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