Wovon reden wir eigentlich? Wichtige Zahlen zu Flüchtlingen

Flüchtlinge hinter der deutsch-österreichischen Grenze in Wegscheid (Bayern) auf dem Weg zu einer Notunterkunft.
Flüchtlinge hinter der deutsch-österreichischen Grenze in Wegscheid (Bayern) auf dem Weg zu einer Notunterkunft.
Foto: Armin Weigel / dpa
Die CSU spricht von unkontrolliertem Zuzug von Flüchtlingen. Doch wie viele Flüchtlinge kommen derzeit nach Deutschland? Die Fakten.

Berlin.  Die Union hat sich darauf geeinigt an der deutsch-österreichischen Grenze ein „neues Grenzregime“ zu etablieren und sogenannte Transitzentren einzurichten. Dort sollen Flüchtlinge, die bereits in einem anderen EU-Land registriert sind, festgehalten und zurückgeschickt werden.

Doch wie viele Menschen kommen zurzeit überhaupt nach Deutschland? Obwohl die Debatte über die Asylpolitik sich in den vergangenen Tagen immer weiter aufheizte , ist die Zahl der Asylanträge bei weitem nicht mit dem Jahr 2015 vergleichbar. Damals stellten allein im Monat November 57.816 Menschen einen Antrag.

Wie viele registriere Flüchtlinge kamen dieses Jahr nach Deutschland?

Bis Mitte Juni 2018 hat Deutschland 18.349 Asylbewerber aufgenommen, die schon in einem anderen EU-Land registriert waren. Das geht aus Zahlen des Bundesinnenministeriums hervor, über die zunächst die „Passauer Neue Presse“ berichtete.

Insgesamt stellten demnach in den ersten fünf Monaten 2018 rund 78.000 Menschen in Deutschland einen Asylantrag. Im ersten Halbjahr 2017 waren es 90.389. Das bedeutet: Die Zahl der Anträge bewegt sich auf ähnlichem Niveau, ist sogar im Durchschnitt leicht gestiegen. Wäre die von Horst Seehofer geforderte Zurückweisung von bereits registrierten Flüchtlingen in diesem Jahr umgesetzt worden, wären damit rund ein Fünftel weniger Flüchtlinge in die Bundesrepublik gekommen.

Im Rekordjahr 2015 waren 890.000 Flüchtlinge nach Deutschland eingereist. Seit dem EU-Türkei-Flüchtlingspakt und der Abschottung der Balkanroute ging die Zahl zurück: 2016 waren es noch rund 280.000, vergangenes Jahr wurde mit knapp 187.000 in etwa wieder das Niveau von 2014 erreicht.

Wie viele Flüchtlinge leben in der EU?

In den 28 Mitgliedstaaten der Europäischen Union haben nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) lebten Ende 2017 knapp 2,3 Millionen Flüchtlinge. Das entspricht etwa 0,45 Prozent der EU-Gesamtbevölkerung von mehr als 511 Millionen Menschen.

Wie viele Migranten kommen heute noch übers Mittelmeer?

Zuletzt sind die Zahlen zurückgegangen. Zwischen 1. Januar und 24. Juni 2018 nahmen knapp 43.000 Flüchtlinge den gefährlichen Seeweg nach Europa auf sich. Das sind nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM), einer Behörde der Vereinten Nationen, etwa halb so viele wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. 2016 waren es zwischen Januar und Juni mehr als fünf Mal so viele.

Wie viele kommen auf der Überfahrt ums Leben?

Weil sich weniger Menschen auf den Weg machen, geht auch die Zahl derjenigen zurück, die tot geborgen oder vermisst werden. Nach IOM-Angaben waren es in der ersten Jahreshälfte rund 1000 Menschen – etwa zwei Drittel von ihnen auf der zentralen Route Richtung Italien. 2017 waren im ersten Halbjahr mehr als 2150 Menschen auf dem Mittelmeer ums Leben gekommen – damals fast alle auf dem Weg nach Italien.

Welche Länder erreichen Geflüchtete am häufigsten?

Wegen ihrer geografischen Lage im Süden Europas sind Italien, Griechenland und Spanien die klassischen Ankunftsstaaten. Bis Ende Juni 2018 landeten seit Jahresbeginn zwei von fünf Migranten in Italien, der Rest der Bootsflüchtlinge teilte sich gleichmäßig auf Griechenland und Spanien auf. Nur verschwindend wenige trafen auf Zypern ein. Oft verlassen Flüchtlinge den Staat später, in dem sie erstmals EU-Boden betraten.

