Wurde Peggy ein Opfer der NSU-Terroristen?

Berlin.  Haben die NSU-Terroristen auch Kinder umgebracht? Seit die Polizei DNA-Spuren von Uwe Böhnhardt in der Nähe des Fundorts von Leichenteilen der ermordeten Peggy gefunden hat, stehen die Ermittlungen an einem Wendepunkt.

Was wissen wir über die Herkunft der DNA-Spur?
Der genetische Fingerabdruck stammt zwar mit großer Sicherheit von Uwe Böhnhardt. Wie die DNA-Spur aber an den Fundort von Peggys Skelett gekommen ist, ist unklar. Das Mädchen war 2001 im oberfränkischen Lichtenberg verschwunden, 15 Jahre später hatte ein Pilzsammler Reste der Leiche in Thüringen gefunden. Möglich, dass Böhnhardt am Leichenfundort war, möglich, dass ein anderer mit einem Stoffstück von Böhnhardt unterwegs war, möglich, dass der Stoff zufällig in dem Wald verloren ging. Dass Böhnhardts DNA-Spur Folge einer Verunreinigung oder Verwechslung sein könnte, schließen Experten nahezu aus: Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sei eine DNA-Spur von Böhnhardt gesichert worden, so das BKA.

Gibt es Verbindungen zwischen dem Mordfall Peggy und den Tätern des NSU?
Schon früher gab es Hinweise auf mögliche Verbindungen der NSU-Täter zu Straftaten aus dem Bereich Kindesmissbrauch. Auf Zschäpes Rechner fand sich Kinderpornografie, in ihrem abgebrannten Wohnwagen fanden die Ermittler Kinderspielzeug und eine Mädchensandale. Eine Zeugin will Böhnhardt und Zschäpe mit einem Mädchen gesehen haben. Hinweise, die bei den Ermittlungen bislang jedoch keine zentrale Rolle spielten. Kritiker halten das für falsch: „Für uns war immer klar: Es gibt Verbindungen der Neonazi-Szene in Thüringen, Sachsen und Nordbayern zur organisierten Kriminalität – Menschenhandel, sexueller Missbrauch, Zwangsprostitution von Jugendlichen“, sagt Martina Renner, Innenexpertin der Linke-Fraktion. An den Kindersachen im Wohnmobil der NSU-Terroristen fand sich bislang jedoch keine DNA-Spur der toten Peggy – dafür aber das Genmaterial eines unbekannten Mädchens. Seit Langem gibt es noch einen weiteren Hinweis, dass Böhnhardt etwas mit Kindstötungen zu tun gehabt haben könnte: Im bislang ungeklärten Fall des neunjährigen Bernd, der 1993 in Jena ermordet wurde, soll ein Schulfreund Böhnhardts gesagt haben: „Ich war’s nicht, das war Böhnhardt.“