Wulff hat nichts

Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert – Christian Wulff scheint das Sprichwort zu seinem persönlichen Motto gemacht zu haben.

Im Ernst: Es ist nicht mehr nachvollziehbar, wie ein nach einer beispiellosen Serie von Affären und peinlichen Enthüllungen zurückgetretener Präsident sich ausgerechnet von einem engen Vertrauten eine umstrittene lebenslange Luxus-Pension genehmigen lassen kann. Das ist dreist und instinktlos – und passt damit in das traurige Bild, das Christian Wulff in den letzten Monaten insgesamt abgegeben hat.

Dass er damit das Amt, das er 20 Monate bekleidet hat, weiter beschädigt, scheint Wulff auch diesmal nicht zu stören. Der Mann hat aus seinen Affären offenbar nichts gelernt.

Jetzt über seinen Ehrensold zu streiten, hat nichts mit Neid oder Kleinkariertheit zu tun; vielmehr ist die Debatte ein notwendiger Beitrag zur politischen Kultur in diesem Land. Eine Kultur, die Wulff in Diskredit gebracht hat.

Wenn demnächst die Akte Wulff geschlossen ist, muss über die Privilegien ausgeschiedener Bundespräsidenten neu nachgedacht werden. Was spricht etwa dagegen, die Höhe des Salärs an die Dauer der Amtszeit zu koppeln? Ein nach Dienstjahren gestaffelter Ehrensold wäre auch einem Staatsoberhaupt zuzumuten.

 
 

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