Welches EU-Land nimmt die meisten Flüchtlinge auf?

In absoluten Zahlen bleibt Deutschland an der Spitze – vor Frankreich und Schweden. Ende 2017 lebten hierzulande nach UNHCR-Angaben 970.400 Schutzsuchende. Setzt man die Zahl allerdings ins Verhältnis zur Bevölkerung liegt Deutschland mit 117 Flüchtlingen pro 10.000 Einwohnern hinter Schweden (241), Malta (174) und Österreich (131). Im Vergleich zur Wirtschaftskraft nimmt Malta EU-weit die meisten Flüchtlinge auf, Deutschland liegt auf Platz sechs.

Und welcher die wenigsten?

Weniger als 1000 Flüchtlinge lebten Ende 2017 jeweils in Estland, Kroatien, Slowenien, Lettland und der Slowakei. In Polen und Ungarn, die sich vehement gegen die Aufnahme weiterer Schutzsuchenden wehren, kamen auf 10.000 Einwohner 3 respektive 6 Flüchtlinge.

Wie viele Flüchtlinge dürfen in Deutschland bleiben?

Über Asylanträge urteilt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf). Zwischen Januar und Mai 2018 entschied die Behörde in mehr als 110.000 Fällen. Asyl erhielt einer von drei Schutzsuchenden. 2017 lag die Quote bei etwa 43 Prozent, 2016 bei fast zwei Dritteln.

Ende 2017 waren im Ausländerzentralregister (AZR) rund 600.000 Menschen mit Flüchtlingsschutz nach der Genfer Konvention registriert, weil sie in ihren Heimatländern etwa politisch oder ethnisch verfolgt werden. Etwa 85 Prozent von ihnen haben befristete Aufenthaltsrechte. Des Weiteren hatten zum Jahreswechsel knapp 200.000 Menschen subsidiären (eingeschränkten) Schutz, weil ihnen im Herkunftsland ernsthafter Schaden droht, etwa durch Krieg.

Wie viele Menschen müssen Deutschland verlassen?

Bei negativem Asylbescheid droht eine Abschiebung – zumindest in der Theorie. Wer dem entgehen will, kann von sich aus ausreisen und dabei finanzielle Unterstützung bekommen. Laut AZR waren Ende 2017 knapp 230.000 Menschen ausreisepflichtig, etwa die Hälfte davon mit einem negativen Asylbescheid.

Von allen Ausreisepflichtigen hatten rund 166.000 eine Duldung. Das heißt: Ihr Aufenthalt wird so lange toleriert, bis Abschiebungshindernisse beseitigt sind. 2017 haben etwa 52.500 abgelehnte Schutzsuchende Deutschland verlassen – in 80 Prozent der Fälle war der negative Asylbescheid 2016 und 2017 ergangen. Abgeschoben wurden 2017 knapp 24.000 Menschen.

Flüchtlingskrise: So entwickelte sich die Zahl der Asylanträge

Flüchtlinge Asylanträge
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Können Flüchtlinge gegen ihren Asylbescheid vorgehen?

Ja, nach dem Gesetz können sie Rechtsmittel einlegen. 2017 zogen gut 80 Prozent der abgelehnten Asylbewerber gegen die Entscheidung des Bamf vor Gericht. Die insgesamt rund 146.000 Gerichtsverfahren endeten in fast der Hälfte aus formalen Gründen, etwa weil die Klagen zurückgezogen wurden oder weil sich die Beteiligten einigten.

Die Prozesse, die nicht eingestellt wurden, entschieden die Richter in zwei von fünf Fällen zugunsten der Schutzsuchenden. Die Zahl der Fälle, die in die zweite Instanz ging, war verschwindend gering.

Welche Leistungen bekommen Asylbewerber?

In Erstaufnahmeeinrichtungen oder Gemeinschaftsunterkünften erhalten sie Sachleistungen für das tägliche Leben. Dazu gehören Grundleistungen wie Essen, Unterkunft und Kleidung, zudem ein „Taschengeld“, das für Alleinstehende maximal 135 Euro beträgt, und notwendige medizinische Versorgung.

Wenn Asylbewerber nicht in Gemeinschaftsunterkünften wohnen, können die Grundleistungen auch ausgezahlt werden. Alleinstehende erhalten 216 Euro monatlich für Essen, Unterkunft und andere Grundbedürfnisse. Bevor Asylbewerber Leistungen bekommen, müssen sie grundsätzlich eigenes Vermögen – abgesehen von einem Freibetrag von 200 Euro pro Familienmitglied – oder Einkommen aufbrauchen. (les/dpa)

 
 

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